Arsenal-Standardcoach Jover steht am Ursprung der Revolution
Macht dieser Mann den Fussball kaputt?

Es lebe der Standard! In der laufenden Premier-League-Saison fallen so viele Tore nach ruhenden Bällen wie noch nie. Liverpool-Coach Arne Slot – und vielen anderen auch – geht das gegen den Strich. Ein Mann steht sinnbidlich für den Eckball-Hype im englischen Fussball.
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Dieser Mann steht sinnbildlich für den Wandel in der Premier League: Arsenals Standardcoach Nicolas Jover.
Foto: Getty Images

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Premier-League-Standardtore erreichen Rekordwert von 27,5 Prozent 2026
  • Arsenal erzielt fast 38 Prozent seiner Tore nach Standardsituationen
  • 215 von 783 Toren durch Standards, 14 weniger als 2025
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Lino DieterleRedaktor Online Sport

Er gestikuliert wild und jubelt noch viel wilder: Arsenals Standardcoach Nicolas Jover ist ein Charakter, an dem sich die Geister scheiden.

Schliesslich erlebt der ruhende Ball auch wegen seiner Taktiken eine Auferstehung. Wobei der set piece, wie der ruhende Ball in England genannt wird, nie wirklich tot war. Seit 2016 fielen immer um die 20 Prozent aller Premier-League-Tore nach Standards. Die 27,5 Prozent – was 215 von 783 Toren entspricht – in der laufenden Saison sind aber unerreicht. Das sind 14 weniger als in der gesamten Vorsaison (229 von 1115 – ca 20,5 %).

Bei Premier-League-Leader Arsenal liegt dieser Anteil nach dem 2:1-Sieg über Chelsea – wo alle Toren nach Ecken gefallen sind – sogar bei fast 38 Prozent (22 von 58)! Die oft simpel wirkende Variante: Spieler stellen den Torhüter im Fünfer so zu, dass dieser kaum eine Chance hat, die scharf getretene Flanke zu erreichen, die entweder am ersten Pfosten verlängert oder am zweiten wieder in die Mitte gelegt wird. Nicht besonders attraktiv, aber höchst effektiv.

Slot: «Bereitet keine Freude»

Eine Effizienz, die Titelverteidiger Liverpool lange hat vermissen lassen. Nach dem Fehlstart hatte ein verärgerter Arne Slot im Herbst darauf verwiesen, dass sein Team zu den schlechtesten Standard-Teams der Liga gehört. Nun hat der Holländer offenbar an den richtigen Stellschrauben gedreht, denn: Liverpool hat sieben seiner letzten neun Liga-Tore nach Standards erzielt.

Dennoch kritisiert Slot nach dem 5:2-Sieg gegen West Ham die Entwicklung in England unverblümt: «Mir bereiten die meisten Spiele in der Premier League keine Freude.» Die neue Standard-Realität existiere nur auf der Insel. «In der Eredivisie sehe ich, dass Tore aberkannt und Fouls an Torhütern gepfiffen werden. Hier allerdings kannst du dem Torwart fast ins Gesicht schlagen», ärgert er sich besonders über den fehlenden Schutz für die Schlussmänner. Sein Fussballherz möge so etwas nicht. «Ich denke lieber an die Barça-Mannschaft vor 10 bis 15 Jahren», so Slot.

Shearer: «Kein Top-Team überzeugt!»

Mit dieser Kritik steht er nicht alleine da. Nati-Goalie Gregor Kobel kritisiert die aktuelle Regelauslegung mit klaren Worten. «Ich finde, die Blocks, die man im Moment stellen kann, sind aus Torwartsicht krass», so der Dortmund-Keeper. «Das juckt natürlich niemand, weil die Torwart-Community klein ist, aber das ist brutal.»

Schon die ganze Saison wird in England die Attraktivität der Liga respektive der einzelnen Spiele hinterfragt. Das Spektakel bleibt vielen auf der Strecke. Ex-Newcastle-Stürmer Alan Shearer hat neben dem Standard-Fokus auch einen anderen Ansatz: Die fehlende Sommerpause für viele Spieler aufgrund der Klub-WM. «Liverpool, Chelsea, aber auch Real oder PSG sind meilenweit von ihrer Topform entfernt», findet er im Podcast «And the Rest is Football».

Einer, der die ganze Debatte mit etwas Schadenfreude geniesst, ist Tony Pulis. Der Ex-Coach von Stoke City hielt seine Teams eigentlich nur dank ihrer Standardstärke in der Liga. «Ich wurde schon vor zehn Jahren als Dinosaurier abgestempelt», hatte er sich in einer BBC-Kolumne geäussert. Für ihn ist klar, dass Standardtore, anders als die Dinosaurier vom Erdantlitz, nicht aus dem Fussball verschwinden werden. Nicola Jover würde wild gestikulierend zustimmen.

Premier League 25/26
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Arsenal FC
Arsenal FC
32
38
70
2
Manchester City
Manchester City
31
35
64
3
Manchester United
Manchester United
32
12
55
4
Aston Villa
Aston Villa
32
5
55
5
Liverpool FC
Liverpool FC
32
10
52
6
Chelsea FC
Chelsea FC
32
12
48
7
Brentford FC
Brentford FC
32
4
47
8
Everton FC
Everton FC
32
2
47
9
Brighton & Hove Albion
Brighton & Hove Albion
32
6
46
10
FC Sunderland
FC Sunderland
32
-3
46
11
AFC Bournemouth
AFC Bournemouth
32
-1
45
12
FC Fulham
FC Fulham
32
-3
44
13
Crystal Palace
Crystal Palace
31
-1
42
14
Newcastle United
Newcastle United
32
-2
42
15
Leeds United
Leeds United
32
-10
36
16
Nottingham Forest
Nottingham Forest
32
-12
33
17
West Ham United
West Ham United
32
-17
32
18
Tottenham Hotspur
Tottenham Hotspur
32
-11
30
19
Burnley FC
Burnley FC
32
-30
20
20
Wolverhampton Wanderers
Wolverhampton Wanderers
32
-34
17
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