«Hätte mehr Spielzeit gewünscht»
Rieder über Rennes, das Comeback und die EM

Rennes-Söldner Fabian Rieder ist zurück! Seit zwei Wochen spielt der Berner nach seinem Fussbruch wieder. Aber nach wie vor Teilzeit. Er sagt, er sei in Topform und will sich durchbeissen. Und natürlich hofft er auf die EM.
Publiziert: 10.04.2024 um 16:58 Uhr
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Aktualisiert: 11.04.2024 um 02:16 Uhr
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Im vergangenen Sommer wechselte Fabian Rieder in die Ligue 1 zu Stade Rennes.
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Alain KunzReporter Fussball

Als Sie sich in Bern verabschiedeten, waren Sie der Champions-League-Held, der YB mit in die Königsklasse gebracht hat. Finden Sie sich in der Bretagne nun als Bettler wieder?
Fabian Rieder: Es wäre definitiv falsch, das so zu formulieren. Zudem habe ich YB nicht alleine in die Königsklasse gebracht. In Rennes ist die Ausgangslage nun eine ganz andere. Aber ich werde hier sehr geschätzt, sowohl von meiner Persönlichkeit, als auch von meinen fussballerischen Qualitäten her.

Aber die Erwartung war sicher an einem anderen Ort?
Klar, habe ich mir mehr Spielzeit gewünscht. Zu Beginn lief es gut. Ich kam oft rein, spielte zweimal von Beginn weg. Dann hatte ich Probleme mit dem Fussgelenk, musste mir Cortison spritzen lassen. Es folgte der Trainerwechsel. Und ich war nicht auf Topniveau. Ende Vorrunde sagten Trainer und Sportchef aber, dass sie mit mir sehr zufrieden sind. In der Rückrunde kam ich in zwei Spielen früh rein. Im zweiten kam dann das mit der Verletzung.

Wie genau geschah das?
Dante von Nizza fiel mit vollem Gewicht auf mich. Er ist sicher 20 Kilo schwerer als ich. Da hörte ich es knacken und wusste gleich: Der Fuss ist gebrochen. Es war der linke. 2019 hatte ich den rechten gebrochen.

Da waren sie drauf und dran, Stammspieler zu werden.
Ich war auf gutem Weg. Handkehrum tat mir die Verletzung irgendwie auch gut. Es ist zwar komisch, das zu sagen. Aber so konnte ich durchatmen und mich voll auf den Aufbau fokussieren.

Sie sind physisch besser als vor der Verletzung?
Ja. Aber nicht nur physisch, auch im Kopf bin ich freier. Im Winter war ich enorm gestresst. Alles war anstrengend. Erstmals im Ausland. Erstmals weit weg von der Familie. Ich bin ein Familienmensch und habe die Familie vermisst. Das habe ich vielleicht ein bisschen unterschätzt. Oder sagen wir es so: Ich war mir nicht bewusst, wie gross die Veränderung sein würde. So brauchte ich Zeit. Und fussballerisch bin ich auch weiter. Ich bin auf einem Topniveau.

Sie hatten seit zwei Jahren keine richtige Pause mehr.
Stimmt. Nach der WM 2022 waren es sieben Tage und im Sommer nochmals sieben Tage. Das war alles. Aber es gab ja auch viel zu feiern. Die Titel. Dazu die WM, die U21-EM und der Wechsel ins Ausland. Das muss man alles erst mal verarbeiten.

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Und dennoch spielen Sie einmal null, einmal sieben, einmal acht Minuten. Obwohl Trainer Julien Stéphan sagte, man warte ungeduldig auf ihre Rückkehr.
Es braucht diese Spiele, um zuerst mal hineinzukommen, bevor man wieder in der Lage ist, in der Startelf zu stehen. Der Spiel-Rhythmus ist ein anderer als jener im Training.

Im Sommer gab es Diskussionen um Destinationen wie den BVB, Gladbach, Leverkusen. Und dann landeten sie «nur» in Rennes. Da hat manch einer die Nase gerümpft.
Ich verstehe diese Sichtweise. Für uns Deutschschweizer ist die Ligue 1 nicht so nahe wie die Bundesliga. Deshalb habe ich mich umso mehr mit diesem Projekt auseinandergesetzt. Wer sich hier als junger Spieler durchsetzt, kann bei grossen Vereinen landen. Guirassy, Camavinga, Tel, Doku, Raphinha sind Beispiele. Das ist ein super Klub, um sich weiterzuentwickeln. Dass ich noch nicht so viele Spielminuten hatte, ist kein Weltuntergang. Ich habe mit 22 Jahren noch Zeit. Ich greife nächste Saison an.

In Rennes?
Das ist das Ziel. Ich bin nicht der Typ, der sofort etwas anderes sucht, wenn es nicht läuft wie geplant. Ich möchte mich durchsetzen. Im Sommer muss die Situation aber nochmals mit allen Parteien analysiert werden.

Hatten Sie zum Beispiel mit Ex-Rennes-Söldner Alex Frei Kontakt, bevor Sie hier unterschrieben haben?
Nein, ich habe mit Jordan Siebatcheu geredet, der auch hier gespielt hat. Er sagte mir, das sei ein Topklub. Und Vincent Sierro schwärmte von der Ligue 1. Es war definitiv kein Fehler, hierherzukommen.

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Nur das Wetter in der Bretagne ist nicht sehr anmächelig?
(Lacht.) Es regnet sehr viel! Dass es aber so schlecht ist, hätte ich nicht gedacht. Braun bin ich definitiv nicht geworden.

Aber weil Ihre Freundin auch da ist, wird es Ihnen nicht langweilig.
Stimmt. Lea macht nun eine Sprachschule. Zudem hat sie Spielerfreundinnen kennengelernt, mit denen sie Zeit verbringt. Für mich ist es sehr wichtig, dass sie bei mir ist und mich unterstützen kann.

Wie sieht Ihr Alltag aus?
Paris ist in anderthalb Stunden mit dem Zug erreichbar. Dorthin haben wir schon Ausflüge gemacht. Das Meer ist nahe. Saint-Malo ist nur eine Autostunde weg. Und auch Rennes ist ein sehr herziges Städtchen.

Saint-Malo im Sommer kennen Sie also noch nicht. Wären Sie im Juni lieber dort – oder in Deutschland?
Klar würde ich sehr gerne dann in Deutschland sein. Ich hatte das Glück, in Katar zu sein. Murat Yakin wird das Aufgebot erlassen. Ich werde alles tun, um dabei zu sein. Und wenns nicht klappt – es kommen weitere grosse Turniere. Ich habe auf jeden Fall viel Qualität. Aber im Moment spielen andere mehr und performen in ihren Vereinen. Also sind die vor mir.

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Hat Yakin Sie mal angerufen?
Nein. Er hat mir aber zum Geburtstag gratuliert. Angerufen hat Nati-Direktor Pierluigi Tami.

Was hat er ihnen gesagt?
Das war während meines Fussbruchs. Er wollte wissen, wie es mir gesundheitlich geht.

Wie nahe verfolgen sie YB?
Von sehr nahe. Ich schaue jedes Spiel, wenn es möglich ist; mein bester Kollege ist ja Lewe.

Lewe?
Lewin Blum. Ich bin überzeugt, YB holt den Meistertitel auch diese Saison.

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Und dann kriegen Sie eine Meisterprämie? Immerhin haben Sie diese Saison drei Spiele gemacht.
Ich gehe nicht davon aus. Der Titel würde mir wohl auch offiziell nicht zugerechnet.

Da Sie den Cupfinal im Halbfinal gegen PSG verpasst haben, könnten Sie bei der Pokalübergabe in Bern dabei sein.
Dann bin ich als grösster YB-Fan im Stadion mit dabei!

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