Wie ist Jürgen Klopp, Tatjana Haenni?
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Enger Partner bei RB:Wie ist Jürgen Klopp, Tatjana Haenni?

Erste CEO eines Bundesligisten
Tatjana Haenni:«RB Leipzig hat finanziell keine Schmerzgrenze»

Tatjana Haenni ist die erste weibliche CEO eines Bundesligisten. Im SonntagsBlick-Interview verrät sie, wie sie es an die Spitze von RB geschafft hat, warum sie keine Pionierin ist und wie sie mit Leipzig die Bayern, ihren einstigen Lieblingsklub, herausfordern will.
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An der Spitze angelangt: Tatjana Haenni ist die erste weibliche CEO eines Bundesligisten.
Foto: Stefan Bohrer

Tatjana Haenni (59) war die Erleichterung anzumerken. «Ohne etwas Drama geht es bei uns scheinbar nicht», sagte die gebürtige Bernerin nach dem 2:1-Sieg von RB Leipzig gegen St. Pauli vor acht Tagen, als sich die Leipziger definitiv den Platz in der Champions League der nächsten Saison sicherten. «Ich habe mal als Präsidentin mit den FCZ-Frauen an der Champions League teilgenommen, aber das ist natürlich hier eine andere Dimension.»

Seit dem 1. Januar ist Haenni CEO von Rasen Ballsport Leipzig. Als erste Frau überhaupt führt sie einen deutschen Bundesligisten. «Diese Nachricht ist eine Bundesliga-Sensation!», schrieb die «Bild», als am 10. Dezember die Bombe platzte. Mit rund 450 Millionen Euro Umsatz ist der 2009 gegründete Verein nicht nur sportlich, sondern auch umsatzmässig die Nummer 3 der Liga hinter Bayern München und Borussia Dortmund.

Nachdem sich Haenni die ersten Monate öffentlich in Schweizer Medien zurückhalten wollte, empfing sie am letzten Wochenende eine Handvoll Journalisten in Leipzig und gewährte auch dem SonntagsBlick ein Interview.

Tatjana Haenni, was ist Ihre erste Bundesliga-Erinnerung?
Die reicht weit in meine Kindheit zurück. Jetzt wird es aber schon heikel (lacht). Mein erster Lieblingsklub in Deutschland war Bayern München. Ich erinnere mich an Gerd Müller und die roten Leibchen mit den weissen Streifen, ganz klassisch. Aber als Bernerin war ich natürlich YB-Fan.

Gut 50 Jahre später sind Sie die erste Frau, die CEO eines Bundesligisten ist? Was löst das in Ihnen aus?
Ganz viel. Freude und Begeisterung, weil ich etwas erreicht habe und an einem Ort bin, an dem ich etwas mitbewegen kann. Denn der Fussball bewegt die Welt. Ein Klub mit Strahlkraft, der vorne mitspielt und in der Champions League vertreten ist. In der Bundesliga, die zu den besten Ligen der Welt gehört. Das ist einmalig und etwas, was ich mir damals als Mädchen in Bern natürlich nicht hätte vorstellen können.

Kam die Anfrage auch für Sie überraschend?
Eine Karriere kann man schlecht planen. Manchmal kommen Dinge zusammen, und man muss zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein. Das war hier der Fall. Ich hatte im Rahmen meiner Aufgabe bei der NWSL in den USA mit RB und Oliver Mintzlaff zu tun. Wir haben uns kennengelernt, und es hat sich herauskristallisiert, dass ich aufgrund meiner Erfahrung, meiner Persönlichkeit, der Internationalität, der Leadership- und Management-Skills und des strategischen Wissens die Person bin, die noch gefehlt hat. Sie hatten ja drei Jahre lang keinen CEO und sich bewusst Zeit gelassen, die Stelle wieder zu besetzen. Ich war das fehlende Puzzleteil.

Was bringen Sie mit?
Ich arbeite bereits sehr lange in diesem Business. Ich bin jemand, der eine Vision hat, der strategisch denkt, für die Sache einsteht und gut führen kann. Und auch erfolgreich war, in dem, was ich gemacht habe. Ich hatte immer das Gefühl, dass ich in einer Führungsrolle am besten aufgehoben bin. Nicht, weil ich super ehrgeizig bin oder hierarchisch denke, sondern weil meine Kompetenzen, mein Know-how, meine Erfahrung und meine Ambitionen in einer solchen Position am besten zum Tragen kommen. Dass ich mich hier – in diesem Klub, in dieser Liga, in diesem Land – in ein Führungsteam integrieren kann, ist extrem befriedigend und macht mich auch stolz.

Hatten Sie auch Angebote von anderen Klubs?
Dass ich alles mitbringe für diesen Job, war mir klar. Aber kriegt man auch die Chance? Ich hatte auch mit einem Klub aus der Super League verhandelt, aber abgelehnt, weil dort die Rahmenbedingungen nicht passend waren. Ich hätte mich auch bei anderen Klubs, Ligen oder Verbänden gesehen, dort hatte man kein Interesse. Fair enough. Es muss immer für beide Seiten stimmen.

Sie sind die erste Frau in dieser Funktion in der Bundesliga. Fühlen Sie sich besonders unter Druck?
Nein, überhaupt nicht, denn Druck ist kein guter Wegbegleiter. Die Rolle bringt Verantwortung mit sich, aber ich mache den Job aus Leidenschaft und gebe mein Bestes. Wenn das gut genug ist, haben wir Erfolg, wenn nicht, dann müssen wir reden. In meiner Karriere gings ein paar Mal auf und ab, das gehört dazu. Aber ich bin der tiefsten Überzeugung, dass ich hier Gutes bewirken kann. Man kann mit dem Fussball Menschen bewegen, Emotionen und Begeisterung auslösen, Leute verbinden und Glücksgefühle kreieren. Immer mit dem Ziel, sportlich und wirtschaftlich erfolgreich zu arbeiten.

Aber wenn Sie scheitern, dann heisst es, Sie sind nicht als Person, sondern als Frau gescheitert.
Die Geschlechterfrage hat mich zum Glück nie begleitet. Ich habe das nie so gesehen. Ich war zwar oft die Erste, aber irgendeine muss ja eine Erste sein. Und wenn ich das bin – so what! Das Gute daran ist, dass ich für andere eine Tür aufmachen kann, dass es einfacher und normaler wird – und dass man irgendwann gar nicht mehr darüber sprechen muss. Es geht ja nicht um das Geschlecht, sondern darum, ob jemand in seinem Job gut ist. Jetzt bin halt ich die erste Frau. Im Klub ist das kein Thema, in der Liga auch nicht, auch wenn ich natürlich gelegentlich darauf angesprochen werde. Aber das ist okay, weil es ja vom geschichtlichen Aspekt her verständlich ist.

Sie sagten einmal, wenn die Babyboomer-Generation aus den Chefsesseln weg ist, dann wird sich die Gesellschaft ändern. Ist dieser Moment gekommen?
Ja, das glaube ich. Die Gesellschaft befindet sich im Wandel. Laut einer Nielsen-Studie ist RB in der Beliebtheitsskala der Bundesliga die Nummer 7, was erstaunlich ist, weil wir ja bei den traditionellen Fans nicht beliebt sind. Heute aber rückt eine jüngere Generation nach, die anders denkt, die raus und mit Freunden etwas erleben will. Junge Menschen sind ein ganz wichtiges Zielpublikum für uns. Diese haben diese Abneigung gegenüber uns nicht, weil sie anders ticken. Wir wollen Emotionen vermitteln und Leute im Stadion haben, die begeistert sind: Kinder, Frauen, Familien, Männer. Die Stimmung bei uns ist eine andere, es ist familiär und friedlich, und es sind auch sehr viele Frauen im Fanblock. So stelle ich mir das vor. Es ist ein gesellschaftlicher Wandel, den wir mitprägen können, weil wir als Klub eine junge Geschichte haben.

Was für Reaktionen haben Sie auf Ihre Beförderung erhalten?
Durchwegs positive, sei es aus meinem privaten Umfeld, von Ex-Arbeitgebern oder auch medial. Dass auf den sozialen Medien der eine oder andere negative Kommentar gepostet wurde, gehört dazu und spielt für mich keine Rolle. Für mich zählt, wie wir hier arbeiten. Ich habe ein sehr gutes Team vorgefunden und gut angefangen. Es macht sehr viel Spass.

Gab es Reaktionen, die Sie überrascht haben?
Reaktionen nicht, eher Nicht-Reaktionen, also Leute, die sich nicht gemeldet haben.

Wer?
Namen will ich keine nennen, aber es gibt Leute, von denen ich nichts gehört habe, von denen ich es aber erwartet hätte. Aber man sieht in solchen Momenten, wie Menschen funktionieren, ob man sich für jemanden anderen freuen kann. Wenn jemand in meinem Umfeld einen Karriereschritt macht, wie jetzt Kathleen Krüger beim HSV, dann ist es für mich normal, dass ich mich melde und gratuliere, weil ich das toll finde.

Wie sieht Ihr Alltag aus?
In den ersten drei Monaten gab es ganz viele Gespräche. Es ging darum, den Klub und die Stadt kennenzulernen. Wir haben intern sehr viele Meetings und auch ein gemeinsames Frühstück mit allen Mitarbeitern gemacht. Ich war aber auch beim Oberbürgermeister, bei der Rektorin der Universität oder habe Partner wie BMW besucht. Im Austausch innerhalb der GL habe ich versucht, sehr strategisch zu denken und uns intern so aufzustellen, dass wir unsere Ziele erreichen können. Und ich habe viel Fussball geschaut. Ich war mit einer Ausnahme an jedem Spiel unserer Männer, habe drei Heimspiele der Frauen gesehen, und wenn möglich gehe ich auch zu unseren Nachwuchsteams. Zusammengefasst kann man sagen: viel Fussball, viele Gespräche, viel Red Bull und Kaffee trinken. Und eine schöne Wohnung habe ich auch gefunden.

Was sind die Zielsetzungen?
Wir wollen wachsen, mit den Männern national in die Top 4, international in die Top 10 kommen, jedes Jahr europäisch spielen, wenn immer möglich Champions League. Zudem habe ich mir drei Ziele gesetzt. Wir sind international sehr aktiv, aber wir haben kommerziell Luft nach oben: Ticketing, Merchandising, Partnerschaften, Hospitality – in allen Bereichen. Zweitens müssen wir mehr eigene junge Spieler rausbringen. Unsere Infrastruktur, unser Leistungszentrum, die Büros und das Stadion sind top, finanziell ein relevanter Kostenpunkt. Bei uns kommen zu wenig Spieler von unten hoch, da müssen wir effizienter werden. Und wir wollen die Begeisterung für RB in Leipzig, Sachsen und ganz Ostdeutschland noch mehr entfachen, denn wir sind mit Ausnahme von Union der einzige Bundesligaklub im Osten. Das ist ein Riesengebiet, da wollen wir für die Leute da sein.

Haenni ist die Vorsitzende der Geschäftsführung, die noch aus drei weiteren Geschäftsführern besteht. Verantwortlich für den Sport ist der frühere Profi Marcel Schäfer (41), der 2009 mit Wolfsburg deutscher Meister wurde und einige Spiele für die deutsche Nationalmannschaft bestritt. «Tatjana hat unglaublich viel Erfahrung dank ihrer Tätigkeiten bei Vereinen und Verbänden. Wir haben einen sehr guten Austausch, sie bringt gute Ideen rein und gibt auch immer wieder lobendes Feedback, bringt aber auch einmal eine kritische Stimme ein», so der Geschäftsführer Sport.

Wie gross ist Ihr Einfluss als CEO auf den sportlichen Bereich?
Der Sport ist mit Marcel Schäfer sehr gut abgedeckt. Zudem haben wir ein Beraterteam, wobei natürlich der Name von Jürgen Klopp immer heraussticht (lacht). Wir alle haben einen guten Austausch. Auch wenn der Sport inhaltlich nicht bei mir ist, trage ich die Hauptverantwortung für den Klub. Wenn grössere Themen anstehen, es strategische Diskussionen gibt, es um Transfers oder die Saisonplanung geht, bin ich involviert. Aber ich bin nicht diejenige, die dem Trainer sagt, wie er die Mannschaft aufstellen soll.

Wie erleben Sie Jürgen Klopp?
Er ist ein sehr umgänglicher, lockerer, sympathischer und offener Typ, der da ist und den wir jederzeit kontaktieren können. Unser Verhältnis ist freundschaftlich professionell.

Sind Sie sein Chef? Oder umgekehrt?
Weder noch. Hierarchisch und organisatorisch haben wir keine Verbindung. Er hat bei RB Global Soccer verschiedene Aufgaben, wir sind aber RB Leipzig. Bei Transfers, Trainer-Rekrutierungen oder allgemeinen Fussballthemen tauschen wir uns situativ aus, mehr nicht. 

Wie wichtig ist die Teilnahme an der Champions League?
Finanziell sehr wichtig, denn ein Fussballklub ist auch ein Wirtschaftsunternehmen. Hätten wir uns nicht qualifiziert, hätten wir aufgrund der Kaderkostenregelung der Uefa, die wir konsequent einhalten, mehr Spieler verkaufen müssen. Die Champions League ist die Crème de la Crème, da willst du dabei sein und dich mit den Besten messen. Und international hast du hier eine viel grössere Aufmerksamkeit.

Damit steigen auch die Chancen, dass sie Yan Diomande halten können. Bleibt er?
Ja.

Warum?
Er ist ein Jahrhundertspieler, den man nicht jedes Jahr hat. Er ist unheimlich wichtig für uns, sportlich, aber auch menschlich, so wie er sich entwickelt hat. Er hat eine wahnsinnige Saison gespielt, aber ich denke, es ist auch für ihn wichtig, dass er die Ruhe bewahrt, seine Karriere strategisch gut aufbaut und nicht zu schnell zu grosse Sprünge macht. Für seine Entwicklung ist die Champions League ein guter nächster Schritt; als Sympathieträger und als sportliche Schlüsselfigur in unserem Team.

Wo liegt die finanzielle Schmerzgrenze?
RB Leipzig hat keine Schmerzgrenze.

Wann greifen Sie die Bayern an?
Respekt, wem Respekt gebührt. Bayern ist ein Topklub, gegen PSG haben sie zwei Topspiele abgeliefert. Der Klub hat eine grosse Tradition und ist eine unheimliche Erfolgsgeschichte. Wenn ich sagen würde, wir sind besser, wäre das nicht korrekt und unprofessionell. Aber wenn wir gut arbeiten, die richtigen Transfers machen, junge Spieler ausbilden und verpflichten und die Bayern eine Saison nicht top sind, dann wollen wir bereit sein. Mit RB Meister zu werden, ist ein Ziel, aber mit einer realistischen Einschätzung.

RB Leipzig wurde erst 2009 und auf Initiative des österreichischen Getränkeherstellers Red Bull gegründet. Die Lizenz wurde vom SSV Markranstädt aus der fünfthöchsten Liga übernommen. Dank der Millionen von Red Bull schaffte der Verein den Durchmarsch und stieg 2016 in die 1. Bundesliga auf. Die Helden von damals wurden am letzten Wochenende vor dem Heimspiel gegen St. Pauli geehrt, unter ihnen auch Fabio Coltorti, der von 2012 bis 2018 für Leipzig spielte. 

RB steht gerade bei Traditionalisten in der Kritik. Wie gehen Sie damit um?
Man muss differenzieren. Wir sind offen für Kritik, und die nehmen wir uns auch zu Herzen, aber sie muss fundiert sein. Und das ist sie oft nicht. Tatsache ist, dass wir nicht die Geschichte und die jahrelange Zugehörigkeit in der Bundesliga haben wie andere Klubs. Aber wir sind 100 Prozent konform mit allen Regularien. Ich tue mich schwer damit, wenn auf jemandem herumgehackt wird, der nichts falsch gemacht hat. Dabei geht auch unter, was wir alles gut machen.

Das wäre?
Ich will nicht rumposaunen, wie toll wir sind. Aber wir haben zum Beispiel keine Gewalt im Stadion, keine Probleme mit Pyrotechnik, in der inoffiziellen Bussenstatistik sind wir zusammen mit Mainz Letzter. Wir haben eine frauen- und familienfreundliche Atmosphäre im Stadion, viele Frauen, die nicht zu Traditionsklubs gehen würden, fühlen sich bei uns wohl. Wir haben viele soziale Projekte wie die Bullis Bande, wo Kinder ihre Idole treffen können. Wir arbeiten mit Schulen und Fussballschulen zusammen. Wir wollen familienfreundlich, sympathisch, nahbar und attraktiv sein, ein Ort, wo die Leute gerne hinkommen. 

Können Sie Beispiele nennen?
In der oben genannten Nielsen-Studie steht RB in Leipzig, Sachsen und Ostdeutschland auf dem ersten und in Mitteldeutschland auf dem dritten Rang. Ich war an unserer Mitgliederversammlung. Gleich am ersten Stehtisch standen zwei Frauen, etwas jünger als ich, in zwei unserer neuen Trikots mit dem Namen Diomande hintendrauf. Dauerkartenbesitzerinnen seit dem ersten Tag. Sie sagten, sie seien Fussballfans seit klein auf, aber es habe nie einen Klub gegeben, bei dem sie sich wohlgefühlt hätten. Dann kam RB. Ein neuer, toller Klub, ein super Stadion, wo man ohne Angst Fussball schauen kann. Das ist doch eine gute Story. Einige hacken auf uns rum, weil wir nicht so sind wie die anderen. Damit tut man uns extrem unrecht, auch wenn ich akzeptiere, dass jeder seine Meinung haben darf. 

Aber Sie haben kein Verständnis dafür?
Natürlich verstehe ich, dass ein neuer Player, der disruptiv und anders ist, Unruhe verursacht. Das ist immer so. Aber wir haben nichts falsch gemacht. Nur jemanden zu kritisieren, der eine andere Struktur hat, als jene, die es seit 100 Jahren gibt, ist für mich unprofessionell. Man kann dies weiter zementieren und negieren, dass wir für Leipzig, die Region ein sehr wichtiger Partner sind. Es gibt Beispiele anderer Klubs, die abgestiegen, weit weg von ehemaligen Erfolgen sind und die Menschen einer ganzen Region deswegen leiden. Oder man macht es anders, so wie wir. Zudem sind wir ein super Arbeitgeber, ein wichtiger Wirtschaftstreiber in der Region Leipzig und im Osten, wo ja nach der Wende wirtschaftlich nicht viel los war. Einige Player wie BMW, Porsche, Amazon oder DHL und viele KMU haben geholfen, dass diese Region eine gewisse Stärke hat.

Spüren Sie einen Wandel?
Die Welt verändert sich, die Wirtschaft und die Gesellschaft verändern sich. Wir sind Teil des Entertainment-Business, der Fussball hat Konkurrenz bekommen. Die NFL trägt Spiele hier aus, die NBA ebenfalls. Die internationalen Medienrechte der DFL stagnieren, wir alle in der Liga müssen unseren Beitrag leisten, damit wir wieder präsenter werden. Wenn man als Business dabeibleiben will, muss man sich verändern.

In einem Artikel des Magazins «11 Freunde» ist von einem Klima der Angst unter Red-Bull-Boss Oliver Mintzlaff die Rede. Ist dem so?
Dass es verschiedene Führungsstile gibt, ist klar, aber hier herrscht definitiv kein Klima der Angst. Die RB-Leipzig-Geschichte ist eine absolute Erfolgsgeschichte, die viel mit Oliver Mintzlaff zu tun hat. Nach dem Aufstieg vor zehn Jahren ist man gleich Zweiter geworden und hat bis auf diese Saison immer international gespielt. Der Klub ist sehr gut aufgestellt und geführt und ist von 20 auf 485 Mitarbeiter gewachsen. Die Leute sind sehr angenehm, hilfsbereit und engagiert, und sie sind dem Club sehr verbunden.

Haenni wurde am 2. Dezember 1966 in Biel geboren, wuchs aber in Bern auf. Ihre Mutter stammte aus Wien. Haenni wollte als Kind Lehrerin, Polizistin oder Fussballerin werden, absolvierte aber eine KV-Lehre und zog schon früh von zu Hause aus. Als Fussballerin spielte sie beim DFC Bern, SV Seebach und Rapid Lugano, für die Nati bestritt sie 23 Länderspiele. 1994 wechselte sie auch beruflich in den Fussball und heuerte bei der Uefa an. Von 1999 bis 2017 arbeitete sie für die Fifa unter anderem als Direktorin Frauenfussball. Von 2018 bis 2022 war sie Direktorin Frauenfussball im Schweizerischen Fussballverband und war damit die erste Frau in der Geschäftsleitung in der SFV-Geschichte. Von 2023 bis 2025 war sie Direktorin der amerikanischen Frauen-Profi-Liga NWSL. Ihre Lebenspartnerin lebt in Zürich.

Sie waren zeitlebens eine Pionierin im Frauenfussball. Warum?
Ich mag diesen Begriff nicht, denn Pionierinnen waren diejenigen vor mir. Trudy Moser, Madeleine Boll, Esther Zaugg oder Margrit Näf. Die mussten sich früher Dinge anhören und haben später Sachen durchgebracht, vor denen ich den Hut ziehe. Ich war oft die Erste, aber ich musste mich nie durchboxen oder habe Dinge abbekommen, die dramatisch waren. Madeleine Boll durfte als junges Mädchen nicht mehr Fussball spielen, das sind einschneidende Momente.

Hatten Sie auch ein solches Erlebnis?
Vielleicht unterbewusst als Mädchen, als ich gemerkt habe, dass die Jungs, mit denen ich in der Freizeit Fussball spielte, alle in die Klubs gingen, es für mich aber keinen gab. Das hat mich genervt, sodass ich Landhockey und Tennis spielen ging, bis ich drei Monate später herausfand, dass es in Bern doch ein Frauenteam gibt. Das hat mich geprägt, auch wenn ich das in diesem Alter noch nicht begriffen habe. Aber ich habe gemerkt, irgendetwas stimmt nicht und ist nicht fair. Warum hatten die Jungs andere Möglichkeiten, obwohl ich eine der Besten war? Vielleicht kommt daher der Antrieb, damit das in Zukunft nicht mehr passiert.

Was ist der beste Ratschlag, den Sie in Ihrem Leben erhalten haben?
Den bekam ich einst von der Amerikanerin Mary Harvey. «Dont ask for permission, ask for forgiveness.» (Frag nicht um Erlaubnis, sondern um Vergebung). Sie war die erste Frau in der Geschäftsleitung der Fifa und musste damals als Direktorin Entwicklung unter Präsident Sepp Blatter dessen Wahlversprechen umsetzen. Viele Präsidenten einzelner Verbände hatten Mühe damit, dass diese Funktion eine Frau ausübte.

In einem Interview sprachen Sie von einem Team Haenni, auf das Sie in Ihrem professionellen Alltag zurückgreifen können. Wer ist das?
Ich habe in meinem Umfeld zwei, drei Leute, die Vertrauenspersonen sind, die unterschiedliche Kompetenzen haben und die ich jederzeit anrufen kann. Jemand, der sehr viel Erfahrung im Coaching von Führungsleuten hat, jemand aus dem Bereich Kommunikation und jemand, der sich im Fussball sehr gut auskennt. Diese sind für mich sehr wichtig, denn ich bin diesen Job, als erste weibliche CEO eines Bundesligisten, auch mit dem nötigen Respekt angegangen. Mit dem Wissen, dass ich es kann, aber auch mit dem Wissen, dass ich nicht alles weiss.

Sie werden im Dezember 60 und sind auf dem Gipfel Ihrer beruflichen Karriere. Was für Träume haben Sie noch?
Ich habe «the time of my life». Es mag ein Klischee sein, aber ich habe keine Träume. Ich bin privat glücklich, habe ein super Umfeld und bin gesund. Ein Traum ist, mit RB Leipzig deutscher Meister zu werden. Aber das Wichtigste ist, ein guter Mensch zu bleiben.

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Bundesliga 25/26
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Bayern München
Bayern München
34
86
89
2
Borussia Dortmund
Borussia Dortmund
34
36
73
3
RB Leipzig
RB Leipzig
34
19
65
4
VfB Stuttgart
VfB Stuttgart
34
22
62
5
TSG Hoffenheim
TSG Hoffenheim
34
13
61
6
Bayer Leverkusen
Bayer Leverkusen
34
21
59
7
SC Freiburg
SC Freiburg
34
-6
47
8
Eintracht Frankfurt
Eintracht Frankfurt
34
-4
44
9
FC Augsburg
FC Augsburg
34
-16
43
10
FSV Mainz
FSV Mainz
34
-9
40
11
Union Berlin
Union Berlin
34
-14
39
12
Borussia Mönchengladbach
Borussia Mönchengladbach
34
-11
38
13
Hamburger SV
Hamburger SV
34
-14
38
14
1. FC Köln
1. FC Köln
34
-14
32
15
Werder Bremen
Werder Bremen
34
-23
32
16
VfL Wolfsburg
VfL Wolfsburg
34
-24
29
17
1. FC Heidenheim 1846
1. FC Heidenheim 1846
34
-31
26
18
FC St. Pauli
FC St. Pauli
34
-31
26
Champions League
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