Dreimal mehr Bundesliga-Profis
Darum laufen uns die Österreicher den Rang ab

Noch vor ein paar Jahren waren Schweizer Fussballer das begehrteste Importgut der Bundesligisten. Nun kochen uns sieben Nationen ab. Grund zur Panik ist das aber nicht. Im Gegenteil.
Publiziert: 17.08.2023 um 08:02 Uhr
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Konrad Laimer wechselte im Sommer von Leipzig zu Bayern und ist einer von 28 Österreichern in der Bundesliga.

Das waren noch Zeiten, als Schweizer Fussballer die Bundesliga rockten! Unter der Rubrik «Schweizer Söldner im Weltmeisterland» besuchte Blick im Sommer 2014 vor dem Saisonstart alle 18 Bundesliga-Schweizer. Es war die mit Abstand grösste ausländische Fraktion. Noch vor zwei Jahren waren es sogar 20 helvetische Exporte.

Nun, zum Saisonstart 2023/24, liegt die Schweiz in dieser Statistik bloss noch auf dem achten Platz. Am meisten Ausländer stellen die Franzosen (30), gefolgt von Österreich (28) und Dänemark (16). Auch Kroatien (14), die Niederlande (12), die USA (12) und Belgien (11) stellen mehr als die Schweiz. 

Zehn Profis verdienen ihr Geld derzeit in der Bundesliga: Kobel, Xhaka, Elvedi, Omlin, Vargas, Fernandes, Zesiger, Widmer, Stojilkovic und Loosli. 

Salzburg-Erfolg stachelte die anderen Klubs an

Vor allem der Vergleich mit unserem ewigen Rivalen Österreich, der fast dreimal so viele Söldner stellt, schmerzt. Aber es sei nicht zuletzt der Blick in die von der Grösse und den Bedingungen her vergleichbare Schweiz gewesen, der im österreichischen Fussball einiges bewirkt hat.

Das sagt einer, der beide Seiten bestens kennt: Ex-FCL- und YB-Profi Christian Schwegler (39), der acht Jahre bei Red Bull Salzburg spielte und sechsmal Meister wurde.

Schwegler über die Österreicher-Schwemme

Schwegler: «Vor zehn, 15 Jahren wurde in der Schweiz sehr gute Arbeit im Nachwuchs geleistet, was sich auch in guten Ergebnisse der U-Nationalteams zeigte. Österreich war bei den Strukturen im Rückstand, hat das dann aber geändert.»

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Aber auch bei den Vereinen passierte einiges. Angeführt von Schweglers Ex-Klub Salzburg. «Red Bull ist mit seiner extrem professionellen Akademie sicher ein Treiber der Entwicklung, dass viele Österreicher in Deutschland spielen.» Der Bullen-Erfolg habe auch dazu geführt, dass die Rivalen wie Rapid, Austria, Sturm Graz und Linz deutlich mehr in die Ausbildung investierten – und so nicht nur Salzburg mehr Spieler ins Ausland verkauft.

Schwegler hat auch eine These, warum in Deutschland nicht mehr die Schweiz die grösste Ausländergruppe stellt. Sondern Frankreich. «Früher wäre es unvorstellbar gewesen, dass so viele Franzosen in Deutschland spielen. Diesen attraktiven Markt haben die Klubs erst in jüngerer Zeit entdeckt.» 

Der Ösi-Boom beschränkt sich bisher auf die Bundesliga. Denn schaut man auf alle fünf Topligen, sieht die Sache anders aus. In der Premier League stehen mit Akanji, Schär, Amdouni, Freuler, Mbabu und Zeqiri sechs Schweizer unter Vertrag, Österreich hat bloss einen Spieler: Sasa Kalajdzic von Wolverhampton.

Auch in Spanien (Cömert, Sow vs. Alaba) hat die Schweiz die Nase vorn. In Italien spielen mit Okafor, Sommer, Aebischer, Rodriguez, Ndoye, Hefti, Haas und Rüegg acht Söldner, Österreich stellt fünf. Und in Frankreich spielen mit Embolo, Zakaria, Lotomba, Köhn, Mvogo, Omeragic, Sierro, Bares ebenfalls acht Profis, aus Österreich bloss drei.

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