Darum gehts
Der feudale europäische Rahmen gegen Arsenal passt wunderbar. Yann Sommer (37) ist längst in der obersten Kategorie der globalen Keeper-Branche angekommen. Der letztjährige Wahlvorschlag für den Ballon d’Or ist nur ein weiterer Beleg seiner Sonderklasse; aktuell gibt es weltweit nur zwei höher eingestufte Torhüter: Gianluigi Donnarumma (26, Man City) und Alisson (33, Liverpool). Teamplayer Sommer reicht die schönen Schlagzeilen weiter: «Wir verteidigen sehr akribisch. Mit einer solchen Defensive auf dem Feld zu stehen, ist für mich als Goalie ein Traum.»
Zur starken Abwehr gehört seit letztem Herbst auch der SFV-Patron Manuel Akanji (30). «Ich freue mich riesig, dass er da ist. Er ist mit seiner Qualität, seiner Erfahrung, seinem Charakter ein extremer Mehrwert für uns», lobt Sommer seinen Schweizer Kollegen explizit. Er bringe «Champions-League-Sieger-Erfahrung ein». «Dass es mir Spass macht, mit ihm zu spielen, ist kein Geheimnis. Das war schon in der Nati so.»
«Wir wollen den Scudetto holen»
Als italienische Kommentatoren nach zwei Spielpausen in der Liga im September bereits über eine Ablösung des Schweizers spekulierten, lässt Sommer umgehend Saves und eine Serie von vier Siegen folgen. Nach inzwischen bereits 13 Pflichtspielen ohne Gegentor kommt kein Beobachter mehr auf die Idee, an seinem Status zu rütteln. Auch in der dritten Saison verfolgt der Inter-Hauptdarsteller grosse Ziele: «Wir machen als Team einen unglaublich guten Job. Es wird wichtig sein, in den kommenden zwei Monaten die Konstanz halten zu können. Am Ende wollen wir den Scudetto wieder holen. Letztes Jahr fehlte uns ja ein Punkt zum Gewinn der Trophäe.»
Sommer hat in Italien bereits tiefe Spuren hinterlassen. 2024 gewann der frühere Bayern- und Gladbach-Keeper die Meisterschaft, im letzten Frühling erreichten die Nerazzurri dank Sommers Zauberhänden nach 120 wilden Rückspiel-Minuten gegen den FC Barcelona das Endspiel in der europäischen Eliteklasse. Noch immer schwärmt die Mailänder Tifoseria von jenem denkwürdigen Abend in der lautesten Betonschüssel Italiens: «Pazza Sommer!»
Ein Leben lang werde er sich daran erinnern, sagt Sommer. Trainer-Ikone Fabio Capello (79), inzwischen TV-Mister, legt mit seinem Vergleich zur Inter-Goalie-Legende Julio César (46) die Torlatte besonders hoch: «Er stoppte Lionel Messi, Yann stoppte Lamine Yamal.» Diego Benaglio (42), einst selber ein SFV-Titan, hat im Zusammenhang mit Sommer von der grossen Kunst erzählt, «sich nicht aus dem Tritt bringen zu lassen, im Kopf stabil zu sein».
All diese Eigenschaften sind nun erneut gefragt. Am Dienstagabend hat der Schweizer die Gunners vor seiner breiten Brust, am Mittwoch in einer Woche steht die Reise nach Dortmund an: «Wir brauchen in den nächsten beiden Spielen Punkte, um die angestrebte Top-8-Klassierung zu schaffen.» Auswärts gegen Atlético (1:2) und zu Hause gegen Liverpool (0:1) sei es zuletzt nicht wie gewünscht gelaufen, so Sommer zu Blick.
Zukunft ist offen
Am Tag vor dem Gipfeltreffen mit dem Premier-League-Leader Arsenal spricht der Schweizer Routinier von einer «coolen Affiche und einer coolen Aufgabe». Die Vorfreude ist spür- und hörbar: «Arsenal gehört in England seit ein paar Jahren zu den Top-3-Mannschaften. Sie verfügen über viel Qualität am Ball und haben sehr viel Tempo in ihrem Spiel drin.» Man merke aufgrund ihrer Abläufe gut, «dass sie sich sehr gut kennen». In der Tat: Coach Mikel Arteta (43) hat das Ensemble innerhalb der letzten fast sieben Jahre zu einer Equipe geformt, der alles zuzutrauen ist.
Im Gegensatz zu den Londonern setzt Inter erst seit letztem Sommer auf den rumänischen Trainer Cristian Chivu (45). Die frühere Klub-Ikone hat sich via Nachwuchs und Parma für den Job beim Serie-A-Koloss empfohlen. Sommer schwärmt von ihm: «Ein super Typ. Er war als Spieler erfolgreich und kennt diese Art von Spielen und die Anspannung. Cristian steht mit sehr viel Energie an der Seitenlinie. Das pusht uns nach vorne und sorgt für ein gutes Klima auf dem Platz.»
Wie lange Chivu noch auf Sommer setzen kann, ist derzeit offen. Der Vertrag mit dem Schweizer läuft Ende Saison aus. «Ich sehe das sehr entspannt. Ich bin in einem guten Austausch mit dem Klub. In näherer Zukunft setzen wir uns dann zusammen und schauen, wie es weitergeht.» Seit Marwin Hitz (38) seinen Rückzug angekündigt hat in Basel, verfolgen die Bebbi-Anhänger genau, was bei Inter passiert.

