Cup Tales by Bänz Friedli
YB-Trainerin Wübbenhorst brennt auf Cup-Revanche

Es riecht nach Revanche: Die beiden letzten Cupfinals könnten eine Neuauflage erleben, sei es Servette gegen YB oder Zürich gegen Basel. Beide wurden äusserst knapp entschieden, beide lösten, wie an Finaltagen üblich, Gefühlswogen aus – und eine legendäre Brandrede.
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Imke Wübbenhorst brennt auf Revanche.
Foto: zVg

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • YB und Basel sowie Zürich und Servette spielen im Cup-Halbfinal gegeneinander.
  • YB-Trainerin Wübbenhorst hofft auf Revanche für Finalniederlage 2024.
  • Cupfinal 2024: Servette besiegte YB 3:2 bei turbulenter Wutrede.
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Benz Friedli (Kolumnist)

Die beiden Halbfinals im Schweizer Cup der Frauen, YB gegen Basel und Zürich gegen Servette, versprechen Hochspannung. Und eine brisante Finalpaarung steht obendrein in Aussicht! Denn für die Endspiele der letzten zwei Jahre könnte es je zu einer Neuauflage kommen – sei es fürs letztjährige Final zwischen den Frauen des FC Zürich und denjenigen des FC Basel, sei es für Servette gegen die YB-Frauen, die sich 2024 gegenüberstanden.

Diese Begegnung wünscht sich Imke Wübbenhorst am 29. März 2026 auf der Winterthurer «Schützenwiese» erneut. «Seit zwei Jahren brenne ich auf eine Revanche!», so die YB-Trainerin. «Und zwar in einem Spiel, in dem es drauf ankommt.» Kaum ist vom Cupfinal 2024 die Rede, spricht die YB-Trainerin mit merklich höherem Puls. Und ist schon wieder voll in den Ereignissen von vor zwei Jahren drin: «Das muss man einfach pfeifen …!» Sie und ihre Equipe fühlten sich um den Sieg gebracht.

Wübbenhorst hat eine Rechnung offen. Wie stets spricht die 37-Jährige mit leicht heiserer Stimme, wie immer wirkt sie mit ihrer blonden Wuschelmähne beinahe aufgebracht. Volles Engagement, totaler Fokus. Wübbenhorsts Hingabe ist spürbar, diese Frau lebt den Fussball mit voller Emotion.

Volle Pulle – so erlebte die Öffentlichkeit sie vor zwei Jahren auch unmittelbar nach Spielschluss: Wübbenhorst war mit mehreren Entscheiden nicht einverstanden. Sie beklagte, ein Tor der Genferinnen sei aus Offside-Position erzielt worden, ein Handspiel der Torhüterin Ines Teixeira Pereira sei ebenso ungeahndet geblieben wie die Tätlichkeit einer Genferin – und YB sei ein Penalty verwehrt worden.

Legendäres Interview

Das Interview, das SRF am Spielfeldrand mit der YB-Trainerin führte, ging viral und zählt zu den legendärsten im Schweizer Sport. Turbulente Szenen waren im Letzigrund vorausgegangen, Wortgefechte zwischen Physios und Assistenzschiedsrichterinnen, ein Handgemenge gar. Denn der Cupfinal 2024 war ereignisreicher als die meisten Finals davor. Eiseskälte hatte zunächst geherrscht an diesem 20. April. Graupel, Schneeregen und Hagelkörner deckten das Spielfeld weiss zu. Aprilwetter pur. Zuletzt schien die Sonne, und zwar für Servette: Die Genferinnen rangen YB 3:2 nieder.

Und Wübbenhorst beklagte sich vor laufender Kamera, sie hätten «gegen eine widerlich spielende, zusammengekaufte Truppe» verloren. Und seien um den Cupsieg gebracht worden. «Die Schiedsrichterin war vermutlich nervös und hat bestimmt nichts mit Absicht getan», sagt die YB-Trainerin heute. «Aber sie hat ein Handspiel und ein Abseits nicht gesehen.» Ob der Unstimmigkeiten platze Wübbenhorst der Kragen.

«Halt mir einfach das Mikro hin!»

«Eine emotional so aufgeladene Stimmung habe ich als Reporterin selten erlebt, es ging drunter und drüber», erinnert sich SRF-Reporterin Seraina Degen. «Die Verliererin eines Finals zu interviewen, ist immer heikel. In solchen Situationen fange ich ein Gegenüber gern kurz auf, ehe wir auf Sendung gehen, und versuche die Person ein wenig zu ‹spüren›. Das war mit Imke Wübbenhorst nicht möglich, es ging alles ganz schnell. Plötzlich stand sie vor mir, war sichtlich in Rage, sagte: ‹Halt mir einfach das Mikro hin, und ich sag dir alles!›, schon waren wir live. Und sie hat ihre ganze Wut rausgelassen», sagt TV-Frau Degen.

«Während ihrer ersten Antwort starb ich tausend Tode. Einerseits war mir bewusst, dass dieses Interview Furore machen würde – andererseits fragte ich mich, ob ich das Gespräch abbrechen müsse, um Frau Wübbenhorst zu schützen. Jedenfalls war es von all meinen Interviews in den zehn Jahren bei SRF dasjenige, das am meisten zu reden gab.»

Rückblickend räumt Wübbenhorst ein: «Ich war over the top, das tut mir leid.» Allerdings klangen ihre Worte in helvetischen Ohren auch harscher, als sie gemeint waren. Es ergeht Deutschen hierzulande oft so. «Die Servette-Spielerinnen waren immer schon sehr abgezockt», erklärt die YB-Trainerin. «Aber wenn ich sage, die hätten ‹widerlich gespielt›, dann war das doch ein Kompliment! Ja, sie spielten auf Zeit, liessen sich fallen, zogen am Trikot, spielten das ganze Spiel hindurch nicklig … Aber ich sage ja selbst zu meinen Mädels: ‹Wir müssen eklig spielen.› Ich zollte denen also im Grunde Respekt.»

Wübbenhorst drückt sich nun «schweizerischer» aus

Tage nach dem aufsehenerregenden Live-Interview folgte die obligate Entschuldigung, wie die guteidgenössische Freundlichkeit sie verlangt. In einem offiziellen YB-Video bat Wübbenhorst alle Beteiligten um Vergebung – für ihre Verhältnisse eher kleinlaut. Denn sonst ist sie um Worte nie verlegen. Und letzten Sommer erlebten TV-Zuschauende sie während der EM als eloquente Expertin.

Wer mit Wübbenhorst heute über den verlorenen Final von 2024 und ihre folgende Wutrede spricht, merkt sofort: Sie als Person würde es wieder so sagen, in denselben Worten. «Aber ich weiss ja, dass wir uns als Führungspersonen nicht zu Gegnerinnen und Schiedsrichterinnen äussern sollten. Und ich habe als Norddeutsche, die halt Direktheit gewohnt ist, inzwischen gelernt, mich ‹schweizerischer› auszudrücken und auf die Bedürfnisse meines Vereins Rücksicht zu nehmen.»

Mit schelmischem Schmunzeln fügt sie dann doch noch an: «Aber was ist passiert? Es gab im nächsten Final einen VAR. Vielleicht muss man manchmal laut werden …»

Tatsächlich gab der Schweizerische Fussballverband kurz darauf bekannt, in Finalspielen der Frauen, ob Meisterschaft oder Cup, sollte künftig der VAR zum Einsatz kommen. «Das war ohnehin», betont Dominik Erb, der Medienverantwortliche der Women’s Super League und dem Cup, «losgelöst von den Ereignissen so geplant.»

Auch FCB hofft auf Final-Revanche

Final-Revanche? Zunächst stehen am Wochenende die Halbfinals an. YB empfängt am Samstag dieselben Gegnerinnen, die es 2024 ausschalten musste, um in den Final zu gelangen: die Frauen des FC Basel. Vor zwei Jahren sicherte Stephanie Waeber den Bernerinnen mit einem spektakulären Freistosstor in der 84. Minute den Sieg.

«Es wird nicht so eine klare Sache», weiss Wübbenhorst. «Denn dass wir sie in der Meisterschaft im Oktober 3:0 bezwangen, hat wenig zu bedeuten; es war kurz nach ihrem Wechsel von Trainerin Kim Kulig zu Omar Adlani. Inzwischen ist dessen Spielidee klar erkennbar. Wir treffen auf ein individuell starkes Team, das zudem in der Winterpause mächtig nachgelegt hat: Die neue dänische Mittelstürmerin Anna Krog … Auf die gilt es aufzupassen.»

Die amtierenden Meisterinnen von YB hingegen hatten Anfang Saison unter anderen die Abgänge von Naomi Luyet, Iman Benet, Courtney Strode, Leana Zaugg und Noa Schärz zu verkraften. «Aber auch wir haben Transfers getätigt», sagt Wübbenhorst. «Und da macht es zum Beispiel Maria Jimenez in der Innenverteidigung sehr gut. Zudem hat Malaurie Granges sich super entwickelt, sie erlangt nach zwei Kreuzbandrissen allmählich wieder ihre alte Stärke.»

Die Baslerinnen haben dasselbe Ziel wie YB: den Finaleinzug und eine Revanche. Sie unterlagen letzte Saison dem FCZ knapp mit 0:1. «Der verlorene Final tut immer noch weh», sagt FCB-Captain Coumba Sow. «Wir dominierten die Zürcherinnen – verloren aber unglücklich. Und natürlich träume ich davon, für den FCB einen Titel zu holen.»

Wübbenhorst hat dasselbe Ziel wie Sow. «Im Fussball zählen primär Titel», sagt sie. «Wir wollen in den Final einziehen. Und mir wäre es recht, wenn dies im anderen Halbfinal auch Servette gelingt.» 

Wir warten gespannt aufs Interview nach Spielende.

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