Ex-Nati-Trainer Hitzfeld erinnert sich ans letzte WM-Duell
«Messi sagte, dass Argentinien Glück hatte»

Der Schweizer WM-Viertelfinal gegen Weltmeister Argentinien lässt niemanden unberührt – schon gar nicht den früheren Nati-Trainer Ottmar Hitzfeld (77). Das geschichtsträchtige Duell wühlt den Ex-Bayern-Coach auf und erinnert ihn an ein Messi-Kompliment.
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12 Jahre nach Brasilien treffen Granit Xhaka (l.) und Lionel Messi erneut an einer WM aufeinander.
Foto: TOTO MARTI

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Ottmar Hitzfeld erinnert sich an das WM-Achtelfinal-Aus 2014 gegen Argentinien
  • Er lobt Murat Yakins Arbeit und den guten Spirit im Schweizer Team
  • Messis Vorlage für Di Maria entschied 2014 den Achtelfinal
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Sven SchochReporter Sport

São Paulo, 1. Juli 2014: Die Schweiz mit den beiden 21-jährigen Youngsters Granit Xhaka und Ricardo Rodriguez sackt nach 120 Minuten kollektiv zusammen. Das Out im Achtelfinal gegen Argentinien (0:1) tut weh. «Dieses 0:1 war das letzte Spiel meiner Trainerlaufbahn», blickt Ottmar Hitzfeld auf einen denkwürdigen Hitzetag zurück. Der nun anstehende Viertelfinal gegen Argentinien «weckt natürlich Erinnerungen an die WM-Endrunde in Brasilien».

Der hochdekorierte Coach im Ruhestand findet an den jüngsten WM-Auftritten der SFV-Auswahl in Nordamerika Gefallen. Den Schweizer Boss an der Linie lobt der zweifache Champions-League-Sieger explizit: «Mir imponiert die Arbeit von Trainer Murat Yakin und seinem Staff mit dem Nationalteam. Man spürt in seinem Tun und Lassen, in seinen Dispositionen von Spiel zu Spiel, dass er früher selbst ein sehr guter Fussballer war.»

Hitzfeld war während seiner Blütezeit als Chef der Bundesliga-Superstars bei Bayern und in Dortmund ein meisterhafter Kommunikator und Moderator. Entsprechend spannend ist seine Aussenwahrnehmung von Yakin: «Er wirkt auf mich sehr sympathisch und authentisch. Dadurch, dass er sich nicht verstellt, wirkt er sehr glaubwürdig. Er zeigt auch, wenn ihm etwas Sorgen bereitet, wie etwa im Vorfeld des Achtelfinals gegen Kolumbien die Fragezeichen um Manzambi, Vargas und Aebischer.»

«Eines der besten Schweizer Länderspiele»

Aus der Ferne übermittelt TV-Konsument Hitzfeld, der die Schweiz in 61 Partien gecoacht und sie an zwei WM-Endrunden geführt hat, ein weiteres bemerkenswertes Kompliment: «Yakins menschliche Seite trägt meines Erachtens auch viel zum offensichtlich guten Spirit in der Schweizer Delegation bei.»

Hitzfeld weiss, wie sich der Stress an einem globalen Turnier anfühlt. Die Anspannung im Sommer 2014 war beträchtlich, die Enttäuschung hinterher ebenso, weil die Schweizer um Captain Gökhan Inler das südamerikanische Starensemble weitgehend im Griff hatten. Die Mannschaft habe, so der 77-Jährige, «eines der besten Schweizer Länderspiele gezeigt. Und sie hatte für eine grosse Leistung nicht die Belohnung erhalten, die ihr zugestanden hätte.»

Vor 12 Jahren stand Lionel Messi in voller Blüte auf dem Rasen. Er war damals der mit Abstand beste Barça-Akteur und hatte vor der Begegnung mit Hitzfelds Team bereits dreimal die Champions League gewonnen. «Wir hatten eine gute Taktik, um den Einfluss von Messi zu verringern. Die Spieler mussten in der Mittagshitze von São Paulo enorm viel Laufarbeit verrichten und im Kopf trotzdem immer hellwach, topfit bleiben.»

Die Messi-Begegnung

In der 118. Minute entzog sich Messi der Schweizer Umklammerung, sprintete los und lancierte Angel Di Maria, der nicht mehr aufzuhalten war. «Wie erlösend für die Argentinier der Treffer in der Schlussphase der Verlängerung war, sah man am Torjubel», schweift Hitzfeld zu jenem schmerzhaften Moment zurück. «Da rannten nicht nur alle Spieler zum Torschützen; auch absolut jeder von der argentinischen Betreuerbank feierte auf dem Spielfeld dieses Tor und die abgewendete Niederlage gegen die Schweiz.»

Auf dem Weg zu den Journalisten begegnete der deutsche Trainer-Maestro der Ausnahmeerscheinung Messi ein letztes Mal: «Ich erinnere mich an eine Episode vor der Pressekonferenz nach dem Spiel, als Lionel Messi plötzlich neben uns lief und unser Medienchef und ich ihm gratulierten. Er sagte, es sei ein Spiel auf Augenhöhe gewesen und am Ende hätte die Mannschaft gewonnen, die etwas mehr Glück in gewissen Aktionen gehabt habe.»

Hitzfeld hat die Details auch über ein Jahrzehnt nach seiner Dernière noch präsent: «Marco von Ah (Medienchef, Anm. d. Red.) entgegnete dann auf Spanisch, dass er, Messi, ja mit seinem Rush dieses Glück provoziert habe. Und der grosse Spieler gestand, er habe eine Einzelaktion geplant, weil alle anderen Aktionen zu nichts geführt hätten. Er habe schon zum Schuss ansetzen wollen, als er auf der rechten Seite Di Maria gesehen habe. So entschieden zwei Aktionen in drei, vier Sekunden ein Spiel über 120 Minuten. Verrückt, aber so ist Fussball.»

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