Häme nach Europa-Aus
«Europa ist zu gross für Barça!»

Der FC Barcelona auf Achterbahnfahrt: in der Liga top, europäisch Flop.
Publiziert: 24.02.2023 um 09:51 Uhr
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Aktualisiert: 24.02.2023 um 09:54 Uhr
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Der FC Barcelona muss in der Europa League die Segel streichen.

Der FC Barcelona hat europäisch ausgeträumt. Nachdem man bereits in der Champions-League-Gruppenphase nur den 3. Platz (hinter Bayern und Inter) erreicht hatte, ist die Reise für die Katalanen nach der 1:2-Pleite in Manchester nun auch in der Europa League zu Ende.

Dabei wären sportliche Erfolge das, was die Blicke von den Negativschlagzeilen des Vereins abwenden würden. Jetzt ist das definitive europäische Aus allerdings ein Symbolbild dafür, wie sich der Klub in den vergangenen Jahren in den Ruin getrieben hat. Vor allem finanziell.

Vertragswirbel

Die Folge: ein riesiger Schuldenberg und stets Wirbel um die Gehälter der Spieler. Durch die Misswirtschaft rasierte der Verband dem Klub nämlich das zur Verfügung stehende Gehaltsbudget – verglichen zu den goldenen Zeiten – immens. So konnte es beispielsweise im Januar auch passieren, dass die Vertragsverlängerung von «Golden Boy» Gavi (18) aus Budgetgründen von der Liga für ungültig erklärt wurde, bevor der Klub vor Gericht zog und sich doch noch durchsetzen konnte.

Zudem rechnete man in Barcelona laut spanischen Medien in dieser Saison mindestens mit dem europäischen Viertelfinal-Einzug. In der Champions League notabene. Jetzt gehen durch das Sechzehntelfinal-Aus in der Europa League geplante Millionen flöten.

Die Häme aus der Heimat ist laut. «Europa ist für Barça immer noch ein böser Traum», schreibt die spanische Zeitung «Mundo Deportivo». Die Marca meint: «Eine Katastrophe mit Folgen. Europa ist zu gross für Barça!» Und die «AS» urteilt: «Der nie endende Alptraum. Barcelona fällt in Europa erneut.»

Trainer Xavi sucht nach dem Aus Erklärungen: «Wir haben gegen grosse Rivalen gespielt. Bayern München, Inter Mailand, Manchester United – das sind sehr starke Teams. Wir haben gegen alle Mannschaften mitgehalten, mit der Ausnahme des Bayern-Rückspiels. Aufgrund von Details hat es dann nicht gereicht. Nächstes Jahr werden wir stärker zurückkommen.»

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Korruptionsvorwürfe

Und da wären ja auch noch die Korruptionsvorwürfe: Barça soll zwischen 2001 und 2018 einer Firma, die dem ehemaligen spanischen Schiedsrichtervizepräsidenten José Negreira gehört, insgesamt 6,6 Millionen Euro gezahlt haben. Die Zahlungen wurden vom Klub selbst bestätigt, allerdings betont man, dass sie im Zuge von reinen Beratungsdiensten gemacht wurden. Indes schreibt die «Marca» bereits vom «grössten Skandal der spanischen Fussballgeschichte».

Der einzige Lichtblick momentan: die Liga. Dort liegt der 26-fache spanische Meister nach 22 Runden acht Punkte vor seinem grossen Rivalen Real Madrid. Nach drei meisterlosen Jahren (2x Real, 1x Atletico) könnte es nun wieder klappen. Überragend ist dabei der Defensivwert der Katalanen: Nur sieben Gegentore haben sie bis anhin in 22 Partien kassiert.

Würde man den Klub nur annähernd so gut führen, wie in der Liga verteidigen, dann würde heuer wohl immer noch vom «grossen FC Barcelona» gesprochen werden. So aber bleibt ein fader Beigeschmack. (mou)

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