Klingelt bald Bolognas Kasse?
Das Wettbieten um Nati-Flitzer Dan Ndoye hat begonnen

Dan Ndoye ist der Schweizer Shooting-Star der EM. Tolles Tor gegen Deutschland. Super-Assist gegen England. Nun buhlen Grossklubs um den Youngster. Von 25 Millionen ist die Rede. Aber das dürfte bloss das Startgebot sein.
Publiziert: 09.07.2024 um 11:38 Uhr
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Aktualisiert: 10.07.2024 um 09:19 Uhr
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Dan Ndoye sorgte an der EM für Spektakel.
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Alain KunzReporter Fussball

Der FC Bologna ist ja nicht die ganz grosse Fussballwelt. Oder war es zumindest nicht.

Denn an der EM haben die Sensations-Champions-League-Neulinge aus der Universitätsstadt auf einen Schlag gleich neun EM-Teilnehmer abgestellt. So viele wie Juventus Turin oder Liverpool. Unter ihnen drei Schweizer: Remo Freuler, Michel Aebischer und Dan Ndoye (21).

Dan kann auch Defensive

Letzterer dürfte an dieser EM als einer der grossen Schweizer Gewinner durchgehen. Bei allen fünf Spielen steht er in der Startelf. Gegen Deutschland gelingt ihm dieses wunderbare Tor, mit dem er den ohnehin schon auf ihn gerichteten Fokus vieler Agenten noch schärfen kann. Im leidvollen Viertelfinal gegen England liefert er den Assist zu Breel Embolos 1:0.

Der Waadtländer mit senegalesischen Wurzeln schätzte seine eigene Leistung unmittelbar nach dem derart bitteren Abend so ein: «Ich habe das Maximum gegeben und versucht, der Beste für das Team zu sein.» Das war schon gegen Italien so gewesen. Ein Spiel, das einen zusätzlichen Ndoye-Trumpf offenbarte: Er kann auch Defensive! «Ich kann auf verschiedenen Positionen spielen, bin polyvalent. Wenn mir der Coach sagt, ich solle dort spielen, dann tue ich das. Wenn er sagt, ich solle da spielen, weil einer fehle, dann tue ich das auch. Ich versuche, mich immer anzupassen.»

25 Millionen – für England wirds teurer

Der Junge schwebt auf Wolke Sieben während des Sommers seines Lebens. «Ich weiss nicht, ob es der Sommer meines Lebens ist. Aber ich nehme diese Erfahrung als wahr gewordenen Traum wahr. Denn hier zu stehen, an einem grossen Turnier, das war ein Kindheitstraum.»

Nur zu einem anderen Thema schweigt er. Noch: Wohin es ihn ziehen könnte. Ndoye hat noch Vertrag bis 2027 mit einer Option für eine weitere Saison. Der letzte geschätzte Marktwert lag bei 14 Millionen Franken. Ein Betrag, der längst nicht mehr aktuell ist. Bologna hat den Exit-Ticket-Betrag mal auf 25 Millionen festgelegt. Das dürfte vielleicht die Summe für Liga-Konkurrent Inter Mailand sein. Sollte es nach England gehen, wird sie höher sein.

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Und England ist tatsächlich eine denkbare Destination. Zum einen ist das Interesse von Manchester United konkret. «Gut, das ist irgendwie naheliegend», sagt Ndoyes Agent Fahd Adamson. «United gehört Ineos und Dan hat schon bei den anderen Ineos-Klubs, Nizza und Lausanne, gespielt.» Zudem, so Adamson, habe er nach dem Viertelfinal gegen England zahlreiche WhatsApps englischer Klubs erhalten. «Mal schauen, was daraus wird.» 

Inter-Flügel Buchanan fällt ein halbes Jahr aus

Konkreter dürfte das Interesse von Inter Mailand sein. Trainer Simone Inzaghi mag die Art, wie der Schweizer spielt. Und weil sich Inters kanadischer Flügel und Winter-Neuzugang Tajon Buchanan (25, Brügge) an der Copa America das Schienbein gebrochen hat und die gesamte Vorrunde ausfällt, hat der italienische Meister akuten Bedarf. «Eigentlich war unser Kader komplett. Doch mit dem Ausfall von Buchanan schauen wir uns nun um, um das Kader mit einem intelligenten Neuzugang zu vervollständigen», sagt Inter-Sportchef Piero Ausilio. «Wir haben zwei Monate Zeit, um einen Flügel zu finden, der auch defensiv arbeiten kann.»

Juventus Turin, wo Thiago Motta neuer Coach ist, der Ndoye bei Bologna derart gefördert hat? Nicht undenkbar, aber die alte Dame ist klamm. Da fehlt vermutlich das nötige Kleingeld.

Ausverkauf bei Bologna ist ein Problem

Oder dann doch ein Verbleib bei Bologna? Warten mit dem Wechsel zu einem Grossklub, der vielleicht ein Jahr zu früh käme? Und sich mit dem Klub aus der Emilia-Romagna ins grosse Schaufenster Champions League stellen? «Wir müssen das besprechen, mit Dan, mit seiner Familie. Das will gut abgewogen sein, um einen falschen Karriereschritt zu vermeiden», sagt Adamson.

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Allerdings: Erstens ist Motta weg, der ein wichtiger Grund für Ndoyes Leistungsexplosion war. Unter ihm machte der Schweizer 32 Spiele in der Serie A, wo er einzig fünf Spiele verletzungsbedingt fehlte sowie das bedeutungslose letzte. Aber bei Bologna hat der Ausverkauf eingesetzt. Calafiori, Zirkzee, Saelemaekers und Kristiansen werden gehen oder sind schon weg. Weshalb Giovanni Sartori, der Technische Direktor des Klubs, ultimativ gesagt hat: «Die Schweizer bleiben alle hier. Freuler, Aebischer und Ndoye sind unantastbar.» Was das bedeutet, wissen wir: Unantastbar heisst so lange unantastbar, bis der Preis stimmt.

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