Die einen kaufen Gold, die anderen investieren in Silber. Die Wagemutigen springen auf die Bitcoin-Achterbahn. Oder schwärmen von Aktien, von ETFs, von strukturierten Produkten.
Diejenigen ohne viel Kapital spielen Lotto oder Bingo. Oder suchen ihr Glück in Sportwetten. In den hinteren Tälern soll es immer noch Menschen geben, die ihr Erspartes ins Kopfkissen einnähen. Andere können gar nichts sparen. «Wir wollen alle Tage sparen und brauchen alle Tage mehr», hat Johann Wolfgang Goethe schon vor 200 Jahren gewusst.
Die wundersamsten Renditen versprechen Investitionen in Fussballerbeine, wie auch der jüngste Bericht des Internationalen Zentrums für Sportstudien in Neuenburg (CIES) dokumentiert. Wie märchenhaft schnell diesbezügliche Aktien in die Höhe schnellen, ist schwindelerregend.
Ein Beispiel dafür ist auch der Schweizer Goldjunge Johan Manzambi. Innerhalb von weniger als zwei Jahren ist sein Marktwert von 2 Millionen auf 63 Millionen gestiegen. Bitcoin, Gold, ETFs? Fussballer scheinen die heissesten Aktien zu sein.
Der Klub, der gemäss der Studie des CIES das glücklichste Händchen hatte, ist Eintracht Frankfurt. Eine sagenhafte Wertschöpfung von 527 Millionen in den letzten fünf Jahren steht zu Buche. Mehr als bei Real Madrid oder Paris St-Germain. Allein die Verkäufe von Hugo Ekitiké, Randal Kolo Muani und Omar Marmoush brachten dem Klub 265 Millionen.
Eigentlich müsste man in Frankfurt den Sportvorstand Markus Krösche mit einer Sänfte durch die Stadt tragen. Er hat die Finanzmetropole auch fussballtechnisch zu Mainhattan gemacht. Der Spitzname der Stadt ist für die Eintracht Programm.
Aber Krösche steht arg in der Kritik, beim Krösus der Transfererlöse brodelt es. Die Mannschaft dümpelt vor sich hin und ist auch unter Trainerrückkehrer Adi Hütter weit davon entfernt, ein Spitzenklub zu sein. Wenn man eine Handelsplattform ist und Transfererlöse zum Mantra werden, dann wird Kontinuität zum Fremdwort und eine kontinuierliche Weiterentwicklung schwierig. Ausbaden müssen das die Trainer.
Das Eintracht Frankfurt der Schweiz ist der FC Basel. Schnelle Transfererlöse sind das Geschäftsmodell. Die Trainer geben sich die Klinke in die Hand. Das Ergebnis sieht man auf dem Platz und in der Tabelle. Seelenlos, erfolglos.
Wenigstens hat der FCB den richtigen Trikotsponsor für sein Projekt. Bitpanda steht da fett auf den Leibchen. Bitpanda ist eine Investitionsplattform. «Kryptowährungen, Edelmetalle, Aktien & ETFs. Alle deine Investments an einem Ort», steht auf der Homepage. Daran hält sich auch der FCB. Da denkt man gleich an Investorenguru Warren Buffett: «Risiko entsteht dann, wenn man nicht weiss, was man tut.»
Zur Verteidigung der Klubs, die sich mit Transfererlösen über Wasser halten, muss auch gesagt werden, dass jeder Klub sein strukturelles Defizit irgendwie decken muss. Da erinnert man sich an das traurige Schicksal von Helios Jermini.
Der Lugano-Präsident hat als Treuhänder einst 61 Millionen unterschlagen und davon über die Jahre 45 Millionen in den FC Lugano gesteckt. Am 7. März 2002 ist Jermini mit seinem Auto in den Luganersee gefahren und hat sich das Leben genommen.
Immerhin: Mit Kapital aus den USA, mit geschicktem Wirtschaften und einem nachhaltigen Aufbau des Klubs erleben die Tessiner derzeit die Blüte ihrer jüngeren Vereinsgeschichte.