Darum gehts
- Sion verliert trotz langer Dominanz gegen GC, weil es vier Gegentore kassiert
- Trainer Tholot kritisiert fehlende Demut und mangelnde Schlauheit seines Teams
- Sion hat in der Liga nur zwei Tore mehr als Thun und Basel kassiert
Auf wen hätten sie «hässig» sein können, ja wütend? Kreshnik Hajrizi entwickelte noch viel Negativenergie in den letzten Minuten, bis er mit Gelb-Rot vom Platz flog und von den Kollegen zurückgehalten werden musste, um nicht auf Schiri Alessandro Dudic loszugehen und das Ganze in einer Katastrophe enden zu lassen.
Teams tappen immer wieder in die 2:0-Falle
Das, immerhin, passierte nicht. Das Out war ja schon Desaster genug nach einem Spiel, das Sion bis zu Asp Jensens Anschlusstreffer eine Viertelstunde vor Schluss aus mehr als aus dem Nichts mehr als dominiert hatte. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte Sion die Hoppers zeitweise vorgeführt, dass denen die Ohren wackelten. Das 2:0 von Kololli war viel zu wenig statistische Ausbeute dieser Dominanz. Denn dieses Resultat ist und bleibt gefährlich. Man weiss es – und doch tappen Teams immer wieder blindlings in die 2:0-Falle. Ein Tor nur – und alles beginnt von vorne.
Erinnern wir uns an die EM 2021 und das Spiel gegen Frankreich
Sion-Trainer Didier Tholot bringt es auf den Punkt: «Uns hat es zeitweise an Demut gefehlt.» Man kann einen Gegner schon mit hübschem Tiki-Taka am Nasenring durch die Manege ziehen. Aber zuerst muss man das Wichtigste getan haben: nämlich gewonnen zu haben. Das geht, wenn man mit drei Toren führt. Man erinnere sich an die EM 2021, als Weltmeister Frankreich in der 75. Minute gegen uns 3:1 führte und es an derselben Demut fehlen liess. Die Fortsetzung ist Schweizer Fussballgeschichte.
Selbst schuld, selbst schuld
Der Tenor im Walliser Lager war einstimmig: «Wir sind selbst schuld», sagt Captain Ali Kabacalman, der auch in der Versenkung verschwand. Genau dieselben Worte braucht auch Sportchef Barthélémy Constantin. Benjamin Kololli seinerseits regte sich fürchterlich darüber auf, vier Tore kassiert zu haben. Man habe ja eigentlich eine stabile Abwehr – Sion hat in der Liga nur zwei Tore mehr kassiert als die zwei defensiv besten Teams Thun und Basel. «Man kann nicht erwarten, dass wir fünf Tore schiessen müssen, um zu gewinnen. Vier Gegentore – das war das grosse Problem.»
Sorgen um Sion in der Meisterschaft
Nachdem man gesehen hat, wie diese unheilige Allianz aus ausbleibender Demut, Arroganz und «mangelnder Schlauheit» (Tholot) in einem Desaster geendet hat, muss man sich nun ernsthafte Sorgen um diesen FC Sion in der Meisterschaft machen. Denn diese Niederlage wird beim zarten Sittener Pflänzchen Spuren hinterlassen. Stellt sich die Frage: Wie lange? Ja, auch er ist sicher, dass dieses Out Spuren hinterlassen werde, sagt Tholot. «Wir werden das nicht sofort löschen können, was sich da ereignet hat. Und doch bringt es nichts, nun Ausreden oder Schuldige zu suchen. Es steht die Meisterschaft an, und die kann uns zu schönen Dingen führen. Deshalb müssen wir die Wut und die Enttäuschung schnell hinter uns lassen.»
Sion muss unter allen Umständen in die Top 6
Der Fussball könne eben mal so sein, sagt Constantin junior philosophierend. «Wir wollen unbedingt in die Championship Group. Das ist nun unser letztes Ziel. Wir werden aufstehen. Denn wir müssen das unter allen Umständen erreichen.» Wie recht er hat!
Denn schon am Samstag geht es gegen Mitkonkurrent Luzern in einem Sechs-Punkte-Spiel darum, die Top-6-Position zu konsolidieren. Ein Fall unter den Strich kann schnell zu einem weiteren Fall führen. Nämlich jenem in die Barragezone. In die Nähe eines GC, dessen an diesem kalten Dienstag an den Tag gelegte Mentalität es schwer vorstellbar macht, dass dieses Team um den Klassenerhalt kämpfen muss. Ist aber die Realität.
