Darum gehts
- Michael Frey führt GC mit unorthodoxem Einsatz zum Sieg gegen Sion
- Trainer Scheiblehner lobt Freys unbändige Mentalität als spielentscheidend
- Leitwolf Amir Abrashi froh, dass er seinen Job als Antreiber nun mit Frey teilen kann
GC war eigentlich am Boden. Ausgeknockt. Vorgeführt. Lächerlich gemacht. Michael Frey? Belächelt. Wie er versucht, mit allen Mitteln an Kreshnik Hajrizi zu reissen, damit diesem das 1:0 für Sion nicht gelingt. Was misslingt. Wie er sich dann ohne Rücksicht auf Verluste, mit riesigem Risiko in Zweikämpfe wirft. Gelb in Kauf nehmend. Fast noch mehr. Und wie er tobt und motzt, weil er nicht der Meinung war, er habe die Regeln verletzt. Am Ende der ersten Halbzeit zeigt ihm Ref Dudic zu Recht Gelb, als er übertreibt. Frey ist näher davor, Gelb-Rot zu sehen, als das Spiel zu kehren. Doch genau das gelingt ihm.
Scheiblehner will Wahnsinnige im Team – weil er auch so ist
Und weil er das mit seinen unorthodoxen, urwüchsigen Mitteln schafft, kriegt er auch ein ganz spezielles Lob von Trainer Gerald Scheiblehner: «Ich will Wahnsinnige in meiner Mannschaft, weil ich auch wahnsinnig bin. Und wenn das positiv ist, dann liebe ich solche Spieler! Michi hat eine unfassbare Mentalität. Das war der Unterschied zu den Spielen in den letzten Wochen und Monaten, dass wir einen Spieler im Team hatten, der kaum zu bändigen war.»
Hübsch ausgedrückt: Kaum zu bändigen. Ein Dompteur muss da versagen. Denn der Unbändige macht das, was er für das Zweckmässigste hält, um seinen Kopf durchzusetzen, um zu seinem Ziel zu kommen. Wird er in diesem Bestreben eingeengt, misslingt das. Anders ausgedrückt: Man kann einen Frey nur ganz haben. Nicht halb. Heisst: Man muss seine wilden Ausritte unterstützen, bis die Pferde mit ihm durchgehen. Oder zumindest fast.
Frey will diesen speziellen Sieg nun geniessen
Der Spieler selbst ist dann in seinen Ausführungen nach dem Spiel schon wieder weit entfernt vom Scheiblehner-Wahnsinn. Abgeklärt, mit der Routine von bald 500 Profispielen, lässt er das Unglaubliche Revue passieren. Ohne übertriebenes Pathos. Fast schon nüchtern. Der Wahnsinn ist weit, weit weg. Fast immer jedenfalls. «Wenn du gegen die beste Cupmannschaft der Schweiz bestehen willst, musst du dein Leben geben. Das haben wir gemacht.» Okay, ist vielleicht in der emotionalen Wahrnehmung so, das mit dem besten Cupteam. Rekord-Cupsieger ist aber nach wie vor der Grasshopper Club Zürich. «Umso besser!», sagt Frey. Und beendet das Gespräch damit, dass dies ein sehr spezielles Spiel gewesen sei, dass er nun geniessen wolle.
Abrashi: «Ich bin richtig froh, ist Michi da …»
Da ist Frey. Da ist dann aber auch Amir Abrashi, das andere Mentalitätsmonster. Der Ersatz-Spielertrainer, der vor der Verlängerung die Ansprache im Ring hält. Apropos Ring: Wie ein Boxcoach, der um den Ring herumlungert und seinen Schützling anpeitscht, tut das Abrashi beim Warm-up an der Seitenlinie. «Michi Frey ist ein sensationeller Transfer!», sagt Abrashi. «Da müssen wir nicht diskutieren. Ein Mentalitätsspieler mit Erfahrung, der immer alles hineinsteckt. Er war enorm wichtig für uns. Der Teamspirit wird Woche für Woche stärker.» Und Abrashi selbst kann nun den Job als Mentalitätsmonster mit Frey teilen. Tut gut – oder? «Definitiv. Ich bin richtig froh, dass er da ist …»
Neues, frisches, mental starkes GC
Diese beiden, dann das Juwel Jonathan Asp Jensen – ohne dessen Signature-Move, den perfekten Schlenzer in die weite Ecke – würden Frey und Abrashi immer noch heulen, anstatt Sprüche zu klopfen, sowie der bei YB verkannte Emmanuel Tsimba: Sie sind die Aushängeschilder dieses neuen, frischen, mental starken GC. Es kommen ganz unangenehme Zeiten auf Luzern, den FCZ, Servette und Lausanne zu, die unmittelbar vor den Hoppers platziert sind. Vielleicht sogar für Sion, sollte diese Mutter aller Niederlagen Langzeitfolgen haben.
Und das Ganze wird verbunden sein mit einem Namen: Michael Frey!
