Den wohl berühmtesten Penalty-Spick der Fussballgeschichte packte Jens Lehmann an der WM 2006 aus, als Deutschland im Viertelfinal auf Argentinien trifft. 20 Jahre später hat auch die Schweiz einen Zettel-Bluff. Weil Thuns Goalie Tim Spycher vor dem Penaltyschiessen gegen Schaffhausen ein Papier in Händen hält. Doch statt Riquelme, Crespo und Ayala heissen die Schützen nun Wetz, Volkart, Kadima und Brillani Soro. Letztgenannter scheitert mit dem alles in allem 16. Versuch an Spycher, der sich hinterher als Cup-Held feiern lässt.
Spickzettel sei Dank? Oder war das Ding gar leer, wie aus dem Umfeld der Munotstädter zu hören ist? Schliesslich gibt es einfachere Aufgaben, als eine Penalty-Analyse über den FC Schaffhausen zu machen. Denen wurde in den letzten drei Saisons insgesamt bloss fünf Elfmeter zugesprochen, ins Penaltyschiessen musste man in all dieser Zeit nie.
In der aktuellen Spielzeit sind es deren zwei. Nenad Pejic verballert gegen Kreuzlingen. Rijad Saliji verwandelt gegen Lugano II. Ausgerechnet jener Saliji, der gegen Thun sowohl in der regulären Spielzeit als auch im Penaltyschiessen scheitert.
Hat der Zettel die Schaffhauser verunsichert?
Weil der FC Thun den Gegner dermassen gut analysiert hat? Auf den Spick angesprochen, antwortet Spycher im SRF-Interview: «Jetzt muss ich aber ehrlich sein - aber bitte nicht dem Goalietrainer sagen: Auf dem Zettel hat kein einziger geschossen! Die Psychospiele gehören ein bisschen dazu. Ich will nicht unsportlich sein, aber im Endeffekt will ich einfach gewinnen und dafür mache ich alles.» Einen Tag später darauf angesprochen, ob der Zettel leer war, antwortet Spycher: «Nein, der Zettel war nicht leer. Patrick Bettoni, unser Goalietrainer, hat uns wie immer sehr gut auf solche Situationen vorbereitet. Wir beschäftigen uns regelmässig mit Videoanalysen und versuchen, möglichst viele Informationen über die gegnerischen Spieler zu sammeln. Da Schaffhausen aber nicht gerade jedes Wochenende ein Penaltyschiessen bestreitet, war es natürlich nicht so einfach, eine verlässliche Liste zusammenzustellen.»
Geklappt hat es trotzdem mit der Achtelfinal-Quali. Vielleicht auch deshalb, weil der Zettel die Schaffhauser Spieler verunsichert hat. So wie damals die Argentinier an der WM 2006. Lehmann sagte später: «Leider waren die Notizen nicht wirklich hilfreich. Die Ecken sind aus meiner Sicht notiert, und die Schützen haben dann entgegengesetzt geschossen.» Zudem sei der Zettel «schwer zu lesen gewesen.»