Darum gehts
- YB trifft im regnerischen Tessin auf ambitionierte AC Taverne
- Kubi coacht die Stürmer, Sabbatini führt das junge Team
- Geldgeber Nowoselski peilt mit Profistrukturen den Aufstieg an
Sonnenstube Tessin. Nicht wirklich. Das Tessin zeigt sich regelmässig als Region mit den grössten Regenmengen der Schweiz. Auch am Sonntag soll es in Torricella-Taverne regnen, wie der Ort – einer der elf Kreise, die den Bezirk Lugano bilden – heisst, wo die AC Taverne spielt. Die YB-Stars werden also wassersicher sein – und sich warm anziehen müssen. Nicht nur wegen der Niederschläge …
Kubi ist Brand Ambassador und Stürmercoach
Denn die AC Taverne ist kein gewöhnlicher Erstligist mehr. «Zuletzt waren beispielsweise zwei Spezialisten aus Belgien im Training, die die Mannschaft im kognitiven Bereich weiterbringen sollen», veranschaulicht Kubilay Türkyilmaz, Blick-Kolumnist und zweitbester Torschütze der Nati-Geschichte. «Geführt wird der Bereich der 1. Mannschaft seit Anfang letzter Saison ausschliesslich von Profis. Und auf dem Feld steht eine junge, hervorragend ausgebildete Mannschaft mit einer Lichtgestalt an der Spitze: Jonathan Sabbatini.»
Kubi selbst ist auch Teil dieses kleinen Profizentrums mit unter anderem einem Generaldirektor, Generalsekretär, Marketingchef und zwei Scouts. Die Tessiner Legende ist Brand Ambassador und fungiert als Berater/Coach für die Stürmer. «Als Botschafter vertrete ich den Klub bei Anlässen. Auf dem Feld bin ich verantwortlich für die letzten 20 Meter im Spiel», erzählt Kubi. Und fügt schmunzelnd hinzu: «Das sind die wichtigsten.» Das Ergebnis lässt sich sehen: Taverne, das letzte Saison im Aufstiegsrennen in die Promotion League nur hauchdünn an Servettes U21 gescheitert ist, hat die letzten vier Spiele gewonnen. Und dabei 15 Tore geschossen …
Zuletzt schoss Taverne 15 Tore in vier Spielen
Nun liegt man auf Platz 3, nur zwei Punkte hinter Leader St. Gallen U21. Diese Saison soll es klappen mit dem Aufstieg in die Promotion League, so das erklärte Ziel der ambitionierten Tessiner. Danach ist man nicht abgeneigt, auch die Challenge League ins Auge zu fassen. Dabei spielt Sabbatini (38) eine herausragende Rolle – in jeder Hinsicht. «Jonathan ist im Sommer 2025 mit einem Dreijahresvertrag gekommen. Er ist Captain und macht einen aussergewöhnlichen Job. Er hat viel Persönlichkeit sowie Charisma, und sein Umgang mit dem Jungen ist schlicht fantastisch», sagt Kubi über den Lugano-Rekordspieler aus Uruguay.
In Schaffhausen ist Nowoselski kläglich gescheitert
Und doch: An der Spitze braucht es jemanden, der für ein solches Projekt über das nötige Kleingeld verfügt. Und dieser jemand ist Leonid Nowoselski, im Tessin keine unbekannte Nummer. Einst finanzierte der Russe den Nachwuchs des FC Lugano und spielte mit dem Gedanken, den Klub zu übernehmen, bevor ihn Angelo Renzetti 2021 an US-Milliardär Joe Mansueto verkaufte. Nowoselski war einige Zeit dennoch weiterhin federführend für die U16 und U17 des FCL, bevor er nach Schaffhausen weiterzog und dort die 2. Mannschaft (2. Liga interregional!) mit vielen seiner Ex-Spieler aus Lugano-Zeiten unter Profibedingungen gross machen wollte. Das Projekt scheiterte kläglich, und nach einem halben Jahr war der Millionär wieder weg. Um sich nun in Taverne zu installieren. Geld jedenfalls scheint vorhanden zu sein, seit Nowoselski vor kurzem seine Kosmetikfirma für rund eine halbe Milliarde verkauft hat, wie im Tessin kolportiert wird. Nun soll er jährlich eine bis anderthalb Millionen in die AC Taverne stecken.
Tingeltangel-Zirkus mit schönem Fussball
Kubi lobt das Engagement des Russen jedenfalls: «Ich halte es für positiv, Talenten solche Möglichkeiten zu offerieren. Das ist generell gut für den Fussball, wenn Leute im Tessin, wo das Fussballbusiness mit Ausnahme von Lugano brachliegt, investieren, die das Business kennen und Leidenschaft haben. Leonid hat das. Jedenfalls ist sein Ziel immer, schönen Fussball zu zeigen. Er kann sich an gelungenen Aktionen wie ein kleines Kind erfreuen.»
Taverne stehen ein Top-Gym zur Verfügung, Wohnungen, in denen die Spieler schlafen können, es wird oft zusammen gegessen, an weiter entfernte Destinationen reist man am Vortag an, trainiert wird oft zweimal am Tag. Und die Spieler sollen grosszügige Spesenentgelte erhalten. Das Projekt «Profitum im Amateur-Fussball» ist in Schaffhausen gescheitert. Im Tessin klappts bisher. Der Tingeltangel-Zirkus Nowoselski – es sind viele Spieler aus seiner Lugano-Zeit mitgezogen, darunter sein Sohn Maxim – ist mal auf drei Jahre ausgelegt. Ein Ausschalten der diese Saison ungeschlagenen Young Boys wäre ein gewaltiger Coup. Traut Kubi diesen seinen Jungs zu? «Ich denke, dass wir YB in Schwierigkeiten bringen können. Nur sind die Berner physisch sehr stark und verfügen über eine fantastische Ersatzbank, was am Ende wohl den Ausschlag geben wird. Ich bin jedenfalls sehr gespannt, denn unsere Maxime wird es sein, mitzuspielen.» Risiko hin oder her.