Darum gehts
- Nur ein niederländischer Journalist reiste für Ajax-Spiel nach Sion
- Ajaxlife hat 170'000 Mitglieder und 600'000 Instagram-Follower
- Ajax-Saisonkarten sind ausverkauft, der Klub sei immer noch der grösste
Floris Roos heisst der Mann, der sich in den Katakomben des Tourbillons geduldet, bis er mit Siegtorschütze Tolu Akorodare (25) sprechen kann. Er arbeitet nicht etwa für den Telegraaf, die grösste nationale Zeitung aus Amsterdam, der AD, dem Nachfolger des Algemeen Dagblads, ESPN oder Sky. Nein. Floris Roos ist Redaktor von Ajaxlife, dem Organ der offiziellen Fanvereinigung des Amsterdamer Grossklubs. Sie hat 170'000 Mitglieder. Fast 600'000 folgen ihr auf Instagram.
Die Johan-Cruyff-Arena wird gegen Sion voll sein
Starke Zahlen. Im Gegensatz zur Zahl der holländischen Medienvertreter im Wallis: ein Journalist und ein Fotograf. Nehmen die uns etwa nicht ernst? Roos verneint: «Bei den Journalisten hat das andere Gründe. Beim Team wäre das fatal!» Die Anzahl Torchancen, welche Sion im Hinspiel hatte, sollte reichen, um sie auch in Amsterdam voll ernst zu nehmen. Abgesehen davon könne es sich das Team diese nicht leisten, vor 55'000 nicht Vollgas zu geben. «Europa ist für den Klub und die Fans sehr wichtig. Die Johan-Cruyff-Arena ist ausverkauft. Da hat man die Pflicht, ein Team wie Sion sehr ernst zu nehmen.»
Auch in Holland haben die Medien kaum mehr Budgets
Doch warum war er der einzige Journalist, wo sich sonst eine ganze Schar an Journalisten den Klub begleitet? «Es ist wirklich merkwürdig. In Novi Sad in Serbien oder in Shelbourne in Irland waren wir mehrere, wenngleich auch nicht sehr viele. Ich denke, es gibt zwei Gründe: Erstens fehlt den Medien das Geld, zumal es sich um Qualifikationsspiele handelt. Zweitens kriegen die Nicht-Rechtehalter kaum mehr einen Mehrwert, auch auf solch einem Trip. Ajax zum Beispiel machte keine Pressekonferenz am Vortag, weil sie Verspätung hatten. Und auch keine nach dem Spiel, weil ich alleine war. Dabei ist das von der Uefa vorgeschrieben. Und nach dem Spiel kriegen wir in der Regel einen einzigen Spieler für Interviews. Da kommt man irgendwann zur Einsicht: Die teure Reise lohnt sich schlicht nicht.»
«Ajax ist immer noch der grösste Klub!»
An der Grösse des Klubs liegt es nicht. Roos: «Der sportliche Niedergang der letzten Jahre setzt sich zwar fort. Und dennoch gibt es eine Warteliste für Saisonkarten. Die sind längst ausverkauft.» Und auch die Zahl der Mitglieder von Ajaxlife gehe nicht zurück, obwohl die Jahresgebühr 32 Euro beträgt. Ajax, das sei halt immer noch der grösste Klub. Punkt.
