Übrigens – die SonntagsBlick-Kolumne
Die treue Seele

Klubtreue? Es gibt sie noch! Die Kolumne von Felix Bingesser.
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Felix BingesserReporter Sport

«Bis dass der Tod uns scheidet», versprechen sich die Ehepartner vor dem Pfarrer. Unten in der ersten Reihe sitzt der Vater der Braut mit seiner mittlerweile vierten Ehefrau. Daneben die Mutter, die sich entschieden hat, jetzt ein Mann zu sein. Und mit dem Patenonkel der Braut in einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft lebt. Dahinter sitzt der Rest der Patchwork-Familien.

Die Beständigkeit wackelt. Die Veränderung ist Programm. 

Das gilt auch für den Fussball. Da küssen die Spieler nach einem Torerfolg das Trikot mit dem Vereinswappen und lassen sich vor der Fankurve feiern. Nach dem Duschen rufen sie ihren Berater an und beschweren sich, dass sie immer noch bei diesem Provinzklub ihre Brötchen verdienen müssen.

Auch der Schweizer Fussball ist zu einer turbulenten Handelsplattform geworden. Die Mannschaftsaufstellungen auswendig zu lernen, bringt wenig. Drei Wochen später sieht alles wieder anders aus. Dem Sohn das Trikot des Lieblingsspielers kaufen? Schwierig. Der Stürmer ist nach den Sommerferien nicht mehr da. 

Jäckle spielt im Ballenberg des Schweizer Fussballs

Doch die Klubtreue und Identifikation mit seinem Verein ist noch nicht ganz verschwunden. Es gibt sie, die grossen Ausnahmen. Klammheimlich hat vor zwei Wochen ein Spieler ein bemerkenswertes Jubiläum gefeiert. Der Mann heisst Olivier Jäckle und spielt, irgendwie logisch, im Ballenberg des Schweizer Fussballs. Im Aarauer Brügglifeld. Da, wo die Fussballnostalgie noch zu riechen ist.

Mehr als 400 Spiele hat Jäckle für den FCA gemacht. Aufgewachsen ist er in der Region Baden, wechselt aber bereits als Junior zum FC Aarau. Dort steigt er vor 14 Jahren in die 1. Mannschaft auf, wird bald Captain und hält dem Klub bis heute die Treue. «Natürlich gab es Kontakte und lose Angebote aus dem In- und Ausland. Aber ich habe mich in dieser familiären Atmosphäre immer wohlgefühlt. Und der Klub stand auch in schlechten Zeiten hinter mir. Ich sage auch allen neuen Spielern, dass sie schätzen sollen, was sie beim FC Aarau finden», sagt Jäckle. Es tönt wie aus einem Groschenroman.

Delgado und Chikhaoui waren die Besten

Ist denn Jäckle in allen Lebensbereichen eine so treue Figur? «Ich hatte lange dieselbe Freundin. Dann habe ich meine Frau kennengelernt. Und jetzt sind wir Eltern geworden. Ja, wenn sie wollen: Es gab auch in dieser Beziehung wenige Wechsel. Man kann sich auf mich verlassen», schmunzelt Jäckle. Gewechselt haben nur seine Gegenspieler. Die besten zwei, gegen die er je gespielt hat? «Matias Delgado vom FCB und Yassine Chikhaoui vom FCZ.» 

Jetzt klopft er mit seinem FC Aarau an die Tür zur Super League. Es wäre für ihn persönlich nach 2013 der zweite Aufstieg, den er mit Aarau miterlebt. Und es wäre der krönende Abschluss seiner Spielerkarriere.

Denn Ende Saison ist Schluss. Jäckle hat seine ersten Trainerdiplome gemacht und wird seinem Klub des Herzens in einer anderen Rolle erhalten bleiben. Und niemand würde sich wundern, wenn er im Jahr 2058 beim FCA in Pension geht.

Jäckles 400 Spiele sind im Übrigen kein Rekord. Den hält Philippe Perret, der für Xamax 540 Spiele gemacht hat. Und weltweit? Da gibt es den Torhüter Rogério Ceni, der für São Paulo mehr als 1000 Spiele bestritten und als Torhüter 130 Tore (Freistösse, Penaltys) erzielt hat. 

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Challenge League 25/26
Mannschaft
SP
TD
PT
1
FC Vaduz
FC Vaduz
27
27
62
2
FC Aarau
FC Aarau
27
21
62
3
Yverdon Sport FC
Yverdon Sport FC
27
16
47
4
FC Stade-Lausanne-Ouchy
FC Stade-Lausanne-Ouchy
27
9
39
5
Neuchatel Xamax FCS
Neuchatel Xamax FCS
27
-1
36
6
FC Rapperswil-Jona
FC Rapperswil-Jona
27
-12
29
7
FC Etoile Carouge
FC Etoile Carouge
27
-9
28
8
FC Stade Nyonnais
FC Stade Nyonnais
27
-7
27
9
FC Wil
FC Wil
27
-17
27
10
AC Bellinzona
AC Bellinzona
27
-27
18
Aufstieg
Aufstiegsspiel
Abstieg
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