Als auf Anordnung von Napoleon Bonaparte der Kanton Aargau gegründet und Aarau zur Hauptstadt ernannt wurde, hat der französische Feldherr kaum geahnt, welche fussballerische Dramen sich da abspielen. Und Albert Einstein, der in Aarau die Kantonsschule besucht hat, hat nicht an den FC Aarau gedacht, als er die Relativitätstheorie niedergeschrieben hat. Trotzdem: Erfolg und Misserfolg, Freude und Ernüchterung sind in Aarau relativ nahe zusammen.
Wie derzeit. Der Klub verdaddelt wieder einmal den direkten Aufstieg in die Super League. In der Stadt fliesst das Bier. Das passt zum Verein, der vor 124 Jahren in der Brauerei Ryniker gegründet wurde. Und schon 1912 und 1914 den Meistertitel gewann.
Es ist aber am letzten Freitag im rappelvollen Stadion nicht das Aufstiegsbier, sondern das Bier des Frustes und der Ernüchterung. Das Leiden mit dem FCA geht nach dem verspielten 2:0-Vorsprung gegen Yverdon weiter.
Die Sehnsucht nach der Rückkehr in die Super League hat in den letzten Jahren für eine breit abgestützte Schicksalsgemeinschaft gesorgt. Jetzt hat man eine zweite Chance in der Barrage gegen GC. Einstein würde sagen: Die Chancen für den Aufstieg sind immer noch relativ gut.
Mittelmass im Mittelland
Der FC Aarau war lange Zeit eine graue Maus aus dem Niemandsland. Mittelmass im Mittelland. Bis der junge Ottmar Hitzfeld den Verein wachgeküsst hat. 1985, mit dem Cupsieg, hat Aarau sein Provinzmäntelchen abgestreift. Und ist in den 90er-Jahren zur festen Grösse gereift. Gekrönt mit dem sensationellen Titelgewinn unter Rolf Fringer 1993.
Der fünftgrösste Wirtschaftskanton des Landes, nach Einwohnern (700'000) gar die Nummer vier, wird gerne als Hinterhof der Schweiz bezeichnet. Aber es gab auch eine Zeit, als der Aargau plötzlich zur fussballerischen Grossregion wurde. Mit Aarau, Wettingen und Baden waren gleich drei Klubs in der obersten Liga vertreten.
Da war er nicht mehr nur der Kanton der Autobahnen und Kernkraftwerke, mit Einwohnern die bevorzugt Rüebli kauend und mit weissen Socken am Wochenende nach Zürich fahren und Party machen, sondern der Fussballkanton.
Es spielten grosse Spieler in Aarau. Roberto Di Matteo, Gökhan Inler, Wynton Rufer, Ciriaco Sforza, Heinz Hermann, Adrian Knup, Lars Lunde oder die brasilianische Zaubermaus Ratinho. Auch Silvan Widmer, FCB-Präsident David Degen oder Pascal Zuberbühler spielten im Brügglifeld. Unter Hitzfeld und Fringer war der FC Aarau der FC Wunder. Danach waren sie die «Unabsteigbaren». Jetzt spricht man von den «Unaufsteigbaren».
Zweite Chance Barrage
Aarau, mit seinem antiken Brügglifeld, dem Ballenberg des Schweizer Fussballs, lechzt mittlerweile nach besseren Zeiten. Die Stadt ist im heterogenen Kanton Aargau nicht das grosse Zentrum, wie es St. Gallen in der Ostschweiz und Luzern in der Innerschweiz sind. Aber die Aarauer haben eine bemerkenswerte Fanbasis und sind in den letzten Jahren auch bei vielen Jungen zu einem Stück Kulturgut geworden.
Jetzt kommt es zum Duell mit GC, dem Rekordmeister, der kein Rekordmeister mehr sein will und durch die Saison gestolpert ist. Die zweite Chance sollte genutzt werden. Sonst wäre das ein weiterer, relativ heftiger Nackenschlag.
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | FC Vaduz | 36 | 34 | 81 | |
2 | FC Aarau | 36 | 30 | 80 | |
3 | Yverdon Sport FC | 36 | 27 | 67 | |
4 | FC Stade-Lausanne-Ouchy | 36 | 8 | 50 | |
5 | Neuchatel Xamax FCS | 36 | -1 | 49 | |
6 | FC Rapperswil-Jona | 36 | -10 | 44 | |
7 | FC Etoile Carouge | 36 | -8 | 40 | |
8 | FC Wil | 36 | -16 | 40 | |
9 | FC Stade Nyonnais | 36 | -27 | 28 | |
10 | AC Bellinzona | 36 | -37 | 23 |