Wer stoppt den WM-Leader?
Antonelli verwandelt jede Pole in einen Sieg

Kimi Antonelli versucht am Sonntag, seine perfekte Pole-Bilanz weiterzuführen. Die Herzen der Fans gehören für einmal aber nicht dem 19-jährigen WM-Leader.
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Kimi Antonelli ist bisher von der Pole aus unschlagbar.
Foto: Lukas Gorys
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Roger BenoitFormel-1-Experte

Er wird am 25. August erst 20 Jahre alt, aber WM-Leader Andrea Kimi Antonelli reisst im Mercedes alle Formel-1-Rekorde nieder. Seit gestern ist er auch noch der jüngste Sprint-Sieger!

Seine fröhliche, unbekümmerte Art hat den Italiener längst zu einem Publikumsliebling gemacht. Doch heute hat Antonelli beim Klassiker in Silverstone nicht die meisten Fans auf den Tribünen. Sie bejubeln ihren König von England. Sir Lewis Hamilton (41) jagt seinen zehnten Sieg im Wohnzimmer seiner 20-jährigen Formel-1-Karriere.

Silverstone – das Tollhaus der Saison. Insgesamt werden von Donnerstag (ausverkauft) bis Sonntag über 600'000 Zuschauer erwartet.

Doch der Zuschauermagnet, in der Qualifikation als Dritter wieder mal von seinem Ferrari-Teamkollegen Leclerc geschlagen, sagt vorsichtig: «Können wir im Rennen die Pace von Antonelli mitgehen? Ich habe da meine Zweifel, aber wir wissen ja nie, was geschieht.»

Antonelli spricht von einer kniffligen Situation beim Start, «wenn du gleich zwei Ferrari hinter dir hast.»

Perfekte Pole-Bilanz

Nun, Kimi hat alle seine bisherigen vier Pole-Positionen in einen Sieg umgewandelt (China, Japan, Miami und Monaco). Bei seinem fünften Triumph in Kanada startete der Italiener aus der zweiten Position.

Wie stark (auch mental) der junge Mann aus Bologna ist, zeigte sein gestriger Sprint-Sieg gegen den überraschenden Pole-Mann Hamilton (44). Bis zur Hälfte des Rennens präparierte sich Antonelli im Generationen-Duell den siebenfachen Weltmeister auf der Strecke – dann schlug er mit dem besseren Energie-Management gnadenlos zu. Hamilton: «Ich war chancenlos!»

Wie die restliche Konkurrenz, die über zehn und mehr Sekunden verlor. Darunter auch Russell (4.), der immer mehr an seinem Teamkollegen zerbricht.

Und in der GP-Qualifikation am Abend hatte Russell Glück, dass er sich nach einem Crash im ersten Teil der Zeitenjagd selbst aus dem Kiesbett befreien konnte.

Im Top-Ten-Finale wurde Russell (4.) erneut von Antonelli mit 0,3 Sekunden an die Wand gefahren. Dafür jubelte nach vielen Enttäuschungen Leclerc (2.) im Ferrari: «Es waren schwierige Wochen, wo bei mir nicht viel Positives geschah, wo das Gefühl zum Auto einfach nicht gut war. Aber jetzt hat sich die Situation geändert, und der Ferrari passt wieder zu mir.» Leclercs Punkte-Rückstand auf Hamilton, allein nur in Europa – 8:60.

Den Kleinen bleibt nichts

In der Formel 1 tut sich plötzlich Unheimliches. Vor einer Woche in Spielberg (Qualifikation und Rennen) und jetzt in Silverstone (Sprint-Qualifikation, Sprint und GP-Qualifikation) landeten die fünf Top-Teams von Mercedes, Ferrari, Red Bull, McLaren und Racing Bulls fünfmal in Serie auf den ersten zehn Plätzen. Das gab es noch nie.

Am meisten leidet Audi unter den wertlosen Ehrenplätzen. So starten heute Bortoleto (11.) und Hülkenberg (13.) zur Jagd nach endlich mehr WM-Punkten. Die zwei Zähler vom WM-Start in Melbourne (9. Bortoleto) verstauben schon langsam. Zu viele Pleiten, Pech und Pannen begleiten die Deutschen auf dem Weg aus dem Elend.

Pech? Bortoleto verpasste das grosse Finale gegen Lawson nur um 0,032 Sekunden («Mein Fehler»). Und Hülkenberg träumt wohl noch immer von seinem ersten Podestplatz nach 238 Rennen in Silverstone 2025 und dem Überholmanöver in der letzten Runde mit dem Sauber gegen Hamilton im Ferrari. 

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