Seit dem schweren Ski-Unfall am 29. Dezember 2013 in Meribel (Fr) hören die Diskussionen nicht auf: Sagt uns endlich die Wahrheit, fordern die einen. Lasst die Familie in Ruhe, die andern.
Hat der Dalai Lama Recht?
Es ist unglaublich, dass die Familie den Gesundheitszustand des 91fachen GP-Siegers, der ein Schädel-Hirn-Trauma erlitt, in den eigenen vier Wänden behalten kann. Unter dem Motto des Dalai Lama: Denk daran, dass Schweigen manchmal die beste Antwort ist!
So lässt man im Hause Schumacher am Genfersee kaum jemand an Michael heran. Erzbischof Georg Gänswein (63) berichtete vor drei Jahren wenigstens, dass «Michael ganz normal aussieht. Nur sein Kopf ist etwas rundlicher geworden!» Der Seelsorger bekam natürlich sofort Hausverbot.
Weber: «Primitiv, respektlos»
Der frühere Schumi-Manager Willi Weber (77), der vor über zehn Jahren von Michaels Medienberaterin Sabine Kehm (55) abgelöst wurde, fand im sächsischen Fernsehen klare Worte:: «Das ist doch alles primitiv und respektlos!» Der Mann, der Schumi gross machte, fügte hinzu: «Ich durfte nie zu Michael. Die hatten wohl Angst, dass ich sofort erkennen würde, was los ist!»
«Du würdest dir nichts Gutes tun!»
Auch der Brasilianer Rubens Barrichello (47) bekam keine Besuchserlaubnis. Nun verriet der Brasilianer, der mit Schumi von 2000 bis 2004 bei Ferrari 24 Doppelsiege feierte in seinem Podcast: «Man hat mir einen Besuch verboten. Die Begründung war seltsam: Du würdest Michael und dir nichts Gutes tun!»
Fürchtet die Familie Schumacher, dass selbst der treueste Schumi-Diener nach seiner Visite in der Öffentlichkeit plaudern würde? Barrichellos Landsmann (und ebenfalls Schumi Teamkollege) Felipe Massa durfte seinen Kumpel schon früh besuchen und sagte: «Michael hat mit den Augen gezwinkert!»
Am 3. Januar wird Schumi 51
Ist das Schweigen des Familien-Clans wirklich die beste Antwort? Man muss nun wirklich keine Kristallkugel oder die Tarot-Karten bemühen, um alle Hoffnungen fahren zu lassen. Es sind wohl die irreparablen Hirnschäden, die Michael Schumacher (wird am 3. Januar 51) zu einem lebenslangen Pflegefall machen.
Die Tragödie um Töff-Roth (66)
Dieses Schicksal teilt Schumi mit dem Deutschen Reinhold Roth (66)! Der zweifache Töff-Vizeweltmeister (250 ccm) stürzte 1990 beim GP in Rijeka bei einem Überholmanöver und lag lange im Koma. Roth ist zwar erwacht, aber hat seit damals nur ein Wort gesprochen: «Morn» – oder guten Morgen auf hessisch. Vor vier Jahren sagte seine Ehefrau im ZDF, dass sie jetzt wieder einen Lebenspartner habe. Und bekam dafür grossen Applaus. Sie kümmert sich weiter um das Heil ihres Mannes.
Hoffnung – ein leeres Wort?
Dürfen wir bei Schumi noch von Hoffnung sprechen? Die Familie schweigt eisern. Managerin Sabine Kehm sagt nur: «Jede Meldung würde die Türen für neue Spekulationen öffnen!» Sie hat sich den Unfall von Michael Dutzende Mal angeschaut und kann es immer noch nicht glauben, «dass ein relativ harmloser Sturz solche Folgen hat!»
FIA-Boss Jean Todt (73), bei Ferrari einst Schumis Teamchef, hat sich zum Sprecher erkoren: «Ich besuche Michael regelmässig, ich weiss alles.» Der Franzose «hat die Hoffnung nicht aufgegeben zusammen mit Michael eines Tages einen Grand Prix zu besuchen!»
Die «Bunte» lässt nicht locker
Auch die deutsche Illustrierte «Bunte» erschreckt ihre Leser immer wieder mit angeblichen News. In der Weihnachts-Ausgabe 2015 meldete das Blatt exklusiv: «Es ist mehr als ein Wunder. Michael Schumacher – er kann wieder gehen...»
Im Herbst dieses Jahres schlug die «Bunte» wieder zu und titelte: «Sensationelle Therapie gibt neue Hoffnung.» In den Unterzeilen hiess es: «Geheime Reise nach Paris. Modernste Stammzellen-Medizin soll der Formel-1-Legende helfen. Corinna glaubt fest an die Behandlungs-Methoden eines Star-Professors.»
Betet Hamilton noch?
Seither sind drei Monate vergangen. Man hat nichts mehr gehört. Hoffnung? Die hat man im GP-Fahrerlager längst aufgegeben. Die Kleber «Keep Fighting Michael», sind auch bei Mercedes nicht mehr zu sehen. Und das Versprechen von Lewis Hamilton vor sechs Jahren «Ich werde jede Nacht für Michael beten!» – das hat der Brite wohl schon einige Abende vergessen.
Mick (20) und der rote Teppich
Eigentlich erzeugen nur noch der jetzt sechsfache Weltmeister Hamilton und Schumis Sohn Mick (20) Schlagzeilen über Schumi. Der eine jagt dessen grösste Rekorde (7 WM-Titel, 91 Siege), der andere versucht verzweifelt, in die Fusstapfen seines Vaters zu treten. Mick war am 29. Dezember 2013 übrigens mit Michael auf der Skipiste in Frankreich unterwegs.
Wenn Mick auch in seiner zweiten Formel-2-Saison nicht überzeugt, dürfte er es trotz der Ferrari-Hilfe schwer haben. Der rote Teppich hilft, aber er ist keine Garantie für den Erfolg. «Ich schaffe es», sagt der stets bescheidene und höfliche Blondschopf.
Wir stehen wieder am Anfang
Das Schlusswort zur tragischen Geschichte, jetzt schon 2191 Tage alt, hat der Literatur-Nobelpreisträger T. S. Eliot (1888 bis 1965):
«Wir hören nie auf zu ergründen, was passiert ist. Und am Ende kommen wir da an, wo wir anfingen und werden zum ersten Mal begreifen, wo wir stehen!»