«Mache mir keine Illusionen»
Gasly glaubt trotz Pole nicht an Monza-Sieg

Pierre Gasly weist alle Stars in der Monza-Quali in die Schranken. Dass es am Sonntag auch so kommt, glaubt der Franzose aber nicht.
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Überraschender Pole-Jubel in Monza: Pierre Gasly ist der Schnellste im Qualifying.
Foto: keystone-sda.ch
Roger Benoit aus Monza

Die erste Formel-1-Sensation 2026 ist perfekt: Der Franzose Pierre Gasly (30), ein unscheinbarer Franzose, der in Mailand wohnt, eroberte in seinem 190. Grand Prix seine erste Pole-Position. Im Alpine Mercedes. Vor der Haustüre.

«Was soll ich sagen? Da sind jetzt nur Emotionen – und wieder treffen sie mich voll hier in Monza. Also dort, wo ich 2020 auf dem Alpha Tauri-Honda völlig überraschend gewonnen habe.» In einem chaotischen, kurz sogar abgebrochenen Rennen. Gasly siegte damals vor Sainz im McLaren-Renault und Stroll im Racing Point-Mercedes.

Und genau Mercedes ist das wichtige Stichwort. Vor einem Jahr belegte Alpine mit nur 22 Punkten den letzten WM-Platz hinter Sauber (70 Punkte). Chef Briatore hatte das Problem damals schon lange erkannt: der faule Renault-Motor.

Ein Wechsel war dringend nötig. Und seit Alpine mit deutscher Power (wie McLaren und Williams) unterwegs ist, grüssen Gasly und Colapinto locker vom 6. WM-Rang.

Auch wenn Gasly am Freitag vom FIA-Berufungsgericht (Tempo-Limit-Skandal in der Boxengasse) den 3. Platz von Monaco wieder abgesprochen wurde und der Franzose auf dem 7. Platz landete.

Gasly glaubt nicht an den Sieg

Gasly: «Für das Rennen mache ich mir keine grossen Illusionen. Ich werde so lange wie möglich vorne mitfahren. Aber die Favoriten haben andere Namen.» Klar, dass Gasly jetzt vor den 53 Tempo-Runden tiefstapeln muss.

Da WM-Leader Antonelli wegen eines 5. Motorwechsels von hinten starten muss (nur Albon und Lawson sind noch hinter ihm), ist die Siegeschance für einige Piloten sehr gross.

Auch für Teamkollege Russell, der die Qualifikation gegen Gasly um 0,06 Sekunden verlor. Dabei hatte der Brite dem Franzosen noch Rache angesagt, weil er vor der Qualifikation gegen Gasly im Schach verloren hatte.

Am meisten Glück bei Hausherr Ferrari, der beide Autos auf den Plätzen neun und zehn gerade noch ins Top-Ten-Finale brachte. Hamilton warf dabei den Audi-Piloten Bortoleto um 0,001 Sekunden raus. Der Brasilianer darf jetzt neben Lindblad (Racing Bulls) in die fünfte Reihe nachrücken, da Antonelli ja zurück muss. Hülkenberg (12.) war chancenlos.

Wie bei Mercedes ging auch bei Ferrari der Windschatten-Trick auf dem Hochgeschwindigkeitskurs schief. Die beiden Fahrer waren sich offenbar nie richtig einig, wer und wo man ziehen sollte. Das Gleiche gilt wohl auch wieder, wenn es um eine mögliche Stallorder geht. Krach vorprogrammiert. 

Ferrari wartet auf Pole

Bei Ferrari jagte man also die erste Pole-Position seit Ungarn 2025 (Leclerc) vergeblich. Alle 13 Bestzeiten diese Saison wurden von Mercedes oder den Partner-Teams McLaren und Alpine erzielt. So viel zum stärksten Motor.

Der Wechsel bei Aston Martin von Mercedes zu Honda entpuppt sich langsam als Katastrophe. In Monza verloren die «Grünen» sogar auf Einsteiger Cadillac eine halbe Sekunde.

Bei Audi braucht man heute viel Glück, denn dem Motor fehlen mindestens 20 PS. Ehrengast Peter Sauber: «Monza ist wohl zu schnell für das Team!»

Und was kann Hausherr Ferrari feiern? Am 4. September 1966 gewann mit Scarfiotti der letzte Italiener auf Ferrari in Monza. Am 6. September 1970 (also genau vor 56 Jahren) triumphierte im Autodromo der Tessiner Clay Regazzoni. Sein roter Premierensieg war am Vortag durch den Rindt-Todessturz überschattet worden. Am 9. September 1996 eroberte Michael Schumacher seinen ersten von fünf Monza-Siegen. Wenigstens das Design des aktuellen Boliden soll an die einst glorreichen Zeiten des Panikorchesters aus Maranello erinnern.

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