Darum gehts
- George Russell Schnellster in Baku-Training: Bestzeit im Mercedes, 0,552 Sekunden Vorsprung
- Russell droht eine Stallorder
- Haas führt mit 21:7 gegen Audi im Kampf um Platz 7 der WM
George Russell, bisher der grosse Verlierer hinter WM-Leader Kimi Antonelli, hat am Donnerstag auf dem tückischen Stadtkurs von Baku den Hammer ausgepackt: Zweimal Bestzeit im Mercedes – am Ende sogar 0,552 Sekunden vor dem Italiener.
Auf Platz drei der grosse Geheimfavorit Max Verstappen. Der Bullen-Star wird am nächsten Dienstag 29 Jahre alt. Und der Rest? Leclerc, der in Baku vier Pole-Positionen nicht zu einem Sieg umwandeln konnte, liegt als Vierter im Ferrari schon 1,1 Sekunden zurück. Eine Ewigkeit.
Für Russell ist der Teufelsritt vom Donnerstag wohl selbst ein Rätsel. Denn einen Tag zuvor hat er bei der Medienkonferenz noch mühsam versucht, den 81-Punkte-Rückstand auf seinen Teamkollegen zu erklären: «Kimi, Norris und Hamilton haben bis jetzt einfach den besseren Fahrstil für das neue Reglement, die neuen Reifen und das Energiemanagement gefunden.»
Russell droht Stallorder – und Rückversetzung
Aha, jetzt scheint der Brite aus seinem Dornröschenschlaf der ewigen Ausreden erwacht zu sein. Kann er auch in der Qualifikation (Freitag ab 14 Uhr) zuschlagen? Seine Bilanz von sieben Siegen und elf Pole-Positionen in 166 Rennen spricht eher dagegen. Und dann droht ihm ja auch eine Stallorder, wenn die zwei Autos hintereinanderliegen. Zudem muss er mindestens noch einmal von ganz hinten starten – fünfter Motorwechsel. Wie Kimi in Monza – nur Russell wird vom 19. Startplatz nicht gewinnen.
Antonelli muss sich (noch) keine Sorgen machen. Am Morgen stoppte ihn ein Hydraulikschaden. Vorsichtshalber wurde in der Pause der Motor gewechselt. So verlor er auch die Hälfte des zweiten Trainings.
Grosse Sicherheitsvorkehrungen
Bei Audi und McLaren versucht man es mit einem grossen Aero-Paket. Die Hinwiler kamen gleich mit 14 neuen Teilen. Nach Bortoleto soll am Freitag auch Hülkenberg das «neue» Auto fahren. Im ersten Training gibt es die Ränge 10 und 11. Im zweiten Training landet man noch auf den Positionen 14 und 15. Solange nicht endlich mehr Power aus dem Heck kommt, verdeckt das gute Auto nur die wahren Defizite.
Der bald entlassene Ocon ist mit dem Haas-Ferrari in beiden Zeitenjagden vor den beiden Audi. Man erinnere sich: Es geht zwischen diesen beiden Teams um den 7. WM-Platz. Noch liegen die «Haasen» mit 21:7 vorne.
Die Formel 1 ist für den 15. WM-Lauf am Kaspischen Meer. Und damit ein Nachbarland von US-Kriegsgegner Iran. Aus diesem Grund wurden die Sicherheitsvorkehrungen verschärft. Trotzdem haben einige Firmen ihre Angestellten angewiesen, nicht nach Baku zu reisen.
Gasly erlebt Shitstorm
Crashmässig macht der 6003 Meter lange Stadtkurs mit 20 Kurven und einer 2,2 km langen Geraden noch keine grossen Schlagzeilen.
Lindblad ist das einzige «Opfer», als er in der engsten Streckenpassage rechts an die Wand anschlägt – zerfetzte Felge.
Bei Alpine ist ein Shitstorm in den sozialen Medien entfacht. Die Colapinto-Fans beleidigen und bedrohen Gasly und dessen Familie. Grund: In Madrid hat der Franzose den Argentinier nicht vorbeigelassen.
Chef Flavio Briatore (75) reagiert gelassen: «Die Wut und der Hass der Fans haben noch nie im Leben etwas bewirkt. Wahre Anhänger bleiben sauber und fair. Franco hat sich jetzt bei Pierre für seine Anhänger entschuldigt.»