Darum gehts
- Formel 1 testet ab Mittwoch in Bahrain bei wohl fast 30 Grad
- «Software-Spezialisten wichtiger als Fahrer», sagt Helmut Marko zu neuen Entwicklungen
- Viele Unbekannten könnten für viele Überraschungen sorgen
Der grosse Abwesende 2026 ist der Entdecker und Förderer der beiden Vierfach-Weltmeister Sebastian Vettel (38) und Max Verstappen (28): Dr. Helmut Marko (82). Seine kernigen Aussagen, oft provokativ, werden der «neuen» Formel 1 mehr als fehlen.
«Noch verspüre ich keinen Drang, wieder an den Rennen aufzutauchen, aber ich werde mich täglich informieren. Und in Australien um 5 Uhr morgens vor dem TV-Schirm sitzen», sagt der vierfache Grazer Hotelbesitzer Blick am Telefon.
Goldene Zeiten vorbei
«Wir wissen alle nicht, was uns da erwartet. Die Computerspiele am Lenkrad sind vielleicht nicht imagefördernd», sagt Marko, «aber bleiben wir mal positiv».
Nun, die goldenen Zeiten der Formel 1 sind endgültig vorbei. Vollgas ist ihr tägliches Brot – vergessen wir es. Und als die Piloten noch am Schalthebel herumrissen und wussten, warum man ausgefallen ist – vergessen wir es. Allein der Elektromotor hat jetzt dreimal so viel Power wie bisher! Er steht jetzt im Verhältnis 50:50 zum Verbrennungsmotor.
«Intelligenz ist gefragt»
Marko bringt es, wie in den letzten 20 Jahren bei Red Bull, auf den Punkt: «Die Software-Spezialisten sind jetzt wichtiger als die Fahrer! Sie müssen fast bei jedem Rennen ein neues Programm schreiben. Und der Fahrer sitzt jedes Mal wieder neu auf der Schulbank.»
Wer lernt am schnellsten? Marko: «Da ist eine Prognose schwierig. Aber es gibt einige intelligente Fahrer. Wie zum Beispiel Arvid Lindblad bei Racing Bulls.» Der britisch-schwedische Rennfahrer ist erst 18 Jahre alt – und wurde natürlich von Marko entdeckt.
Auch Benzin ist wichtig
Der jüngste Weltmeister ist immer noch Vettel 2010 mit 23 Jahren und 134 Tagen. Der jüngste GP-Sieger wird wohl ewig Max Verstappen mit 18 Jahren (Sieg in Barcelona 2016 bei seiner Red-Bull-Premiere) bleiben.
Marko: «Mercedes scheint einen leichten Vorteil zu haben. Aber können sie auch alles gut umsetzen? Denn das Benzin spielt diesmal auch eine wichtige Rolle. Red Bull hat mit dem eigenen Motor bisher gut gearbeitet – und das muss man, will man Verstappen bei Laune halten.»
Teststart bei 30 Grad
Am Mittwoch beginnen hier in Bahrain die ersten drei Testtage mit Publikum. Marko: «Es wird interessant, wer die Hausaufgaben in Barcelona gemacht hat. Aber die Kühlung der wichtigen Batterie könnte Probleme geben.» In Barcelona wurden kaum zehn Grad gemessen. In Bahrain werden es bis Freitag fast 30 Grad sein.
Marko: «Die vielen Unbekannten werden einige überraschen. Und nicht vergessen: Das neue Mindestgewicht von 770 Kilo (mit Fahrer) spielt ebenfalls eine zentrale Rolle.» Das grösste Geheimnis, das Gewicht (zehn Kilo bringen auf eine Runde knapp 0,4 Sekunden), kann entscheidend sein. Wie 2022, als es Aussenseiter Sauber gelang, die Diät-Kur als einziges Team erfolgreich durchzuziehen – und in den ersten neun Rennen siebenmal punktete.