Das Rennen
Die «Durststrecke» von Kimi Antonelli dauerte sechs Wochen, nun gewinnt der 19-jährige WM-Leader wieder einen GP. Es ist sein sechster Saisonsieg, sein erster seit dem Monaco-GP am 7. Juni. Auch damals startete er aus der Pole-Position und neben Max Verstappen. Antonelli schlägt dieses Mal Charles Leclerc im Ferrari, der das Rennen zwischenzeitlich anführte. Das Podest komplettiert Verstappen, der das 300. Podium für den Rennstall Red Bull holt.
Der Start auf der längsten Strecke des F1-Kalenders (7,004 Kilometer) hat es in sich. Bei der berühmten Schikane Eau Rouge schnappt sich Verstappen Pole-Mann Antonelli. Auf der Geraden setzt der Italiener aber direkt zum Konter an und überholt den Holländer. Und auch Leclerc schiebt sich am vierfachen Weltmeister vorbei. Dann knallts dahinter: Zwischen Lewis Hamilton und George Russell kommts zur Berührung. Letzterer dreht sich und kann das Rennen nicht fortsetzen.
SRF-Experte Marc Surer schätzt sofort ein: «Hamilton ist korrekt gefahren, Russell ist selber schuld.» Und doch bekommt der siebenfache Weltmeister eine Fünf-Sekunden-Strafe. Weil er am Schluss aber Vierter wird, überholt er Russell in der WM-Wertung und ist nun erster Verfolger von Antonelli.
Nach dem Ende der Safety-Car-Phase (bis Runde 5) holt sich Verstappen den zweiten Rang von Leclerc zurück. Und Piastri wird von Hamilton überholt, nachdem es zwischen dem Australier und Leclerc zu einer Berührung gekommen ist. Die Reihenfolge bei Runde 10 von 44: Antonelli, Verstappen, Leclerc, Hamilton, Piastri. Dahinter hat sich Weltmeister Lando Norris von Startplatz 13 (Rückversetzung wegen neuer Antriebskomponenten) auf Rang 6 vorgearbeitet.
Zwei Virtual-Safety-Car-Phasen in Runde 20 und 21 sorgen dann dafür, dass das Klassement richtig durcheinandergewirbelt wird. In der ersten verlangsamten Phase kommen Antonelli und Verstappen an die Box, in der zweiten dann beide Ferrari direkt hintereinander. Und Leclerc schafft es, vor Antonelli zurück auf die Strecke zu kommen – die Führung liegt nun beim Monegassen. Diese behält er lange, doch der WM-Leader kommt ihm immer näher. In Runde 33 ist Antonelli dann wieder vorne. Leclerc, der vor zwei Wochen in Silverstone triumphiert hat, versucht nochmals zu kontern – ohne Erfolg.
Audi
8. Gabriel Bortoleto
13. Nico Hülkenberg
Sowohl Gabriel Bortoleto als auch Nico Hülkenberg halten sich während des ganzen Rennens zwischen ihren Startpositionen 8 und 12. Nach dem Boxenstopp von Norris liegt der Brasilianer sogar vor dem Weltmeister auf Rang 7 – allerdings nur gerade für eine Runde. Bortoleto verteidigt aber seinen 8. Rang und holt sich wie schon in Silverstone vier Punkte. Hülkenberg kann sich derweil nicht weiter nach vorne schaffen und verliert im Vergleich zum Start noch einen Platz.
Die Stimmen
Kimi Antonelli (1.): «Es ist toll, wieder zuoberst auf dem Treppchen zu sein. Es war ein hartes Rennen, wir haben die Spitzenposition durch das Virtual-Safety-Car verloren. Wir haben uns aber zurückgekämpft. Das Momentum war immer da, es ging nur darum, die Resultate zu holen. Wir haben gesehen, dass sich die Situation immer wieder verändern kann. Wir werden sehen, was am Ende des Jahres passiert.
Charles Leclerc (2.): «Ich habe bis am Schluss an den Sieg geglaubt. Wir hatten natürlich etwas Glück mit dem Virtual-Safety-Car, das für uns zum richtigen Zeitpunkt gekommen ist. Ich hatte fünf, sechs Runden auf den harten Reifen, in denen ich zu kämpfen hatte. Dieser 2. Platz ist aber sicher ein Schritt nach vorne.»
Max Verstappen (3.): «Ich habe alles versucht. Der erste Stint war nicht so schlecht, der zweite dann etwas schwieriger. Wir hatten ein bisschen Pech mit dem Virtual-Safety-Car. Aber auf dem Podest zu stehen, ist gut für uns.»
WM-Stand der Fahrer
Das gab zu reden I
Lewis Hamilton und die Box führen während des Rennens regen Austausch – und das nicht zum netten Sonntagsplausch. Einmal nervt sich der Brite, dass er nicht an Leclerc vorbei kann: «Ich habe viel mehr Tempo als er.» Dann beklagt er sich, dass er nun mit vielen anderen Fahrern kämpfen muss: «Ich habe euch gesagt, welche Strategie ich fahren würde.» Und er fragt nach, ob das Team ihm beim Boxenstopp den Frontflügel aufgrund der harten Reifen nachjusitert hat. Die Antwort: «Wir haben es nicht geschafft.» Da lässt Hamilton einen Fluch los, der zensiert wird: «Ich kann das Auto kaum steuern.» Beim Boxenstopp soll es zudem zu einem «Unsafe Release» gekommen sein: Als Hamilton losfährt, erwischt er einen Mechaniker, der mit dem Kofp auf den Reifen knallt. Alles okay, meldet das Team auf Nachfrage des Briten, die Szene wird nach dem Rennen aber noch untersucht.
Das gab zu reden II
Am Sonntag um 21 Uhr duellieren sich Spanien und Argentinien um den WM-Titel im Fussball. Dies geht auch an den F1-Stars nicht spurlos vorbei, vor allem nicht an jenen, dessen Länder direkt beteiligt sind. So erscheint der Argentinier Franco Colapinto (23) im Trikot der Albiceleste und mit einem Plakat mit Lionel Messi und Diego Armando Maradona, während Carlos Sainz (31) mit dem Shirt der Furia Roja Farbe bekennt. Das Duell auf der Strecke gewinnt der Argentinier, der auf Platz 10 fährt (Sainz 16.) – ob das ein paar Stunden später im MetLife Stadium in New Jersey auch so sein wird?
So gehts weiter
Vor der Sommerpause gibts noch ein Rennen. Am kommenden Wochenende ist der F1-Tross zu Gast in Mogyorod bei Budapest für den GP von Ungarn. Das Qualifying gibts am Samstag ab 16 Uhr, der GP findet am kommenden Sonntag um 15 Uhr statt.



