Tifosi im roten Freudentaumel
Leclerc sorgt für ersten Ferrari-Heimsieg seit neun Jahren

Eine Woche nach dem Sieg beim GP Belgien doppelt Charlers Leclerc im Ferrari nach. Der F1-Star gewinnt auch den GP Italien in Monza und verweist die Mercedes-Fahrer Valtteri Bottas und Lewis Hamilton auf die Plätze. Für Alfa-Sauber punktet Giovinazzi als Neunter.
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Roger Benoit, Monza und Marc Ribolla
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Ferrari-Pilot Charles Leclerc fährt in Monza zum Sieg beim GP Italien.
Foto: Lukas Gorys

Grosse Ferrari-Party in Monza! Zehntausende Tifosi bejubeln auf der Zielgeraden den ersten Sieg der Roten seit Alonso 2010. Charles Leclerc setzt seinen Höhenflug fort und beschert Ferrari einen Freudentag. Der Monegasse gewinnt nur eine Woche nach Spa auch den GP Italien. Leclerc triumphiert vor dem Mercedes-Duo Valtteri Bottas und Weltmeister Lewis Hamilton.

Der erst 21-jährige Leclerc liefert sich ein packendes Duell mit den Silberpfeilen, zuerst mit Hamilton und in der Schlussphase mit Bottas. Leclerc bleibt auch nach den Boxenstopps vor dem Mercedes-Duo, doch der Druck auf den Ferrari ist das ganze Rennen gross.

«Er hat mich einfach rausgedrückt»

Zu einer heissen Szene kommts in der 23. Runde. Hamilton will aussen Leclerc überholen, es kommt zur Karambolage und Hamilton muss neben die Strecke ausweichen. Die FIA reagiert schnell. Sie zeigt Leclerc die schwarzweisse Flagge: Verwarnung für das Foul an Hamilton! Auf jeder anderen Strecke hätte der neue Ferrari-Star wohl eine echte Strafe bekommen. Hamilton tobt: «Er hat mich einfach rausgedrückt!» Nach dem Rennen sagt er weiter: «Wenn die WM schon entschieden gewesen wäre, hätte ich dagegen gehalten.» Dann hätte es geknallt.

Zweites Drama an der Spitze nach 36 Runden: Leader Leclerc muss die erste Schikane abkürzen und kommt vor Hamilton wieder raus. Das ist verboten und müsste dem bereits verwarnten Leclerc die Führung kosten. Hamilton: «Habt ihr es gesehen?» Es bleibt ohne Konsequenzen.

Das Duell ganz vorne wird dann plötzlich von einem dritten Mann begleitet. Bottas liegt im zweiten Mercedes nur noch 2,4 Sekunden zurück. Und dann passiert es: Hamilton verbremst sich vor der ersten Schikane hinter Leclerc und schon ist Bottas nach 41 Runden Zweiter! Diesen Platz gibt er nicht mehr her – auch, weil bei Lewis die Reifen nachlassen.

Mit dem zweiten Sieg in Serie scheint die Wachablösung bei Ferrari Tatsache. Leclerc glänzt innert neun Tagen mit zwei Poles und zwei Siegen. Teamkollege Sebastian Vettel demoliert sich in der 4. Runde den Frontflügel. Der vierfache Weltmeister dreht sich in der Ascari-Schikane und fährt von der Rasenfläche wieder auf die Strecke – ohne Acht zu geben! Prompt rast Stroll heran und wird von Vettel touchiert. Stroll dreht sich und schiesst fast noch Gasly ab.

Und Schuld hat Vettel. Er muss sich in der Box eine neue Nase holen und fällt bis auf Rang 19 zurück. Die Kommissäre verdonnern Vettel zu einer 10-Sekunden-Stop-and-Go-Strafe. Das Rennen ist gelaufen. Vettel wird nur 13. Leclerc (182 Punkte) zieht auch in der WM-Wertung an Vettel (169) vorbei. WM-Leader bleibt Hamilton (284), der auf den sechsten WM-Titel zusteuert.

Darum bekam Räikkönen die Stop-and-Go-Strafe

Bitter fürs Alfa-Sauber-Team! Bei Kimi Räikkönen sind die falschen Reifen aufgezogen beim Start. In der Quali fuhr er die Soft-Reifen. Da er aber aus der Boxengasse startet, dachte das Team, man könne Medium-Reifen aufziehen. Ein Irrtum! Der Finne wird nach 20 Runden zur 10-Sekunden-Boxen-Strafe verdonnert und fällt bis fast ans Ende der Rangliste zurück. Am Ende gibts Platz 15. In die Punkte fährt Antonio Giovinazzi als Neunter – zwei Zähler für die Hinwiler!

Weiter gehts in zwei Wochen mit dem GP Singapur in Singapur!

Foto: RMS

Das sagen die Protagonisten

Sieger Leclerc, vom ganzen königlichen Park gefeiert meint: «Kann ich auf italienisch antworten?» Er durfte: «In Spa ging ein Jugendtraum in Erfüllung und heute ein Lebenstraum mit einem Ferrari-Sieg in Monza. Besser gehts nicht. Okay, ich habe einen oder zwei Fehler gemacht. Doch es reichte. Vielen Dank an alle!»

Bottas (2.): «Wir hatten eine gute Strategie, aber die hörte auf den langen Geraden auf. Dort ist Ferrari momentan nicht zu packen!» Hamilton (3.): «Es war eng, dann war für mich das Duell eben mal zu Ende. Leclerc hat seine Aufgabe gegen beide Mercedes gut gelöst. Aber wir schauen ja auch auf die Punkte fürs Team und da haben wir ja zugeschlagen. Auch ich bin mit 16 Punkten zufrieden. Okay, es war für uns kein perfektes Rennen – deshalb gilt der ganze Blick jetzt nach Singapur!»

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