Singapur erstrahlt in Rot!
Ferrari feiert beim heissen Nacht-GP am Äquator einen Doppelsieg. Sebastian Vettel gewinnt das längste Rennen der Formel-1-Saison vor Teamkollege Charles Leclerc – es ist sein 5. Erfolg in der Sauna-Hölle. Zum ersten Mal feiert ein Team in Singapur einen Total-Triumph. Friede, Freude, Eierkuchen also bei den Ferraristi? Mitnichten!
Pole-Mann Charles Leclerc fühlt sich von seinem Team hintergangen. Wieso? In der 19. Runde holt Ferrari zuerst Vettel an die Box, verabreichen ihm frische Reifen. Leclerc bleibt draussen. Nach seinem Pitstopp kurze Zeit später verliert er die Führung an Teamkollege Vettel – der Undercut ist geglückt. Am Funk flucht der Monegasse wie ein Rohrspatz: «Was ist das für eine verdammte Scheisse?! Wie konnte das passieren?»
Leclerc auch nach dem Rennen stinksauer
Auch 50 Minuten später hat sich Leclerc, der nach den Triumphen in Belgien und Italien gerne den GP-Hattrick gefeiert hätte, nicht eingekriegt. Vom Funk aus kommt daher die Warnung: «Mach keine Dummheiten, Charles!» Dessen Antwort: «Ich bin sauer, das ist alles nicht fair. Aber ich bringe das Auto nach Hause.»
Vettel ist sich der heiklen Situation bewusst, verzichtet auf überschwängliche Jubelschreie im Cockpit. Und auch danach vor der Kamera sagt er: «Ein grosser Tag, ein grosser Tag auch für das Team mit dem Doppelsieg. Ich möchte mich aber vor allem bei den Fans bedanken, die mich in den letzten schwierigen Monaten mit schönen Nachrichten aufgebaut haben. Das gab mir viel Kraft, die heute im Cockpit mitgefahren ist.»
Zum Boxenstopp-Wirbel gibt er zu Protokoll: «Drei Kurven vor dem Ende der 19. Runde bekam ich den Befehl reinzukommen. Dann fuhr ich einfach mein Rennen.»
Leclerc ist immer noch angesäuert: «Es ist schwierig, so ein Rennen nach der klaren Führung zu verlieren. Aber freuen wir uns über den roten Doppelsieg. Aber ich bin natürlich enttäuscht.» Ob das noch interner Krach nach sich zieht?
Keinen Krach, dafür aber auch keinen grossen Jubel gibts bei Mercedes. Lewis Hamilton muss sich nach einem inferioren Qualifying auch im Rennen den Ferrari geschlagen geben. Der Brite landet auf dem vierten Rang, Valtteri Bottas wird Fünfter.
Giovinazzi schreibt Geschichte
Historisches erlebt hingegen Alfa-Sauber! In der 27. Runde führt Antonio Giovinazzi das Rennen an. Zum ersten Mal seit Silverstone 2015 liegt kein Fahrer der grossen drei Rennställe (Red Bull, Mercedes oder Ferrari) ganz vorne. Damals waren es Massa und Bottas in den Williams. Der letzte Sauber, der mal das Feld anführte, war Hülkenberg beim GP Spanien im Jahr 2013.
Nach vier Runden ists aber vorbei mit der Hinwiler Herrlichkeit, weil Vettel den Italiener überholt. Am Ende ergattert der Italiener als Zehnter einen Punkt. Nach einer Kollision mit Daniel Kvyat ist der Nachtspuk für Kimi Räikkönen bereits vorzeitig vorbei.
Nach Mitternacht wird Giovinazzi noch mit zehn Sekunden bestraft, weil er bei Safety Car zu nahe am Kran vorbei fuhr! Zum Glück hatte er 17 Sekunden Vorsprung auf Rang 11.
Antonio Giovinazzi (25), Platz 10: «Das war eine Schlacht von einem Rennen! Ich bin sehr glücklich, einen Punkt für mich und mein Team nach Hause gebracht zu haben. Unser erster Stint auf den Medium-Reifen war etwas zu lange. Aber das ist natürlich einfach zu sagen im Nachhinein. Hätten wir früher gestoppt, wären wir vielleicht noch vor Norris auf Platz 7 gekommen. Am Schluss habe ich mit den Reifen gekämpft und die Kollision mit Ricciardo verursachte einen Schaden an der vorderen Aufhängung für den Rest des Rennens. Das Lenkrad zog auf eine Seite und es war ein echter Kampf. Aber ich wollte diesen Punkt unbedingt und kämpfte bis zum Schluss um diese Position. Das Rennen anzuführen und ganz vorne mitzumischen gegen die Ferraris und Mercedes war ein grossartiges Gefühl und ich hoffe, zuhause hat jemand ein Screenshot von den Zwischenresultaten gemacht!»
Teamchef Frédéric Vasseur (51): «So ein Achterbahn-Rennen mit einem Punkt abzuschliessen, ist positiv. Aber da ist auch etwas Bedauern darüber, wie sich die Nacht entwickelte. Antonio machte ein exzellentes Rennen, machte fast nichts falsch – und wenn das Safety Car nur ein paar Runden früher rausgekommen wäre, würden wir jetzt über ein unglaubliches Ergebnis für ihn sprechen. Er schaffte es trotzdem noch, einen Punkt zu retten. Und dies mit einem angeschlagenen Auto. Es bleibt dennoch das Gefühl von «was wäre, wenn …?». Kimi hatte ebenfalls ein sehr solides Rennen, machte Plätze gut und es sah aus, als würde er punkten. Leider war er gegen seine schlechter werdenden Reifen kämpfend in einen Unfall mit Kvyat verwickelt und sein Rennen war vorbei. Am Schluss ist ein Punkt ein Punkt, aber nächste Woche in Sotschi wollen wir mehr.»
Kimi Räikkönen (bald 40), nicht im Ziel: «Nicht gerade das Rennende, das ich mir erhoffte. Aber so ist es halt. Meine Reifen liessen nach und nachdem ich beim ersten Neustart meine Position noch halten konnte, waren sie nach dem zweiten zu kalt. So verlor ich drei Positionen und hatte von da an zu kämpfen. Der Unfall mit Kvyat beendete mein Rennen, aber ich fuhr ja sowieso um nichts mehr. Als ich die Gerade sah, war er noch recht weit hinter mir. Aber als ich einlenkte, sah ich ihn im Augenwinkel – und schon wars zu spät, noch zu reagieren. Ich war bei den Stewards, denke aber nicht, dass es Konsequenzen gibt.»
Antonio Giovinazzi (25), Platz 10: «Das war eine Schlacht von einem Rennen! Ich bin sehr glücklich, einen Punkt für mich und mein Team nach Hause gebracht zu haben. Unser erster Stint auf den Medium-Reifen war etwas zu lange. Aber das ist natürlich einfach zu sagen im Nachhinein. Hätten wir früher gestoppt, wären wir vielleicht noch vor Norris auf Platz 7 gekommen. Am Schluss habe ich mit den Reifen gekämpft und die Kollision mit Ricciardo verursachte einen Schaden an der vorderen Aufhängung für den Rest des Rennens. Das Lenkrad zog auf eine Seite und es war ein echter Kampf. Aber ich wollte diesen Punkt unbedingt und kämpfte bis zum Schluss um diese Position. Das Rennen anzuführen und ganz vorne mitzumischen gegen die Ferraris und Mercedes war ein grossartiges Gefühl und ich hoffe, zuhause hat jemand ein Screenshot von den Zwischenresultaten gemacht!»
Teamchef Frédéric Vasseur (51): «So ein Achterbahn-Rennen mit einem Punkt abzuschliessen, ist positiv. Aber da ist auch etwas Bedauern darüber, wie sich die Nacht entwickelte. Antonio machte ein exzellentes Rennen, machte fast nichts falsch – und wenn das Safety Car nur ein paar Runden früher rausgekommen wäre, würden wir jetzt über ein unglaubliches Ergebnis für ihn sprechen. Er schaffte es trotzdem noch, einen Punkt zu retten. Und dies mit einem angeschlagenen Auto. Es bleibt dennoch das Gefühl von «was wäre, wenn …?». Kimi hatte ebenfalls ein sehr solides Rennen, machte Plätze gut und es sah aus, als würde er punkten. Leider war er gegen seine schlechter werdenden Reifen kämpfend in einen Unfall mit Kvyat verwickelt und sein Rennen war vorbei. Am Schluss ist ein Punkt ein Punkt, aber nächste Woche in Sotschi wollen wir mehr.»
Kimi Räikkönen (bald 40), nicht im Ziel: «Nicht gerade das Rennende, das ich mir erhoffte. Aber so ist es halt. Meine Reifen liessen nach und nachdem ich beim ersten Neustart meine Position noch halten konnte, waren sie nach dem zweiten zu kalt. So verlor ich drei Positionen und hatte von da an zu kämpfen. Der Unfall mit Kvyat beendete mein Rennen, aber ich fuhr ja sowieso um nichts mehr. Als ich die Gerade sah, war er noch recht weit hinter mir. Aber als ich einlenkte, sah ich ihn im Augenwinkel – und schon wars zu spät, noch zu reagieren. Ich war bei den Stewards, denke aber nicht, dass es Konsequenzen gibt.»