Drama beim GP Monza
Beide Ferrari out – Gasly feiert historischen Sieg im AlphaTauri

Auf der 5,793 km langen Tempo-Strecke in Monza geht die Post ab: Beide Ferrari scheiden aus, Hamilton holt nach einer Strafe zur Aufholjagd aus, erstmals seit 2013 und 146 Rennen gewinnt ein anderer Rennstall als Mercedes, Red Bull oder Ferrari.
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Roger Benoit und Simon Strimer
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Ferrari-Debakel in Monza:Hier kracht Leclerc mit voller Wucht in die Bande

Bereits in Runde 25 ist das Ferrari-Drama beim Heimrennen perfekt. Charles Leclerc verliert die Kontrolle und crasht am Ausgang der Parabolica-Kurve mit über 200 km/h in die dicke Reifenmauer. Der Monegasse, der vor einem Jahr hier in Monza die Pole und den Sieg holte, steigt selber aus.

In Runde 6 musste schon Sebastian Vettel die Segel streichen. Der vierfache Weltmeister (2010-2013) fährt nach Bremsversagen durch die Styropor-Abschrankung und muss den Wagen kurz darauf abstellen. Beide Ferrari in Monza out – und das noch vor Rennhälfte!

Bereits vor dem Start konnte es fast nicht mehr schlechter werden für die Roten. Erstmals seit 1984 ging Ferrari in Monza nicht aus den Top 10 ins Rennen. Nun der Doppel-Ausfall im 999. Rennen.

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Wahnsinn in Monza: Pierre Gasly feiert im Alpha Tauri einen Überraschungs-Sieg.
Foto: Lukas Gorys

Bestrafter Hamilton überragend, aber chancenlos

Kevin Magnussen muss in Runde 22 seinen Haas-Ferrari abstellen, löst dadurch den Safety Car aus. Hamilton und Giovinazzi missachten das geschlossene Boxenfenster und kassieren je eine 10-Sekunden-Strafe.

Dann überschlagen sich die Ereignisse: Charles Leclerc crasht und löst in Runde 25 die rote Flagge aus. Nach dem minutenlangen Rennabbruch wird erstmals stehend neugestartet. Weil Hamilton seine Strafe einlösen muss, liegt er plötzlich am Schluss des Feldes.

Der sechste Saisonsieg für den Weltmeister ist weg! Hamilton holt zwar Gegner um Gegner, über den 7. Platz kommt aber auch der Überflieger der Formel 1 nicht mehr hinaus.

Und das, obwohl Hamilton in Monza glänzend in Form war: Am Samstag gelang ihm nicht nur der Streckenrekord, sondern die schnellste Formel-1-Runde aller Zeiten (264,362 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit)!

Foto: RMS

Nach 146 Rennen die Sieger-Auffrischung

146 Rennen lang gewann immer ein Fahrer von Mercedes, Red Bull oder Ferrari. Seit Melbourne 2013 und dem Sieg von Kimi Räikkönen im Lotus. Jetzt ist diese Serie gerissen: Pierre Gasly triumphiert sensationell im AlphaTauri!

Der letzte Sieg des Rennstalls? Der geht ins Jahr 2008 zurück. Das Vorgängerteam Toro-Rosso feierte in Monza vor zwölf Jahren den Sieg. Dafür zuständig: Sebastian Vettel, der als 21-Jähriger damals alle überraschte und seinen ersten von 53 Siegen einfuhr.

Bewegende Podest-Szene ohne Fans

Für alle drei Gasly-Jäger wäre es ebenfalls der erste Sieg gewesen. Direkt hinter Gasly fahren Sainz (McLaren-Renault), Stroll (Racing Point) und Norris (McLaren-Renault) ins Ziel. Alle standen zuvor ein einziges Mal auf dem Treppchen. Zuoberst aber noch nie.

Das kostet Sieger Gasly so richtig aus: Er bleibt eine Weile lang ganz alleine auf dem obersten Treppchen sitzen und kann kaum fassen, was passiert ist. Zum letzten Mal gewann 1996 ein Franzose. Olivier Panis im Ligier-Mugen-Auto in Monaco.

Räikkönen zwischenzeitlich Zweiter

Nach dem stehenden Start und weil Hamilton wegen seiner Strafe ganz nach hinten fällt, liegt Alfa-Saubers Kimi Räikkönen auf Rang 2. Plötzlich blitzen bei Alfa-Sauber die Träume nach einer guten Platzierung auf. Sogar das Podest? Vor 25 Jahren sicherte Heinz-Harald Frentzen (jetzt 53) in Monza den ersten Podestplatz für den Hinwiler Rennstall.

«Luftpumpe» und weiche Reifen stoppen Kimi

Doch diese Träume platzen schnell. Der Finne leidet unter dem schwachen Motor aus Maranello und wird durchgereicht. Zudem hat er nur noch weiche Reifen zur Verfügung, die gegen Rennende immer weiter abbauen. Am Schluss verpasst er sogar die Top 10 und die Punkte. Antonio Giovinazzi hat nach seiner 10-Sekunden-Strafe, die er zusammen mit Hamilton einfing, keine Chance mehr.

Bottas frustriert – Verstappen out

Und was macht der zweite Mercedes-Pilot Valtteri Bottas. Der Finne verschläft den Start! Von der ersten Reihe fällt er sogleich auf Rang 6 zurück. Und bleibt bei dieser Position hängen. Bottas flucht im Funk: «Ich kann mit dieser Motoreneinstellung nicht fahren, das ist ein Witz.»

Max Verstappen läufts ebenfalls nicht rund. Der Holländer muss seinen Wagen in Runde 31 abstellen. Bottas (117 Punkte) zieht als Fünfter in der WM-Wertung wieder an Verstappen (110 Punkte) vorbei.

Befreites Racing-Point

«Im Interesse des Sports» verkündete Racing Point am Sonntagmittag vor dem Rennen, die Berufung gegen die auferlegte Strafe von 15 WM-Punkten Abzug und 400 000 Euro zurückzuziehen. Diese Strafen haben sich die «Pink Panther» eingefangen, weil der Rennstall den Mercedes von 2019 kopierte (vor allem die Bremsbelüftungen).

Renault hatte den Protest nach dem Entscheid in dieser «Copygate»-Affäre bereits zurückgezogen. Und Ferrari wird das bis Mugello (nächstes Wochenende) auch tun. Damit ist dieses Thema vorbei. Das Ganze sei eine Ablenkung für das Team selber und andere gewesen, teilt Racing Point mit.

Wie befreit fahren die «Pink Panther» in Monza wirklich auf? Durch den Drittplatzierten Lance Stroll holt der Rennstall das erste Podium der Saison!

Renault bald mit neuem Gesicht

Noch fährt Renault in den gelb-schwarzen Autos – und Renault spielt hier in Monza keine grosse Rolle: 6. Ricciardo. 8. Ocon.

Am Sonntagmorgen gab der französische Rennstall bekannt, ab nächster Saison mit neuem Namen und Anstrich anzutreten. «Alpine F1 Team» wird das Team ab 2021 heissen. Und neu in den Nationalfarben des Heimatlands auffahren: blau, weiss, rot.

Knapp kein Abschiedsgeschenk für Williams

Claire Williams (44) tritt nach über sechs Jahren als Williams-Teamchefin nach diesem Rennwochenende ab. Die neuen US-Besitzer namens Dorilton sollen genügend Zeit für die Nachfolgelösung erhalten.

Nicolas Latifi verpasst es als Elfter knapp, den ersten Saisonpunkt für das Team zu sichern. Teamkollege George Russell wird 14.

50 Jahre nach Rindt-Unglück und Regazzoni-Sieg

Es war ebenfalls der Samstag, 5. September respektive der Sonntag, 6. September in Monza. Im Jahr 1970. Am Samstag verunglückt Lotus-Star Jochen Rindt in der Parabolica, der Zielkurve in Monza, tödlich.

Am Tag darauf fährt der Tessiner Clay Regazzoni im Ferrari zu seinem ersten von fünf GP-Siegen. Formel-1-Experte Roger Benoit teilt Erinnerungen von Rindts tragischem Tod (hier klicken) und Regazzonis überwältigendem Sieg (hier klicken).

So gehts weiter

Bereits nächstes Wochenende mit dem neunten Rennen der Saison und dem 1000. GP für Ferrari. Und das im Heimatland der Roten in Mugello. Von der Lombardei gehts also weiter in die Toskana.

Das sagt Sauber

Teamchef Vasseur: «Es war ein seltsames Rennen. Wir hatten einen guten Start. Die Zeitstrafe hat Antonios Rennen natürlich massiv beeinflusst. Bei Kimi liefs nach dem Re-Start mit den weichen Reifen richtig gut. Langfristig hatte die Konkurrenz bei den Reifen dann aber einen Vorteil. Unter dem Strich haben wir uns in der Quali und im Rennen verbessert. So muss es aber weitergehen.»

Kimi Räikkönen: «Das Resultat ist am Ende enttäuschend. Wir konnten nicht mehr ausrichten. Nach dem Neustart liefs mit den weichen Reifen einige Runden gut. Als diese abgebaut haben, waren wir aber chancenlos.»

Antonio Giovinazzi: «In so einem verrückten Rennen ist es schade, dass wir keine Punkte holen. Diese wären nämlich möglich gewesen. Das mit der Strafe müssen wir noch analysieren, ich wollte da einfach so rasch wie möglich in die Box. Danach war ich aber zu weit hinten.»

Teamchef Vasseur: «Es war ein seltsames Rennen. Wir hatten einen guten Start. Die Zeitstrafe hat Antonios Rennen natürlich massiv beeinflusst. Bei Kimi liefs nach dem Re-Start mit den weichen Reifen richtig gut. Langfristig hatte die Konkurrenz bei den Reifen dann aber einen Vorteil. Unter dem Strich haben wir uns in der Quali und im Rennen verbessert. So muss es aber weitergehen.»

Kimi Räikkönen: «Das Resultat ist am Ende enttäuschend. Wir konnten nicht mehr ausrichten. Nach dem Neustart liefs mit den weichen Reifen einige Runden gut. Als diese abgebaut haben, waren wir aber chancenlos.»

Antonio Giovinazzi: «In so einem verrückten Rennen ist es schade, dass wir keine Punkte holen. Diese wären nämlich möglich gewesen. Das mit der Strafe müssen wir noch analysieren, ich wollte da einfach so rasch wie möglich in die Box. Danach war ich aber zu weit hinten.»

Fahrer-Wertung nach dem Monza-GP

1. Hamilton 164

2. Bottas 117

3. Verstappen 110

4. Stroll 57

5. Norris 57

6. Albon 48

7. Leclerc 45

8. Gasly 43

9. Sainz 41

10. Ricciardo 41

11. Pérez 34

12. Ocon 30.

13. Vettel 16

14. Hülkenberg 6

15. Kwjat 4

16. Giovinazzi 2

17. Magnussen 1

18. Latifi 0

19. Räikkönen 0

20. Grosjean 0

21. Russell 0

Konstrukteurs-Wertung

1. Mercedes 281

2. Red Bull-Honda 158

3. McLaren-Renault 98

4. Racing-Point-Mercedes 82 (nach 15 Punkten Abzug)

5. Renault 71

6. Ferrari 61

7. AlphaTauri-Honda 47

8. Alfa-Sauber 2

9. Haas-Ferrari 1

10. Williams 0

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