Bernie Ecclestone (95) findet den Vergleich gut. «Dass beim Titel-Puzzle immer wieder ein Teil nicht da ist, sieht man am besten bei Ferrari. Die suchen seit fast 20 Jahren nach den fehlenden Teilen. Trotz den besten Voraussetzungen, Fahrern und dem nötigen Geld.»
Mitleid mit Papa Stroll
Und da bringt der frühere GP-Boss (für über 40 Jahre) eine alte Weisheit hervor: «Man kann den WM-Titel in der Formel 1 nicht kaufen. Wenn nicht alles zusammenpasst, rennst du dein Leben lang dem grossen Erfolg nach. Deshalb tut mir Lawrence Stroll leid.»
Der 66-jährige Kanadier ist laut Forbes 3,6 Milliarden Dollar schwer. Der Pharma- und Kleider-Gigant hat seine Wohnsitze in Gstaad (wie Ecclestone) und Genf. Interviews meidet er – und stolziert lieber missmutig durchs Fahrerlager.
Stars machen noch kein Team
Man kann es verstehen. Seit Jahren buttert er Hunderte von Millionen in eine neue Fabrik bei Silverstone mit den modernsten Anlagen und Windkanälen. Er holte die für ihn besten Leute, darunter Star-Designer Adrian Newey (67) und den zweifachen Weltmeister Fernando Alonso (44).
Newey, jetzt sogar zum Teamchef erhoben (was ein Fehler ist), soll über 100 Millionen Euro kassiert haben. Alonso füllt seine Alters-Kassen mit jährlich gegen 20 Millionen Euro.
Problem ist auch der Sohn
Stroll stolperte seit Jahren immer wieder über das gleiche emotionale Problem: Sohn Lance (27), inzwischen 189 Rennen alt. Papas Traum: Er will ihn zum Weltmeister machen – aber dieses Puzzle-Teil passt trotz drei Podestplätzen 2017 auf Williams und 2020 zweimal mit Racing Point (dem Vorgänger von Aston Martin) einfach nicht dazu.
Jetzt stehen die «Grünen» nach den katastrophalen Tests in Barcelona und Bahrain vor einem Scherbenhaufen. Das «geniale» Auto ist vier Monate im Rückstand, so Newey. Der Honda-Elektromotor leidet an Überhitzung, die Batterie kann nicht einmal die maximale Elektroleistung abrufen.
Honda war zu optimistisch
Honda gibt massive Probleme zu, im Werk arbeitet man 24 Stunden. Doch jetzt fehlen die genialen Ingenieure, die einst abgehauen sind. Honda wollte nach den erfolgreichen Red-Bull-Jahren (Verstappen viermal Weltmeister) aufhören, entschied sich aber wegen den neuen Regeln (vor allem im Motor) dabei zu bleiben.
Mit Aston Martin sollte eine neue Ära beginnen. Aber irgendwie ist es der Anfang vom Ende des Stroll-Feldzuges. Wann gibt der weisshaarige Mann auf? Im Hintergrund wartet der frühere Red-Bull-Teamchef Christian Horner (52) auf einen Einstieg. Entweder bei Aston Martin (trotz Newey) oder eben Alpine.
Horner: «Sie haben mich rausgeworfen!»
Der Brite gibt jetzt bei Netflix zu: «Der Rauswurf bei Red Bull hat mich stark getroffen. Es waren nicht Vater und Sohn Verstappen, die dafür verantwortlich waren. Sondern der neue CEO Mintzlaff und sein Berater Helmut Marko.»
Marko wurde dann selbst noch ein Opfer der neuen Bullen-Regierung, die aus Salzburg alles regeln will. Doch dem Team fehlt jetzt – über drei Jahre nach dem Tod von Firmengründer Didi Mateschitz – eine klare Stimme nach aussen. Jetzt sind wieder Schönredereien angesagt.