Die Ausgangslage vor dem nachbarschaftlichen Hassduell war klar: Die Schweiz geht als Favorit ins Rennen, obwohl die Deutschen keine Probleme mit dem Heimvorteil kennen: Nervenstärke, Kampf- und Willenskraft – auf diese Stärken kann Deutschland immer zählen.
Unsere Nati nutzt vom ersten Bully die technische und läuferische Überlegenheit, schnürt die Deutschen im Verteidigungsdrittel ein und drängt auf den Führungstreffer. Deutschland beschränkt sich auf rudimentäre Angriffe mit der Brechstange – kaum ein Pass findet den Abnehmer.
Der Schock: Statt einem beruhigenden Tor erhält die Schweiz eine matchentscheidende Strafe: Martin Plüss lässt sich von NHL-Profi Christian Erhoff zu einer Revancheaktion provozieren.
Die 5-Minutenstrafe (inklusive Restauschluss) für Stockstich verstreicht zwar ohne Konsequenz auf der Anzeigetafel, aber mit SCB-Captain Plüss fehlt fortan der Denker und Lenker zwischen Rüthemann und Déruns. Damit bleibt der Schweiz nur eine offensive Speerspitze: die ABM-Linie mit Ambühl, Brunner und Monnet.
Die Deutschen erheben den Heimvorteil nach dem geschenkten Führungstreffer durch Gogulla bei Spielmitte endgültig in den Adelsstand, indem sie die Schweizer mit einfachsten Mitteln unter Druck setzen.
Erst im Schlussabschnitt erarbeitet sich unsere Nati ein Chancenplus – diese statistische Überlegenheit lässt sich jedoch nicht mehr in Zählbares ummünzen.
Stürmer Andres Ambühl: «Wir hatten genug Chancen, um dieses Spiel locker zu gewinnen. Dass wir diese Ausgangslage nicht nutzen konnten, ist eine schwere Enttäuschung. Seit ich in der Nationalmannschaft spiele, hatten wir noch nie ein solch grosse Chance auf eine Medaille wie hier in Deutschland.»
Martin Plüss‘ Restauschluss wollte Ambühl nicht als Hauptgrund für das Scheitern bezeichnen: «Wir hatten immer noch genug Stürmer, um weiterhin mit vier Linien anzugreifen. Einen solchen Ausfall muss man wegstecken können.»
Eine heftige Reaktion zeigten die Schweizer erst nach der Sirene: Die Prügelei (siehe Textbox rechts) nach Spielschluss hatte wohl höchsten Unterhaltungswert, am Ausscheiden vermochte sie (leider) nichts mehr zu ändern. Dass wir dabei von den Zuschauern als schlechte Verlierer gebrandmarkt wurden, gehört zum Geschäft. Auch ein guter Verlierer ist schlussendlich nichts anderes als ein Verlierer.
Coach Sean Simpson: «Ich muss Deutschland gratulieren, das war eine defensiv sehr gute Leistung. Sie waren vor dem Tor stark und haben mit viel Leidenschaft gespielt. Wir haben alles versucht, die 5-Minuten-Strafe ha t uns allerdings viel Energie gekostet.»