Nati spielt alles oder nichts
Schweiz unterliegt Tschechien spektakulär

Die Nati lässt sich gegen Tschechien aus dem Tritt bringen, zeigt dann viel Moral und Kampfgeist und verliert, als sie alles oder nichts spielt. Im Viertelfinal warten nun die USA oder Kanada.
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Stephan Roth aus Bratislava
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Beide Teams schenken sich nichts, begegnen sich auf Augenhöhe.
Foto: AFP

Die Schweizer beginnen sehr gut und schwungvoll. Zehn Minuten lassen sie den Tschechen keine Chance und führen 1:0, nachdem Verteidiger Lukas Frick nach einem schönen Pass von Lino Martschini entschlossen trifft.

Dann lässt sich das Team von Patrick Fischer in der zu Beginn ruppigen Partie aus dem Tritt bringen. Giftig wirds, als der tschechische Verteidiger Filip Hronek nach einem Offside-Pfiff noch aufs Tor schiesst. Die Schweizer, allen voran NHL-Jungstar Nico Hischier, reagieren darauf. Es entsteht eine Schlägerei, an der sich auch Goalie Reto Berra beteiligt.

Der umstrittene Treffer der Tschechen

Ob Zufall oder nicht: Danach verlieren die Schweizer Ruhe, Disziplin und Konzentration. In Unterzahl lassen sie sich auskontern – der tschechische Captain Jakub Voracek, der während der WM zum zweiten Mal Vater wurde, lässt sich nicht lumpen und schliesst den 3-gegen-1-Angriff zum Ausgleich ab.

Das zweite Drittel beginnt fatal für die Schweizer. Das Schiedsrichter-Duo aberkennt zwar zunächst den Treffer der Tschechen wegen Torhüter-Behinderung. Doch Milos Riha nimmt seine Coaches Challenge. Und auf dem Video ist dann sichtbar, dass Torschütze Dominik Simon zwar in Goalie Reto Berra rutscht, davor aber von Gaëtan Haas umgecheckt wurde. So zählt das 2:1.

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0:32
Strittiges Tor gegen die Schweizer:Behindert Tschechien hier Reto Berra?

Berra wird ausgewechselt – der «Tscheche» Mayer kommt

Beim dritten Gegentreffer lassen sich die Schweizer wieder auskontern. Wieder ist es die Paradelinie der Tschechen, die davon profitiert. Michael Frolik kann alleine auf Berra zulaufen und lässt ihm keine Chance. Für den Fribourg-Keeper ist das Spiel danach zu Ende. Fischer ersetzt ihn durch Robert Mayer. Der Servette-Goalie mit tschechischen Wurzeln kommt somit zum ersten Einsatz an dieser WM. Im Viertelfinal dürfte dann Leonardo Genoni im Tor stehen.

Nur 19 Sekunden später sind die Schweizer wieder da: Martschini bedient Tristan Scherwey und der SCB-Stürmer trifft via Goalie und den Schlittschuh eines Tschechen. Doch nach einem Bock von Frick stellt NL-Topskorer Dominik Kubalik auf 4:2. So schnell wird aus der Frick- eine Freak-Show.

Niederreiter trifft

Die Schweizer stecken aber nicht auf. Und auch der dritte Treffer geht auf das Konto der neu gebildeten 4. Linie. Scherwey gelingt auf Vorarbeit von Yannick Weber das zweite Tor in diesem Spiel und Turnier.

Die Nati bleibt dran, setzt nach, kommt zu Chancen. Und dann ist da ja noch Nino Niederreiter. Der NHL-Stürmer, erst am Vortag angereist, gleicht aus. Fischer ersetzt Mayer danach bald durch einen sechsten Feldspieler, um mit einem Sieg nach 60 Minuten die Tschechen noch zu überholen. So kostet ein Emptynetter der Nati den (wertlosen) Punktgewinn.

Und wie geht es weiter? Heute Abend spielen die USA und Kanada den Sieg in der Gruppe A aus. Wer gewinnt, spielt am Donnerstag in Kosice im Viertelfinal gegen die Schweiz.

*****

Tschechien – Schweiz 5:4 (1:1, 3:1, 1:2)

Ondrej Nepala Arena, Bratislava, 9085 Fans (ausverkauft) –

SR Björk (Sd)/Romasko (Russ)

Tore: 3. Frick (Martschini, Scherwey) 0:1. 13. Voracek (Kovar, Frolik/PP) 1:1. 21. Simon (Voracek, Hronek) 2:1. 27. Frolik (Simon) 3:1. 27. Scherwey (Martschini, Kurashev) 3:2. 29. Kubalik (Simon) 4:2. 42. Scherwey (Weber, Martschini) 4:3. 57. Niederreiter (Josi, Hischier) 4:4. 59. Rutta 5:4 (ins leere Tor).

Strafen: Je 7 x 2 Minuten.

Tschechien: Bartosak; Musil, Hronek; Moravcik, Rutta; Gudas, Kolar; Sklenicka; Frolik, Simon, Voracek; Vrana, Faksa, Jaskin; Gulas, Kovar, Kubalik; Repik, T. Zohorna, Palat; H. Zohorna;

Schweiz: Berra (ab 27. Mayer); Fora, Frick; Josi, Weber; Loeffel, Genazzi; Diaz; Ambühl, Bertschy, S. Moser; Andrighetto, Haas, Niederreiter; Fiala, N. Hischier, Hofmann; Martschini, Kurashev, Scherwey; Rod.

Bemerkungen: Schweiz ohne Genoni, Praplan (beide überzählig) sowie J. Moser (verletzt/abgereist). – Schweiz von 57:15 bis 57:54, 58:07 bis 58:33, 58:47 bis 60:00 ohne Goalie und mit sechs Feldspielern.

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RMS

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