Bescheidene Feier ohne Special Guests
Im Zürcher Volkshaus, für gewöhnlich als Konzertsaal bekannt, lassen sich die Nati-Stars am Montagabend vor mehreren Hundert Fans nochmals für ihr Silber feiern. Mit Gold wäre es die grosse Sause auf dem Helvetiaplatz geworden, so ist es ein kleinerer Rahmen. Es ist ein ordentlich chaotischer Anlass, der aber auch von SRF live übertragen wird. Die Fans singen nochmals zum Torsong «Richi» und natürlich auch zur «W.Nuss vo Bümpliz», die an der WM zur Gänsehaut-Siegeshymne geworden ist. Doch es tritt weder Büne Huber noch – im Gegensatz zu früheren Silber-Feiern in Kloten – die Stubete Gäng auf. Es ist eine familiärere Geschichte, mit Fans, vereinzelten Familienmitgliedern der Nati-Spieler und DJ, aber ohne Special Guests. Womöglich, weil sich allmählich alle an Silbermedaillen gewöhnt haben. Auch bieten sich den Fans kaum Möglichkeiten, Autogramme zu holen oder Selfies zu machen, ausser es gelingt ihnen, die Spieler im Anschluss vor dem Volkshaus noch abzufangen.
Ein «Happy Birthday» für Josi
Die Nati-Fans lassen sich nicht davon abhalten, gute Stimmung zu verbreiten. Und als Roman Josi auf der Bühne von SRF-Moderatorin Annette Fetscherin befragt wird, singen sie gemeinsam ein «Happy Birthday» für ihn. Der Nati-Captain feiert am Montag seinen 36. Geburtstag. «Wir können nicht genug Danke sagen, wir werden die letzten zwei Wochen nie vergessen», sagt Josi. Er brauche nun eine gewisse Zeit, um dies zu verarbeiten.
Niederreiter macht den Wellen-Meister
Natürlich darf für die Fans auch die obligate La-Ola-Welle nicht fehlen. Orchestriert wird diese vom mittlerweile fünffachen Silberhelden Nino Niederreiter, er schickt dafür die beiden WM-Rookies vor, zuerst Attilio Biasca und dann Théo Rochette, ehe der Bündner dann auch noch Nati-Arzt Jean-Claude Küttel nachreicht. Niederreiter selbst sagt: «Vielleicht musste es so kommen, damit wir eines Tages doch noch Weltmeister werden können. Diese und die nächste Generation muss weiterziehen, damit wir es doch noch werden.»
Nati-Stars blieben mit Bierchen im Hotel
Nach der bitteren Niederlage vom Sonntag machten die Nati-Stars keine grossen Sprünge mehr. Man sei in der eigens für die Nati eingerichteten Spielerlounge im Hotel Mercure City geblieben, erzählen Nico Hischier und Simon Knak, und nach der guten Zeit einfach nur zusammengesessen, habe zu Musik einige Bierchen getrunken. «Wir haben nochmals alles Revue passieren lassen, denn wir waren während der WM eine so coole Truppe und jetzt ist alles schon wieder vorbei. Ich weiss noch gar nicht, was ich jetzt jeweils am Nachmittag ohne die anderen machen soll», sinniert Knak. Es gehe ihm heute besser als noch am Sonntag nach dem Spiel, meint er weiter. «Ich konnte eine Nacht darüber schlafen und bin auch stolz auf das, was wir geleistet haben. Es gibt viele Teams, die ohne Medaille nach Hause gehen mussten – wir nicht.» Als Nächstes geht es für ihn in die Ferien: Portugal ist die Destination.
Genonis Genuss mit den fröhlichen Fans
Mit Sonderapplaus wird auch Goalie Leonardo Genoni gefeiert. Für den 38-jährigen Routinier wird die Heim-WM als das prägendste Erlebnis seiner Karriere eingehen: «Auch ohne Gold, so etwas habe ich noch nie erlebt. Ich habe während der WM so viele lächelnde und strahlende Menschen gesehen – und das extrem genossen.» Begleitet wird Genoni von seiner Familie, die mit dem ÖV zum Volkshaus angereist war. Auch Genoni verspricht: «Irgendwann klappt es mit dem Gold schon noch – ganz sicher!» Dem schliesst sich auch Nati-Trainer Jan Cadieux an: «Der Wille ist da, diese Goldmedaille nach Hause zu bringen.»
«W.Nuss vo Bümpliz» zurück in den Charts
Als der DJ die «W.Nuss vo Bümpliz» nochmals spielt, drehen sich die Spieler zum Bühneneingang um. Kommt da etwa doch noch Büne Huber? Fehlanzeige. Dabei hätte dieser durchaus Grund gehabt, sich zu bedanken, wie ein Blick auf die aktuellen Schweizer Single-Charts zeigt. Da ist der aus dem Jahr 1996 stammende Dialekt-Song von Patent Ochsner durch den Hype an der Hockey-WM seit Sonntag zurück. Auf Rang 55, als höchster Wiedereinsteiger.