Überlebenschance lag bei 20 Prozent
TV-Star Jann Billeter spricht über dramatische Lebensphase

Früher wirbelte er übers Eis, heute steht Jann Billeter lieber auf dem Golfplatz. Nach dramatischen Zeiten schätzt der TV-Moderator heute jeden Moment seines Lebens. Er erzählt, wie er den Fokus neu gesetzt hat und woraus er täglich viel Kraft schöpft.
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Schon über 30 Jahre berichtet Jann Billeter aus den Sportstadien dieser Welt. Sein Herzensthema ist Eishockey geblieben.
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Remo Bernet, GlücksPost
Glückspost

Es dauert noch mehr als vier Stunden, bis das Eishockeyspiel im Fernsehen startet. Jann Billeter (54) ist bereits im Stadion vor Ort. «Ich komme gerne früh genug hierher», sagt der Moderator. Immer wieder hält er an, als er durch die Katakomben des Stadions spaziert, überall sieht er jemanden, den er aus seiner über dreissigjährigen Laufbahn im Sportjournalismus kennt. Auch hört er oft dieselbe Frage: «Wer gewinnt heute?» Billeter weicht einer klaren Antwort gewieft aus mit dem Satz: «Wenn ich das wüsste, könnte ich jetzt schon nach Hause gehen.»

Dabei ist es genau dieses Unvorhersehbare, das für Billeter den Sport nach all den Jahren ausmacht. Und natürlich die Komplexität! «Du kannst nicht einfach losrennen, sondern musst das Schlittschuhfahren beherrschen, was per se schon schwierig ist. Dazu kommt noch der Stock als Spielgerät.» Eishockey sei dadurch geprägt von einer extremen Dynamik, Schnelligkeit und Präzision, sagt der Bündner.

Monatelang im Spital

Billeter weiss, wovon er redet: Schon im Alter von fünf Jahren stand er bei seinem Heimatverein, dem HC Davos, auf dem Eis. Später schaffte er es bis in die Nationalliga B. Doch die Gesundheit machte ihm einen Strich durch die Rechnung – jahrelang kämpfte er mit einer chronischen Nierenkrankheit. Bei einem weiteren Rückfall erlitt er eine Gehirnblutung. Mehrere Monate verbrachte er im Spital – die Ärzte gaben ihm zeitweise eine Überlebenschance von gerade mal 20 Prozent.

Diese unsichere Phase seines Lebens prägt den zweifachen Vater bis heute. «Wenn man so lange ans Bett gefesselt war, ist man jeden Tag aufs Neue dankbar, dass man am Morgen aufstehen und rausgehen kann.» Auch habe er sich damals vorgenommen, sich weniger zu ärgern – aber das sei im Alltag nicht immer ganz einfach. «In solchen Momenten denke ich an jene Zeit zurück, dann beruhige ich mich jeweils ganz schnell.»

Zur eigenen Gesundheit Sorge zu tragen, ist dem TV-Mann sehr wichtig. «Ich bin jetzt über 50, körperlich ist noch immer vieles möglich, aber geschenkt wird dir weniger», sagt er. Deshalb arbeitet Billeter täglich an seiner Fitness. «Viele Leute würden unregelmässige Arbeitszeiten, wie ich sie mit den Sendungen am Abend und am Wochenende habe, nicht gerade cool finden. Aber für mich stimmt’s total. Denn dadurch habe ich das Privileg, dass ich jeweils am Morgen schon Sport treiben kann.» Aufs Indoor-Velo steigt er am liebsten noch vor dem Frühstück.

Billeters Grundsatz: eine Stunde Sport täglich. «Früher war dies das Erste, worauf ich an stressigen Tagen verzichtet habe.» Doch heute sei die Bewegung unverhandelbar. «Diese eine Stunde pro Tag mag manchmal hart sein, aber sie macht die anderen 23 Stunden so viel besser.»

Lieber Golfen als Eishockey

Aufs Hockeyfeld zieht es ihn heute nur noch selten, wenn er mal eigens für eine Veranstaltung dazu eingeladen wird. Ansonsten gehe er heute lieber golfen. Mit einem Augenzwinkern fügt er an: «Darin kann ich auch mit 54 Jahren noch besser werden.» Die Leidenschaft für den Golfsport entdeckte er durch Ex-Hockeyprofi Mario Rottaris (58), mit dem er während seiner Zeit beim Schweizer Fernsehen 15 Weltmeisterschaften kommentierte. Erst vor wenigen Tagen habe er in dessen Golfclub in Wallenried FR wieder trainiert. Solche Kontakte zu ehemaligen Kollegen pflegt Billeter gerne. So besuchte er auch schon den heutigen FC-St. Gallen-Chef Matthias Hüppi (68) im Stadion.

In diesem Sommer ist es nun schon fünf Jahre her, dass Billeter das letzte Mal – mit Tränen in den Augen – durch eine SRF-Sendung führte. Den Wechsel zum Privatsender MySports bereut er bis heute nicht. «Es war der richtige Schritt.»

Beim Sportsender führt er als Moderator und Kommentator durch Hockeyspiele der National League. Ob es ihn nach der Vielfalt bei SRF nicht langweilt, nur noch über ein Thema zu berichten? Jann Billeter muss keine Sekunde nachdenken: «Nein, gar nicht!» Hockey sei ungemein faszinierend und vielfältig. «Ich finde toll, den Fokus nur auf eine Sportart legen zu können.» So könne er sich tiefer in die Themen einarbeiten.

Und dass dies auch wirklich der Fall ist, wird deutlich, als der Produzent der anstehenden Livesendung bei ihm anruft: Billeter schüttelt Statistiken und Fakten locker aus dem Ärmel. «Eine gute Vorbereitung ist das Wichtigste», meint er.

Ihm hilft aber auch sein Erfahrungsschatz. «Heute stehen in der höchsten Liga Spieler auf dem Eis, die einst mit meinem Sohn trainiert und sogar bei uns übernachtet haben», erzählt er und gibt dadurch einen seltenen Einblick in sein Familienleben. Angesprochen auf sein grösstes Glück antwortet er: «Wenn es mit meiner Frau und meinen Kindern weiterhin so super läuft und es allen gut geht, bin ich eigentlich schon sehr glücklich.» Lachend ergänzt er: «Aber vielleicht klappt es auch noch mit einer Karriere als Golfer.»

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