Fassungslosigkeit und Empörung bei den Kanadiern. Boyd Devereaux (31) liegt am Dienstagmorgen im Davoser Spital.
Nicht von seiner Seite weichen seine Frau und die Schwiegereltern. Alle kämpfen mit den Tränen. Denn der Lugano-Stürmer bangt um seine Zukunft als Hockeyspieler.
43. Minute im Spiel zwischen dem Team Canada und Davos. Beat Forster (26) streckt Devereaux mit einem Ellbogencheck nieder. Das Üble und Unkorrekte: Der HCD-Verteidiger springt dabei ab und trifft den Kanadier so mit vollster Wucht. Devereaux bleibt kurz benommen liegen, verlässt das Eis aber aus eigener Kraft.
Deshalb denkt in jenem Moment niemand an eine Tragödie. Weil Devereaux in der Garderobe aber ein Kribbeln in den Fingern spürt, wollen ihn die Kanadier im Spital checken lassen. Die erste Diagnose ist niederschmetternd: Ein Halswirbel ist gebrochen.
Die weiteren Untersuchungen dauern noch den ganzen Nachmittag. Die Ärzte in Davos involvieren Spezialisten. Zudem schalten sich Vertrauensärzte der Toronto Marple Leafs ein. Bange Stunden für Devereaux und seine Liebsten.
Entwarnung bringt am frühen Abend die zweite Diagnose: Es handelt sich «nur» um den Bruch eines Halswirbel-Dornfortsatzes. Devereaux kann mit einer soften Halskrause das Spital verlassen und wird ins Hotel verlegt. Heute berät man sich, wann der Kanadier nach Lugano gebracht werden kann. Transportfähig wäre er.
Trotzdem muss in den nächsten Tagen eine weitere Untersuchung zeigen, ob eine OP notwendig ist. Der Heilprozess dieser Verletzung ist mit zwei Monaten jedoch deutlich kürzer, als er bei einem Wirbelbruch gewesen wäre.
Fakt ist dennoch: Für Devereaux ist die Saison vorbei.Team-Canada-Coach Craig MacTavish hat Devereaux am Morgen im Spital besucht und ringt später nach Worten. «Es ist hart, einen Spieler da liegen zu sehen mit Ungewissheit und Angst in den Augen», sagt er.
Dann redet MacTavish Klartext: «Das war ein dreckiger Check von Forster mit der ernsthaften Absicht, Boyd zu verletzen. Dass dieses Foul nicht geahndet wurde, ist ein Skandal.» Zumal Forster ja als Bösewicht bekannt sei. «Solche Aktionen werden in Kanada hart bestraft.»
Genau deshalb schaltet sich John Misley, Vize-Präsident Team Canada, aus der Heimat ein. Er verfolgt das Spiel am TV. Die Kanadier intervenieren bei den Spengler-Cup-Verantwortlichen und drängen darauf, dass ein Gremium den schrecklichen Vorfall prüft.