Trotz den zwei letzten Kanterniederlagen (2:7, 0:5) ist La Chaux-de-Fonds in diesem fünften Swiss-League-Finalspiel nicht bereit, für die Meisterparty von Sierre Spalier zu stehen. Der frühere National-League-Spieler Timothy Kast bringt die Walliser zwar standesgemäss in Führung, aber Ex-ZSC-Junior Noah Böhler sorgt in Überzahl für den Ausgleich. Es ist der erste Treffer für La Chaux-de-Fonds nach zuvor 135 torlosen Minuten und gibt den Neuenburgern neuen Mumm dafür, in Sierre die Party zu crashen.
Auch während einer hart gepfiffenen Fünfminuten-Strafe inklusive Restausschluss für den erfahrenen ChdF-Verteidiger Tim Grossniklaus kann Sierre nicht für die Differenz sorgen. Beginnen jetzt die Hände der Walliser zu zittern? Schliesslich beruhigen Mathieu Vouillamoz (50.) und Jordann Bougro (54.) mit einem Doppelschlag die Nerven ihrer Fans. Die Entscheidung.
Der Meistertitel von Sierre ist ein Beispiel für einen perfekten Neuaufbau. 2013 war der damalige NLB-Verein am Boden und ging Konkurs, was ihn bis in die 3. Liga hinunterspülte. Innert sechs Jahren kehrte der Traditionsverein jedoch in die zweithöchste Liga zurück. Richtig Schwung kam in die Sache, als Chris McSorley 2023 einstieg – zunächst als Miteigentümer, dann als Sportchef und seit dieser Saison auch als Trainer. Der umtriebige Kanadier weiss wie kaum ein Zweiter, wie eine solche Dreifachfunktion funktioniert. Nach demselben Muster führte der mittlerweile 64-Jährige Anfang der 2000er-Jahre Servette zum Aufstieg und bis an die Spitze der obersten Liga.
McSorley ist der Zeit sportlich voraus
Auch mit Sierre will er in die National League. 2030 soll die neue Valais Arena stehen und als Stadion-Schmuckstück die Voraussetzungen dafür schaffen. Allerdings ist McSorley der Zeit sportlich voraus, was typisch für ihn ist. Bereits auf diese Saison wurde daher der Antrag für einen Aufstieg eingereicht, von der National League aber aus infrastrukturellen Gründen abgelehnt. Die morsche Grabenhalle entspricht nicht deren Anforderungsprofil.
Beim HC Sierre ist man jedoch bereit, die Grabenhalle als Übergangslösung entsprechend anzupassen, sodass ein früherer Aufstieg möglich wäre. Für einen Umbau sollen ein bis zwei Millionen Franken investiert werden. Kenner der örtlichen Gegebenheiten rund um das 1958 entstandene Bauwerk zweifeln allerdings daran, dass dies gelingen kann. Doch eines haben wir in den letzten 25 Jahren gelernt: Chris McSorley sollte man nie unterschätzen. Er hat bereits angekündigt, dass er über 25 Spieler und Trainer verfüge, die bereit seien, den Hammer in die Hand zu nehmen, wenn die Stadt Hilfe benötige. Und sein langjähriger Weggefährte Louis Matte sagte einst über McSorley, dieser wäre sogar in der Lage, Kühlschränke an Eskimos zu verkaufen, wenn er dies wolle.
Ajoie bleibt in der National League
Wie McSorley Sierre in dieser Saison zum souveränen Qualifikationssieg und mit drei 4:1-Siegen in den drei Playoff-Serien ebenso souverän zum Swiss-League-Titel geführt hat, ist auf jeden Fall eine weitere Meisterleistung von ihm. Gleichzeitig ist es aber ein Jammer für unser Hockey, dass seine gut zusammengestellte und strukturiert spielende Mannschaft nun nicht zur Ligaqualifikation gegen Ajoie antreten kann. Denn sie hätte dort gute Chancen. Stattdessen kommt Dauerschlusslicht Ajoie zum dritten Mal in fünf Jahren gratis zum Ligaerhalt, da einzig das im Halbfinal ausgeschiedene Visp und Finalverlierer La Chaux-de-Fonds aufstiegsberechtigt waren.
All jene Fans, die in den letzten Wochen Spiele im Kampf um den Strich in der National League und die Playouts besucht haben, litten letztlich umsonst mit und wurden nicht zum ersten Mal veräppelt. In der Nachbetrachtung haben sie Freundschaftsspiele gesehen und sind einer Farce aufgesessen. Wie lange kann sich die National League dies noch leisten?
Sierre – La Chaux-de-Fonds 4:1
3648 Fans. - Tore: 12. Kast (Völlmin, Bougro) 1:0. 29. Böhler (Kohler, Achermann/PP) 1:1. 50. Vouillamoz (Riat, Privet) 2:1. 54. Bougro (Kast, Vouillamoz) 3:1. 60. Maurer 4:1 (ins leere Tor).

