Die Bieler haben es tatsächlich wieder getan. Ihren Stargoalie, den Olympiasieger und Weltmeister Harri Säteri rausgenommen. Ihn durch Joren van Pottelberghe ersetzt. Wie schon im Viertelfinal-Spiel 3 gegen Bern (3:5-Niederlage), als der Finne am selben Tag Vater wurde. Und in Halbfinal-Spiel 2 bei den ZSC Lions (4:0-Sieg), als der Ersatzmann als erster Gäste-Goalie einen Shutout in der neuen Swiss Life Arena realisierte. Nun also auch im Final, in einer kapitalen Partie um den Titel – ein mutiger Poker.
Es zeigt, wie sehr bei Biel der Teamgedanke über allem steht, wie die Seeländer auf ihrer Mission alle im Boot mit dabei haben wollen. Neben Van Pottelberghe auch den Kanadier Riley Sheahan, der immer dann als sechster Ausländer in die Aufstellung rückt, wenn Säteri überzählig zuschaut. Die ganze Übung beinhaltet eine Spur Sozialromantik – aber ist eben auch gewagt.
Doch wer nichts wagt, der gewinnt auch nichts. Van Pottelberghe ist der Matchwinner beim 2:1-Sieg nach Verlängerung, der Biel das Break ermöglicht und die Seeländer in der Finalserie mit 2:1 in Führung bringt. Antti Törmänen, dieser Trainer-Fuchs, hat wieder einen genialen Schachzug ausgepackt.
Kniestich von Rod gegen Rathgeb
Zu Beginn der Partie rückt jedoch zunächst Genfs Noah Rod in den Blickpunkt des Geschehens. Er kann durchaus von Glück reden, dass er für seinen Kniestich gegen Yannick Rathgeb nur mit 2 Minuten und nicht mit einem Restausschluss belegt wird. Doch da die Bieler mit Beginn des Finals ihre Gefährlichkeit im Powerplay verloren haben, bleibt sein Aufenthalt in der Kühlbox ebenso ohne Konsequenzen, wie jener in der Folge von Marco Maurer. Ja, es sind sogar die Genfer, die bei Bieler Überzahl die beste Chance auf den Führungstreffer haben. Benjamin Antonietti scheitert jedoch allein vor Van Pottelberghe, der diese erste Belastungsprobe souverän meistert.
Im zweiten Drittel gibt es dann deutlich mehr Arbeit für ihn. Die Genfer, bei denen Sami Vatanen und Vincent Praplan nach Verletzungspausen zurück sind, erhöhen die Kadenz. Teemu Hartikainen und Simon LeCoultre haben das 1:0 auf dem Stock, aber «JvP» bleibt stets Herr der Lage. Entgegen dem Spielverlauf sind es die Bieler, die in Führung gehen. Als Rathgeb unbehelligt mit dem Puck am Stock in die Genfer Zone eindringen darf, dort Toni Rajala anspielt, der mit seinem achten Playoff-Tor erfolgreich ist. Und einen Aufreger gibt es auch noch, als Roger Karrer den Bieler Tino Kessler mit einem Check gegen den Kopf ausser Gefecht setzt, aber straffrei bleibt. Biels Sportchef Martin Steinegger ist trotz der Führung ausser sich.
Vatanen wird zur tragischen Figur
Und begeistert ist er zweifelsfrei auch nicht, als Rückkehrer Vatanen in der 55. Minute in Überzahl doch noch der Ausgleich gelingt, es zur Verlängerung kommt. In dieser wird dann Vatanen aber zur tragischen Figur, als ihm Mike Künzle in der 78. Minute den Puck klaut, er diesen zu Yanick Stampfli weiterleitet und der nominelle 13. Stürmer doch tatsächlich zum 2:1-Siegestor trifft. Zuvor mussten sich die Bieler in der Verlängerung 18 Minuten lang wilden Servette-Angriffen erwehren. Mit Van Pottelberghe und Glück überstehen sie diese heisse Phase und haben nun das Break geschafft.
Fans: 7135.
Tore: 31. Rajala (Rathgeb, Froidevaux) 0:1. 55. Vatanen (Winnik, Omark/PP) 1:1. 78. Stampfli (Künzle) 1:2.
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | ZSC Lions | 7 | 15 | 21 | |
2 | Genève-Servette HC | 8 | 1 | 13 | |
3 | HC Ambri-Piotta | 7 | -2 | 11 | |
4 | HC Ajoie | 7 | 2 | 11 | |
5 | HC Fribourg-Gottéron | 7 | 3 | 11 | |
6 | EV Zug | 5 | 9 | 10 | |
7 | HC Davos | 7 | -1 | 10 | |
8 | SCL Tigers | 7 | -3 | 9 | |
9 | SC Rapperswil-Jona Lakers | 7 | -6 | 9 | |
10 | Lausanne HC | 7 | -6 | 8 | |
11 | SC Bern | 5 | 0 | 7 | |
12 | EHC Biel | 6 | 1 | 7 | |
13 | EHC Kloten | 7 | -11 | 6 | |
14 | HC Lugano | 5 | -2 | 5 |