Als Marc Lüthi Ende April nach 28 Jahren sein Büro beim SCB räumte, nahm er auch ein Bild der Berner Künstlerin Karin Frank von der Wand. Auf dessen Rückseite ist handschriftlich ein Satz notiert, der dem mexikanischen Revolutionsführer Emiliano Zapata zugeschrieben wird: «Besser stehend sterben als auf den Knien leben.»
Vier Monate später ist Lüthi der vierte Präsident des Schweizer Eishockeyverbands SIHF in zwei Jahren. Böse Zungen behaupten, es sei darüber nachgedacht worden, im Präsidentenbüro in der Verbandszentrale in Glattbrugg ZH eine Drehtür zu installieren. Der Verband zuletzt? Unführbar.
Die Baustellen sind zahlreich. Das jüngste Müsterchen lieferte die SIHF, als sie am Tag vor Lüthis Wahl meldete, der Untersuchungsbericht zum Zertifikats-Fälschungsskandal um Ex-Nati-Coach Patrick Fischer sei fertiggestellt. Man werde aber nicht verraten, was drinsteht. Unverbesserlich.
Wenn einer aus diesem Trümmerhaufen wieder einen Verband zimmern kann, dann Lüthi. Weil er die Szene in- und auswendig kennt und sich nicht ein X für ein U vormachen lässt. Weil er bereit ist, Kilometer zu fressen. Lüthi hat in den letzten Wochen viele Gespräche geführt, viel erklärt, viel zugehört. Das Ergebnis: ein starkes Wahlergebnis (42:6) für einen, der als streitbar gilt.
Und dann gibts da noch etwas, das im Hockey üblicherweise eher auf dem Eis eine Rolle spielt: sein Einschüchterungspotenzial. Viele haben Respekt vor ihm, manche sogar Angst. Nach 28 Jahren als starker, lauter Mann beim SCB eilt ihm sein Ruf voraus. Wer sich künftig querstellt, muss mit einer lautstarken Diskussion rechnen. Dabei kann Lüthi im Vieraugengespräch ganz anders. Führt diese Kombination dazu, dass die SIHF endlich wieder handlungsfähig wird: gut.
Ob Lüthi den Zapata auch im neuen Büro aufhängen wird, ist nicht bekannt. Aber alle wissen: Der neue Hockey-Boss kann die Tür auch zuknallen, statt sie sanft zu drehen. Und einfach so in die Knie gehen wird er nicht. Das haben wir schriftlich.