Darum gehts
- Dan Tangnes führte Rögle nach 0:3-Rückstand in den SHL-Halbfinal
- Erstmals in Schwedens Playoff-Serie ein 0:3 gedreht
- Im Viertelfinal 14 Zweiminutenstrafen gegen Färjestad verhängt
Im letzten Frühling verabschiedete sich Dan Tangnes (47) mit zwei Meistertiteln im Gepäck vorzeitig aus Zug, um wieder mit seiner Familie in Schweden zusammen sein zu können. Er heuerte bei Rögle an. Und mit dem Team aus Ängelholm schaffte er nun etwas, was es in der schwedischen Liga SHL noch nie gegeben hatte. Sein Team lag nach drei Spielen im Viertelfinal gegen Färjestad 0:3 zurück und setzte sich am Ende noch durch.
«Man muss in entscheidenden Momenten Höchstleistungen bringen. Ich bin sehr beeindruckt, wie wir das geschafft haben», sagte der Norweger nach dem 3:1-Erfolg am Ostersonntag gegenüber TV4.
Bereits in der Schweiz hatte Tangnes Geschichte geschrieben, als er vor vier Jahren mit Zug gegen die ZSC Lions erstmals in einem Final einen 0:3-Rückstand gedreht hatte. Davor hatte in der National League nur viermal eine Mannschaft eine Playoff-Serie komplett auf den Kopf gestellt: 2022 Davos gegen die SCRJ Lakers, 2008 Davos gegen Zug, 2007 Zug gegen Rappi und 2006 Lugano gegen Ambri. In der NHL kam ein solcher Umschwung viermal zustande.
Nun haben auch die Schweden über Ostern eine Eishockey-Auferstehung erlebt. «Darauf kann man sehr stolz sein. Jeder kann führen, wenn es gut läuft, aber es ist schwieriger, wenn es hart auf hart kommt», sagte Tangnes, als er darauf angesprochen wurde, dass er zum zweiten Mal bei einer irren Wende an der Bande stand. «Ich bin stolz darauf, Teil von zwei Teams gewesen zu sein, die das geschafft haben. Ich bin nicht derjenige, der die Verantwortung trägt. Aber man ist definitiv ein Teil davon. Darüber freue ich mich sehr.»
Trainer-Krach: Abbott warf Rögle «Unehrlichkeit» vor
Geräuschlos ging der Umschwung nicht über die Bühne. Nach dem 7:2-Sieg im fünften Spiel in Ängelholm knallte es zwischen Tangnes und Färjestad-Coach Cam Abbott (42), der während sechs Jahren Rögle-Trainer gewesen war und erst im Januar das Team aus Karlstad übernahm.
Bei der Pressekonferenz fetzten sich die beiden vor laufenden Kameras. Abbott war über die Schiedsrichter, die 14 Zweiminutenstrafen gegen sein Team verhängt hatten, verärgert und suchte die Schuld beim Gegner. «Deine Jungs fallen hin, als hätten sie sich die Beine gebrochen. Sie legen sich ständig hin», sagte der Kanadier auf Englisch. Tangnes konterte auf Schwedisch: «Ich finde dein Verhalten peinlich.»
Abbott warf dem ehemaligen EVZ-Coach vor, er habe die Schiedsrichter nach dem ersten Spiel der Serie unter Druck gesetzt und beeinflusst, und bezichtigte die Rögle-Spieler der Unehrlichkeit. «Ich könnte ein fünfminütiges Video mit unzähligen Ausschnitten davon zeigen.»
Tangnes bestritt, dass er die Unparteiischen nach dem Spiel zusammengestaucht habe. «Das ist Bullshit.» Derweil behauptete Abbott, dass die Schiedsrichter seit diesem Vorfall im Zweifelsfall keinen Entscheid mehr für Färjestad gefällt hätten. «Ich hoffe, die Eishockeygötter regeln das. Wir werden weiterhin fair spielen.»
Auch in der Schweiz knallte es
Auch in der Schweiz war Tangnes vor fünf Jahren vorgeworfen worden, dass seine Spieler viele Schwalben fabrizieren würden, wobei es auf dem Weg in die Pause zu einem hitzigen Wortgefecht zwischen dem damaligen ZSC-Coach Rikard Grönborg und Tangnes gekommen war.
Nach der Serie umarmten sich Tangnes und Abbott und gaben sich versöhnlich. «Ich habe grössten Respekt und Anerkennung für Dan und seine Art, Rögle zu führen. In den Playoffs gibt es immer auch Reibereien, besonders wenn man mit menschlichen Faktoren wie Schiedsrichtern und so weiter zu tun hat. Dan hat in dieser Serie fantastische Arbeit geleistet», sagte Abbott gegenüber «Helsingborgs Dagblad». Und Tangnes sagte gemäss «Aftonbladet»: «Wir sind beide ziemlich durchsetzungsstark, verdammt noch mal, wir haben Siegermentalität. So kann man es sagen. Ich denke, nach solchen Reibereien herrscht grosser Respekt.»
Für Rögle geht es am Mittwoch mit dem Halbfinal gegen die Växjö Lakers weiter, während Titelverteidiger Luleå und Qualisieger Skellefteå den anderen Platz im Final unter sich ausmachen.

