«Die Kommunikation beim HCD ist nicht mehr als 2. Liga»
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Rauswurf von Trainer Wohlwend:«Die Kommunikation beim HCD ist nicht mehr als 2. Liga»

Angekündigte Trennung
Die Gründe, weshalb Wohlwend in Davos gehen muss

Die Chronik einer angekündigten Trennung – Christian Wohlwend (46) muss in Davos gehen. Was hat ihn den Job gekostet?
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Am 11. Januar kommt der Schnitt: Wohlwend muss in Davos gehen.
Foto: Martin Meienberger/freshfocus
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Dino KesslerLeiter Eishockey-Ressort

Am Mittwoch um 9.00 Uhr ist die Katze aus dem Sack: Der HC Davos trennt sich per sofort von Trainer Christian Wohlwend (46). Eine drastische Massnahme. Das Tischtuch zwischen ihm und der Mannschaft war offenbar zerschnitten, weil sportliche Vorwürfe ins Leere laufen: Grundsätzlich erfüllte der HCD unter seiner Fuchtel die Erwartungen. Man hatte wohl einfach genug von Wohlwend selbst. Aber warum?

Als Spieler war er durch die Vertreter der «Old School»-Trainergarde konditioniert worden: Management by fear, oder das Führen des Personals durch harte Worte, Drohungen und entsprechende Strafmassnahmen, Trainer unter Dauerstrom. Das habe ihn geprägt, sagt der in Montréal geborene Engadiner im November 2021 im Sonntagsblick-Interview. Damals sagt Wohlwend auch, er wolle nicht mehr der Impulsive sein und glaube nicht, dass Spieler stets einen sprichwörtlichen Tritt in den Hintern brauchen. «Es gab dieses Image von mir, das ich nicht mehr mochte. Natürlich habe ich dieses Image auch selbst konstruiert, dann wurde es kultiviert, weil das für Zuschauer und Medien auch spannend war.»

Wohlwend hatte zu diesem Zeitpunkt den Beweis bereits erbracht, dass er das (sportliche) Rüstzeug für Trainer in der National League besitzt. Er hatte den angeschlagenen Rekordmeister nach der Trennung von der Ikone Arno Del Curto auf ansprechendem Niveau stabilisiert und fit für die Playoffs gemacht.

Flaschenwürfe und öffentliche Kritik

Aber schon damals wusste Wohlwend, dass der Prozess der persönlichen Veränderung kein Ablaufdatum hat: «Dieser Prozess ist nie abgeschlossen.» Im April 2022 ist der impulsive Wohlwend mit einem Paukenschlag zurück, ein fulminanter Ausbruch in den Playoffs gegen den Meister aus Zug: Nach einer Strafe, die für die zweite Niederlage in Folge sorgt, platzt ihm der Kragen, Wohlwend feuert wutentbrannt drei Trinkflaschen aufs Eis. Ein Auftritt, der ein paar wenige amüsiert, beim Grossteil der eher konservativen Hockey-Gemeinde aber für Irritationen sorgt.

Wohlwend schmeisst mit Flaschen um sich
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HCD-Coach tobt:Wohlwend schmeisst mit Flaschen um sich

Es nicht das erste Mal, dass bei ihm während dieser Phase die Impulskontrolle versagt. Nach einer verlorenen Viertelfinal-Partie in Rapperswil wirft er seinen Torhüter Sandro Aeschlimann für ein Gegentor unter den Bus: «Der darf nie rein, den muss der Goalie stoppen.» Auch wenn er damals mit seiner Analyse sportlich wohl ins Schwarze trifft – öffentliche Kritik an Spielern ist ein No-Go für einen Trainer, der sich von den Verhaltensmustern der Drillmeister und Peitschenknaller losgesagt hat.

Die Mannschaft lässt sich davon allerdings nicht beeindrucken, gewinnt später vier Spiele in Folge und zieht in den Halbfinal ein. Das extremste Comeback, das in einer Playoff-Serie möglich ist – tritt so eine Mannschaft auf, die gegen den Trainer spielt? Oder gibt es teamintern genügend Kräfte, die trotz des ungeliebten Trainers für Erfolge sorgen?

Berichte von tiefen Zerwürfnissen

In Wohlwends letzter Saison beweist Davos immer wieder Nehmerqualitäten, dreht Spiele, bügelt Rückstände aus. Im Dunstkreis des Vereins werden aber auch immer mehr Stimmen laut, die von tiefen Zerwürfnissen zwischen Wohlwend und einzelnen Spielern sowie Staffmitgliedern berichten. Der Scherbenhaufen hatte offenbar rekordmeisterliche Ausmasse erreicht, Ende Dezember sagt CEO Marc Gianola zu Blick: «Hilfreich ist für ihn, wenn der Staff und die Spieler hinter ihm stehen, dann folgen die Ergebnisse automatisch.»

Eines hat Wohlwend in fast vier Jahren beim HC Davos erreicht: Die Ergebnisse haben gestimmt. Gescheitert ist er schlussendlich an sich selbst: Er hat es nicht geschafft, die Spieler und den Staff von sich zu überzeugen. In Davos hatte man genug von Christian Wohlwend.

National League 25/26
Mannschaft
SP
TD
PT
1
HC Davos
HC Davos
38
45
81
2
HC Fribourg-Gottéron
HC Fribourg-Gottéron
39
30
71
3
Lausanne HC
Lausanne HC
38
30
68
4
Genève-Servette HC
Genève-Servette HC
39
5
67
5
HC Lugano
HC Lugano
38
26
66
6
ZSC Lions
ZSC Lions
37
19
61
7
SC Rapperswil-Jona Lakers
SC Rapperswil-Jona Lakers
38
-7
61
8
EV Zug
EV Zug
37
-8
57
9
SCL Tigers
SCL Tigers
38
2
51
10
SC Bern
SC Bern
37
-11
47
11
EHC Biel
EHC Biel
37
-16
46
12
EHC Kloten
EHC Kloten
37
-17
46
13
HC Ambri-Piotta
HC Ambri-Piotta
37
-38
41
14
HC Ajoie
HC Ajoie
38
-60
29
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