Objekt der Begierde
NHL-Scouts laufen wegen Bieler Ausnahmetalent Sturm

Jonah Neuenschwander soll im nächsten Juni der elfte Schweizer NHL-Erstrundendraft werden. Seinetwegen rennen die NHL-Scouts den Schweizer Stadien die Bude ein. Der junge Seeländer staunt darüber, bleibt aber gelassen.
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Jonah Neuenschwander beim Spiel am Dienstag gegen die ZSC Lions.
Foto: Pius Koller
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Marcel AllemannReporter Eishockey

Es wird enger auf den Medientribünen in den Schweizer Eishockeystadien. Der Grund ist Biels Ausnahmetalent Jonah Neuenschwander (17), der vor seinem Draft im Juni 2027 steht. 17 NHL-Scouts sahen ihm am letzten Donnerstag in Kloten auf die Finger, 12 waren es am Sonntag in Biel, 15 Scouts am Dienstag in Zürich.

15 NHL-Scouts haben sich wegen Neuenschwander angemeldet.
Foto: Pius Koller

Im Laufe der Saison werden zweifellos noch mehr dazukommen. Beim Österreicher David Reinbacher (21) wurden in der Saison 2022/23 vor seinem Erstrundendraft (fünfter Pick der Montreal Canadiens) bis zu 40 NHL-Scouts an den Spielen seines damaligen Klubs Kloten gezählt.

Neuenschwander findet es «cool»

«Ich bekomme das gar nicht richtig mit, aber es ist schon cool, nach dem Match zu hören, dass so viele Scouts meinetwegen da waren», sagt Neuenschwander. Er hält aber auch fest: «Ich versuche, mich auf mein Spiel zu konzentrieren und nicht gross darüber nachzudenken, wer zuschaut.»

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Jonah Neuenschwander beim Spiel am Dienstag gegen die ZSC Lions.
Foto: Pius Koller

Dass dies keine Floskel ist, sondern seinem Naturell entspricht, beweist der Stürmer, seit er vor zwei Jahren erstmals in der National League spielte und zur Sensation wurde, indem er als erster Spieler seit 24 Jahren bereits als 15-Jähriger die U20-WM bestritt. Den plötzlichen Rummel um seine Person nahm er damals tiefenentspannt wahr und befand, dass er doch nichts anderes tue als sonst – einfach nur Hockey spielen.

Kein Druck, etwas Spezielles zeigen zu müssen

Er habe diese Gelassenheit in sich, sagt Neuenschwander. «Ich spüre wegen der Scouts keinen Druck und habe auch nicht das Gefühl, dass ich etwas Spezielles zeigen muss, sondern versuche, im Moment zu bleiben, einfach mein Spiel zu spielen und dem Team zu helfen.» Neuenschwander freut sich zwar auf den NHL-Draft im nächsten Sommer, aber dieser sei noch sehr weit weg. Abgesehen von ihren Spielbesuchen würden ihn die Scouts im Alltag in Ruhe lassen. Wenn einige auch bei den Bieler Trainings zugegen seien, bekomme er das nicht mit.

Den NHL-Scouts – angeführt von Jiri Hrdina von den Dallas Stars, der als Spieler dreimal den Stanley Cup gewinnen konnte (vorne) – entgeht kein Detail.
Foto: Pius Koller

Dass Neuenschwander der elfte Schweizer Erstrundendraft wird, scheint klar. Die Chancen stehen aber sogar gut, dass er in den Top-10 gezogen wird – als vierter Schweizer nach Nico Hischier (27), Nino Niederreiter (34) und Timo Meier (29). Massgebend wird sein, wie das Ausnahmetalent die aktuelle Saison absolviert. In der National League mit Biel, aber primär auch an der U20- und der U18-WM. Und wer weiss, vielleicht kommt Neuenschwander diese Saison sogar zum Debüt in der A-Nati. Wie Kevin Fiala (30) und Nino Niederreiter, die bei ihren Premieren ebenfalls erst 17 waren.

Nico Hischier bei seinem NHL-Draft als erster Pick der New Jersey Devils 2017
Nico Hischier bei seinem NHL-Draft als erster Pick der New Jersey Devils 2017
NHLI via Getty Images
Die bisherigen zehn Schweizer NHL-Erstrundendrafts

1. Nico Hischier – 1. Pick (2017) | New Jersey Devils

2. Nino Niederreiter – 5. Pick (2010) | New York Islanders

3. Timo Meier – 9. Pick (2015) | San Jose Sharks

4. Kevin Fiala – 11. Pick (2014) | Nashville Predators

5. Sven Bärtschi – 13. Pick (2011) | Calgary Flames

6. Michel Riesen – 14. Pick (1997) | Edmonton Oilers

7. Lian Bichsel – 18. Pick (2022) | Dallas Stars

8. Mirco Müller – 18. Pick (2013) | San Jose Sharks

9. Luca Sbisa – 19. Pick (2008) | Philadelphia Flyers

10. Luca Cereda – 24. Pick (1999) | Toronto Maple Leafs

Nico Hischier bei seinem NHL-Draft als erster Pick der New Jersey Devils 2017
Nico Hischier bei seinem NHL-Draft als erster Pick der New Jersey Devils 2017
NHLI via Getty Images

1. Nico Hischier – 1. Pick (2017) | New Jersey Devils

2. Nino Niederreiter – 5. Pick (2010) | New York Islanders

3. Timo Meier – 9. Pick (2015) | San Jose Sharks

4. Kevin Fiala – 11. Pick (2014) | Nashville Predators

5. Sven Bärtschi – 13. Pick (2011) | Calgary Flames

6. Michel Riesen – 14. Pick (1997) | Edmonton Oilers

7. Lian Bichsel – 18. Pick (2022) | Dallas Stars

8. Mirco Müller – 18. Pick (2013) | San Jose Sharks

9. Luca Sbisa – 19. Pick (2008) | Philadelphia Flyers

10. Luca Cereda – 24. Pick (1999) | Toronto Maple Leafs

Bei Biel am viertmeisten Eiszeit

55 National-League-Spiele hat Neuenschwander inzwischen auf dem Buckel. Aktuell schultert er beim EHC Biel mit durchschnittlich 18 Minuten und 10 Sekunden Eiszeit am viertmeisten nach den beiden ausländischen Verteidigern Victor Söderström (25) und Aleksander Iakovenko (28) sowie Captain Gaëtan Haas (34). Der Youngster kommt in Überzahl und Unterzahl zum Einsatz. «Es ist solid, aber es ginge noch besser. Ich versuche, mich von Spiel zu Spiel zu verbessern», sagt Neuenschwander über seinen Saisonstart. Bescheiden, wie es zu ihm passt.

Auf dem Medienbalkon der ZSC Lions machten die NHL-Scouts am Dienstag dem Talent ihre grosse Aufwartung.
Foto: Pius Koller

Neuenschwander fällt dabei durch seine Spielintelligenz, Kreativität, defensive Disziplin und Technik auf. Bei den Skorerpunkten schenkt seine neue Schlüsselrolle im Team allerdings noch nicht voll ein, bislang konnte er in sechs Spielen lediglich einen Assist verbuchen. «Klar ist das im Hinterkopf», bestätigt er, aber aus dem Konzept lässt er sich dadurch nicht bringen und meint cool: «Skorerpunkte sagen nicht alles aus. Mit etwas mehr Glück kommt das von allein, und wenn es mal anfängt, läuft es dann meistens.»

«Wir dürfen nicht vergessen, dass er erst 17 ist»

Voll des Lobes über Neuenschwander ist Biel-Trainer Christian Dubé (49): «Er hat einen hervorragenden Charakter und arbeitet extrem hart. Jonah ist ein ganz besonderer Junge, und wir schätzen uns glücklich, einen Spieler zu haben, der in diesem Alter bereits so gut ist.» Dass viele NHL-Scouts aktuell den Biel-Spielen folgen, betrachtet Dubé als Ehre, «doch es ist auch wichtig, dass wir behutsam mit Jonah umgehen. Wir dürfen nicht vergessen, dass er erst 17 ist und auch noch viel lernen muss.»

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ZSC Lions – Biel 6:3:Säteri macht nach ZSC-Startfurioso Feierabend
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