Für den grossen NHL-Traum
Drei Schweizer beissen sich im Dschungel AHL durch

Lian Bichsel, Connor Hughes und Rodwin Dionicio müssen durch die Knochenmühle. «Wer die AHL übersteht, ist für die NHL gerüstet», glaubt Bichsel.
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Statt wie geplant in Biel spielt Rodwin Dionicio zumindest vorderhand in der AHL bei den San Diego Gulls.
Foto: San Diego Gulls

Grossen Sport, Glamour und Millionen gibt es in der NHL. In den Farmteams der AHL spielen die zweite Garnitur und Talente, die sich im Vorhof für die beste Liga der Welt empfehlen wollen. Keiner will da länger bleiben als nötig. Das gilt auch für die drei Schweizer.

Lian Bichsel (20) ist zurück in der AHL, nachdem er im vergangenen Frühling NHL-Luft geschnuppert hat. Er war im Playoff-Kader der Dallas Stars, trainierte mit und hielt sich für einen Einsatz bereit. «Es war eine coole Erfahrung nach der schmerzhaften Finalniederlage in Schweden mit Rögle und dem Aus in den AHL-Playoffs mit Texas. Ich habe enorm viel gelernt von diesen tollen Spielern.»

Das Ziel des Solothurners ist klar: Er will in die NHL – nicht nur als Zuschauer. Doch dazu braucht es angesichts der stark besetzten Dallas-Defensive wohl eine Verletzung oder einen Transfer eines Verteidigers. «Doch daran denke ich nicht. Ich schaue auf mich und darauf, was ich beeinflussen kann.»

Dass mit Kyle Capobianco ein anderer Verteidiger von den Texas Stars hochgeholt wurde, als Dallas in Tampere gegen Florida spielte, wurmte Bichsel ein wenig. «Doch man hatte mir gesagt, dass ich auch spielen würde, wenn man mich ins NHL-Kader beruft.» Capobianco sass nur auf der Tribüne.

So ist Bichsel weiterhin im «Dschungel», wie er die AHL beschreibt. In einer Liga, in der wildes, raues Hockey gespielt wird, wo der Konkurrenzkampf riesig ist. «Alle sind fokussiert, in die NHL zu kommen. Wer die AHL übersteht, ist für die NHL gerüstet», glaubt der Verteidiger, der bis und mit WM 2026 von der Nati ausgeschlossen wurde. Dies, weil er sich nach dem Wechsel von der AHL zurück nach Schweden einen Platz bei Rögle sichern wollte und deshalb im Dezember nicht in die U20 eingerückt war.

In der NHL würde er das Zehnfache verdienen

Finanziell ist der Unterschied zwischen AHL und NHL enorm. Im Farmteam verdient Bichsel 82'500 Dollar pro Saison, in der NHL wären es 855'000. «Auch wenn ich anderswo mehr verdienen könnte: Für mich zählt nur die Entwicklung.» Er könne sich nicht beklagen. «Wir haben hier 30 Grad, die Sonne scheint. Ich habe mir ein Auto gekauft und wohne wieder mit zwei Teamkollegen in einem Haus in Austin.»

Auch Connor Hughes (28) hatte eine Finalniederlage zu verkraften. Der Kanada-Schweizer musste sich mit Lausanne in der Finalissima den ZSC Lions geschlagen geben, ehe er in die Organisation der Montréal Canadiens wechselte.

Dem Goalie war klar, dass er sich erst in der AHL, wo er 225'000 Dollar verdient, beweisen muss, wenn er seinen Bubentraum, in der NHL zu spielen, verwirklichen will. Doch als er in einem halben Testspiel mit den Canadiens kein Tor zuliess, habe er gedacht: «Das ist meine Visitenkarte, wenn ihr mich braucht, ruft mich an», schreibt Hughes in seiner Kolumne auf Blick.ch/fr.

Besser hätte auch der Start in der AHL bei Rocket de Laval nicht laufen können. Das Team stellte mit neun Siegen in den zehn ersten Spielen einen Klubrekord auf. Hughes kam fünfmal zum Einsatz und parierte 93,1 Prozent der Schüsse. Einfach sei es trotzdem nicht. «Es gab Wochenenden, an denen genau das Gegenteil der Fall war», berichtet Hughes. «So spielten wir zu Hause gegen Utica und gewannen 4:3. Direkt nach dem Spiel, gegen 22.30 Uhr, fuhren wir mit dem Bus nach Utica und kamen gegen 3.45 Uhr ins Hotel, um am Abend wieder zu spielen.»

Er bezeichnet dies als «Grind Time», was man als Zeit des Schuftens übersetzen kann. «Das sind die Spiele, bei denen man in der Nacht zuvor nicht geschlafen hat, ein bisschen krank oder verletzt ist. Man geht in einem anderen mentalen Zustand ins Spiel und kämpft sich einfach durch, wie rostige Zahnräder einer Maschine, die immer weiterläuft.» David Aebischer, sein Goalie-Trainer in Fribourg, habe ihm gesagt, dass es manchmal nicht darauf ankomme, wie man spielt, wenn man sich am besten fühlt, sondern wie man spielt, wenn man sich am schlechtesten fühlt.

Wehe, wenn man sich mit dem Falschen anlegt ...

Seine ersten Schritte im Profihockey macht Rodwin Dionicio (20). Er hatte im Frühling nach dem Triumph mit Saginaw Spirit im Memorial Cup, dem Finalturnier der drei grossen Junioren-Ligen, in Biel unterschrieben. Doch dann offerierten ihm die Anaheim Ducks einen Vertrag. So beisst sich der begnadete Offensivverteidiger bei deren Filiale, den San Diego Gulls, durch.

Vor allem für ihn und die beiden anderen schwarzen Spieler im Team gab es einen besonderen Moment: Willie O'Ree, 1958 der erste Schwarze in der NHL, war an seinem 89. Geburtstag bei seinem Ex-Klub zu Gast. «Das war ein Riesenerlebnis.»

Sein Ziel sei es, in San Diego zu bleiben. Ein Wechsel zu Biel habe er aber «im Hinterkopf», falls er in der AHL nicht genug zum Zug kommen sollte. «Ich spiele das erste Mal gegen Männer. Es ist ein grosser Schritt», sagt der Appenzeller, dessen Eltern aus der Dominikanischen Republik stammen. Dreimal war er bisher überzählig. Doch am letzten Wochenende gelang ihm sein erstes Tor, und er erhielt in der Kabine die Biker-Lederkutte für den besten Spieler.

In der OHL war Dionicio ab und zu in eine Schlägerei verwickelt. In der AHL noch nicht. «Man hat mich gewarnt: Man kann schnell an den Falschen geraten.» Und das kann böse enden.

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