Der ungewohnt frühe Beginn um 11 Uhr und das dichte Programm scheinen zunächst ihren Tribut zu fordern. Immer wieder schleichen sich Fehler ein, und weil die deutschen Schiedsrichter Strafe um Strafe pfeifen, kommt auch kein Spielfluss auf. Die Russen, die ebenfalls nicht mit der ersten Garnitur antreten, gehen mit dem dritten Powerplay in Führung. Brjukwin bezwingt Goalie Melvin Nyffeler, der ungeplant zum zweiten Einsatz kommt, weil Gauthier Descloux wegen muskulären Problemen passen muss, mit einem Direktschuss am nahen Pfosten.
Den Schweizern, die sich zunächst (auch im Powerplay) nur wenige Chancen erspielen können, gelingt kurz nach der ersten Pause der Ausgleich. Der 20-Jährige Servette-Verteidiger sorgt mit einem Buebetrickli für das 1:1. Doch kaum hat die Nati volle zwei Minuten in doppelter Unterzahl überstanden, gehen die Russen durch Iljin erneut in Führung. Darauf gerät das Team von Patrick Fischer ins Schwimmen, selbst ein Timeout des Schweizer Coachs hilft nicht. Die russische Druckphase bleibt aber ohne Folgen, weil Brjukwin nach einem Pfostenschuss im Nachsetzen die Stange gleich doppelt trifft.
Spätes Gegentor
Im Schlussdrittel mobilisieren die Schweizer ungeahnte Kräfte. Lausannes schweizerisch-amerikanischer Doppelbürger Tyler Moy gleicht herrlich aus. Und im Powerplay schiesst Alessio Bertaggia die Nati mit einem wunderbaren Direktschuss in Führung, der 6. Treffer des bissigen Lugano-Flügels im 12. Länderspiel.
Die Russen scheinen sich bereits mit der Niederlage abzufinden, als Igumnow in der drittletzten Minute der Ausgleich gelingt. Erstaunlicherweise ersetzen sie danach ihren Goalie nicht durch einen sechsten Feldspieler, obwohl sie nur mit einem Vollerfolg das Turnier noch gewinnen hätten können. Dennoch kommt Russland in den Schlusssekunden noch einmal zu einer Topchance.
In der Overtime leistet sich Kreis nach einem Fehler eine Strafe. Doch Nyffeler und seine Vorderleute verteidigen sich mit viel Leidenschaft. Der Esprit des jungen Schweizer Teams lässt gar nicht zu wünschen übrig. So fällt die Entscheidung im Penaltyschiessen. Und da trifft auf Schweizer Seite einzig Pius Suter, während sich Nyffeler dreimal bezwingen lassen muss.
Slowakische Schützenhilfe
Aufgrund der Niederlage gegen Russland muss Fischers Team erst um den Turniersieg zittern. Es ist auf Schützenhilfe der Slowakei in der Nachmittagspartie gegen Deutschland angewiesen. Und auf die Slowaken ist Verlass! Im abschliessenden Gruppenspiel bodigen die Osteuropäer die Deutschen mit 3:2 nach Verlängerung. Damit ist der Schweizer Sieg am Deutschland-Cup Tatsache. Die Eisgenossen triumphieren bei diesem Turnier zum insgesamt dritten Mal – nach 2001 und 2007.