Nachwuchs-Lobby reicht nicht mehr
Weshalb Trainer Filander beim EHC Biel gescheitert ist

Die Jungen hat er zwar erfolgreich gefördert, aber das Team trotzdem keinen Schritt weitergebracht und es zuletzt sogar verloren. Der EHC Biel und Martin Filander – eine Erfolgsgeschichte war das nicht.
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Darum gehts

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Marcel AllemannReporter Eishockey

Unmittelbar vor dieser Saison wurde der Vertrag mit Martin Filander (44) noch bis 2027 verlängert. Es war ein Vertrauensbeweis nach einer bereits zuvor schwierigen Saison, die sich für den EHC Biel nicht ausbezahlt hat. Nach weiteren unbefriedigenden Monaten haben die Seeländer die Geduld mit dem Schweden verloren.

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Martin Filander ist beim EHC Biel gescheitert.
Foto: Urs Lindt/freshfocus

Die Tabellenkonstellation ist natürlich der Hauptgrund für die Entlassung. Biel hat als Elfter zwar noch die Möglichkeit, es in die Play-Ins und Playoffs zu schaffen, aber die Luft ist elf Spiele vor Schluss dünn geworden. Zudem rücken den Seeländern von hinten auch noch Kloten sowie Ambri auf die Pelle – und auf eine mögliche Playout-Serie mit Ajoie hat in Biel niemand Lust.

Mildernde Umstände in der ersten Saison

In seiner Premierensaison 2024/25 erreichte Filander Rang 11. Das war zwar eine Enttäuschung, aber weil zuvor eine Umbruchsaison ausgerufen wurde, den Klub eine ungeheuerliche Verletzungswelle heimsuchte und es Filander erfolgreich gelungen war, junge eigene Talente wie Jonah Neuenschwander (16) und Niklas Blessing (19) einzubauen, wurden mildernde Umstände geltend gemacht. Der Schwede holte sich für das Vertrauen, das er den Youngstern auch in Schlüsselmomenten bereits schenkte, sogar Lob ab.

Doch in seiner zweiten Saison, mit deutlich weniger Verletzungspech, der Rückkehr von Leitwolf Gaëtan Haas nach einjähriger Pause, drei neuen, unverbrauchten Ausländern (Hultström, Laaksonen, Sylvegaard) und weiteren frischen Hoffnungsträgern wie Rodwin Dionicio und Petr Cajka, waren keine Fortschritte zu erkennen. Laaksonen verabschiedete sich im Dezember bereits wieder, die Auftritte der Mannschaft waren oft rätselhaft. Es gab gute Spiele mit begeisternden Heimsiegen, wie zuletzt auch noch im Januar gegen Davos und Lugano. Es gab aber auch erschreckend blutleere Darbietungen, vor allem auswärts, und teilweise regelrechte Zusammenbrüche. Wie am Samstag bei der 1:6-Auswärtspleite bei Fribourg. Diese brachte das Fass zum Überlaufen.

Verhältnis zur Mannschaft hat gelitten

Schon vorher war festzustellen, dass zu viele Spieler das erwartete Rendement nicht oder zu selten erreichten. Vor allem erprobte Leistungsträger wie Goalie Säteri, Rajala oder Sallinen, aber auch Andersson, Sylvegaard und der wacklige Hultström. Daneben konnte abgesehen von Hofer, Kneubuehler, den Jungen Neuenschwander, Blessing und Dionicio auch die zweite Garde kaum glänzen. Parallel dazu waren vermehrt Stimmen zu hören, dass das Verhältnis zwischen Filander und Teilen der Mannschaft nicht mehr das Beste sei. Zu diesen Teilen dürfte auch Verteidiger-Routinier Robin Grossmann (38) gehört haben, der in den letzten Wochen ausschliesslich überzählig war. In der Summe war das den Verantwortlichen dann zu viel, um den Nordländer noch im Amt zu halten. Die Nachwuchs-Lobby reichte nicht mehr.

Der EHC Biel sorgt damit für den vierten Trainerwechsel in der National League in dieser Saison. Zuvor wurden Berns Jussi Tapola sowie Servettes Yorick Treille entlassen und bei Ambri zog Luca Cereda selbst die Reissleine. All diese Wechsel erfolgten im Herbst. Und während die genannten drei Klubs die Nachfolgelösungen längst installiert haben, stellt sich in Biel die Frage, wer Filander beerbt.

Wieder Steinegger – oder gar Wohlwend?

Interimistisch tragen die beiden Assistenten Mathias Tjärnqvist (46) und Beat Forster (42) die Verantwortung. Naheliegend wäre, dass Sportchef Martin Steinegger (53) – wie schon vor zwei Jahren nach der Entlassung von Petri Matikainen – übernimmt. Aber im Fall dieser internen Lösung hätten es die Seeländer auch direkt kommunizieren können. Demnach liegt der Verdacht nahe, dass der EHC Biel einen aussenstehenden Trainer zumindest sucht. Möglicherweise sogar bei Partnerteam Olten, wo der feurige Christian Wohlwend (49) an der Bande steht – und das oft schlaftrunken wirkende Team wecken könnte?

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