Fischer kommen im Interview die Tränen
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Er spricht über Familie:Hier wird Fischer emotional

Fischer bricht sein Schweigen
Harter Vorwurf gegen SRF nach Covid-Affäre

Patrick Fischer spricht mit Journalist und Moderator Peter Röthlisberger erstmals ausführlich über seine Entlassung als Nati-Trainer. Er gewährt Einblick in seine Gefühlswelt – und äussert einen harten Vorwurf gegen SRF.
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Mitte April ist Patrick Fischer als Trainer des Schweizer Eishockey-Nationalteams entlassen worden.
Foto: imago/CTK Photo

Mitte April ist nach einer SRF-Recherche bekannt geworden, dass der damals nicht gegen das Coronavirus geimpfte Fischer 2022 mit einem gefälschten Covid-Zertifikat an die Olympischen Spiele in Peking gereist ist und später wegen Urkundenfälschung verurteilt worden ist. Der schweizerische Eishockeyverband zog deshalb die Reissleine und stellte Fischer kurz darauf frei. Mit Ex-Blick-Chef, Journalist und Moderator Peter Röthlisberger spricht er nun in einem auf Youtube veröffentlichten Interview erstmals ausführlich über...

... das gefälschte Covid-Zertifikat

«Ich höre auf mein Bauchgefühl und vertraue darauf. Damals war klar für mich: Ich werde die Impfung nicht machen.» Wegen des Impfzwangs für die Einreise habe er gewusst: «Ich habe ein Problem, weil ich mit den Jungs nach China wollte. Deshalb habe ich mich für den Weg entschieden, ein Zertifikat zu kaufen. Als Nationalcoach hätte ich das nicht tun dürfen, aber mein Gefühl wies mich auch auf eine Verantwortung für meinen Körper hin.» Das habe ihn in die schwierigste Situation in seinen zehn Jahren als Nati-Coach gebracht. «Als Nationaltrainer habe ich meine Vorbildfunktion verletzt, da gibt es nichts schönzureden. Aber persönlich bin ich mir treu geblieben.»

... den Umgang des Hockeyverbands

Der Verband habe gewusst, dass er mit sich ringe. Dann wurde Fischer eines Tages ein Vertrag vorgelegt mit Events, an denen er teilnehmen muss. Bedingung: Dafür müsse er geimpft sein. «Wenn ich fehle, würde es Sanktionen in der Höhe von über einer halben Million Franken geben. Das habe ich unterschrieben.» Für den Verband sei dies die Bestätigung gewesen, dass er geimpft sein: «Deshalb konnte ich nicht mehr in Quarantäne.»

... die Möglichkeit der Quarantäne

Weil vor Olympia eine Woche Vorbereitung in der Schweiz geplant war, wäre es mit einer Quarantäne nicht aufgegangen. «Als Einzelsportler wäre ich in Quarantäne gegangen – oder gar nicht gegangen. Und den Aufschrei, den es gegeben hätte... auch diese Möglichkeit wäre schwierig gewesen.»

... die Gefährdung des Umfelds

«Ich habe gewusst, ich bin kein grösseres Risiko als die anderen – sobald ich das Virus habe, bin ich in Quarantäne. Das gab mir die Sicherheit, dass ich die Mannschaft nicht gefährde.» Deswegen sei es für ihn auch schwierig gewesen, als es nach Veröffentlichung der ganzen Sache hiess, er habe alle gefährdet.

... das, was ihn am meisten verletzt hat

«Was mich emotional traf: Dass sie Dankesbotschaften und Plakate für mich aus der Hand reissen, auch während der WM. Ich habe mich gefragt, wer das in Auftrag gibt. Hart war es auch, die Nationalmannschaft verlassen zu müssen und nicht mehr mit meiner Lieblingsmannschaft Spiele gewinnen zu können.»

... die Heim-WM

Zu Beginn der WM war Fischer auf Mallorca – um sich zu schützen. Danach hat er die Spiele am Fernsehen mitverfolgt. Auch hatte er zu den Coaches Kontakt. «Beim WM-Final war ich im Stadion, auf Wunsch der Spieler. Es war einmal mehr eine unglaubliche Leistung. Ein zweiter Platz ist noch immer ein unglaubliches Resultat, auch wenn es weh tut, dass man den Titel nicht nach Hause bringen konnte.»

... die Reaktion der Spieler

«Es waren sehr emotionale Tage, auch für die Spieler sehr schwierig. Ich war in der Slowakei und habe sehr viel Rückendeckung von Staff und Spielern gespürt. Die Heim-WM stand vor der Tür. Ich habe ihnen immer gesagt: Get the job done! Ihr wisst, wie es geht.»

… das verhängnisvolle Mittagessen

Im Rahmen eines Drehs wurde beim Mittagessen mit SRF-Journalist Pascal Schmitz über Gott und die Welt gesprochen. «Ich bin ein Mensch, der schnell vertraut und das Vertrauensverhältnis mit SRF war sehr gross. Dann wurde Covid zum Thema und darüber bin ich gestolpert. Ich habe keine Gefahr gesehen. Für mich war Covid vorbei und ich wusste, dass ich das kommunizieren werde. Das war für mich wichtig.» Fischer gibt zu, die Situation falsch eingeschätzt zu haben. «Aber ich bin nicht der Einzige, der off the record Dinge erzählt. Unser Medienchef hat das auch klar gesagt. Und es wurde von Schmitz bestätigt, das hat er uns auch am nächsten Tag per Mail geschrieben. Das hat mich schon irritiert. Was von SRF kommuniziert wurde. Ich weiss nicht, wieso der Verband nie klargestellt hat, dass wir eine Vereinbarung hatten.» Ein harter Vorwurf ans SRF. Der unterlegt wird mit der entsprechenden Mail-Passage, die Röthlisberger vorliest. Und dem widerspricht, was SRF kommuniziert hat – nämlich, dass es kein Off-the-Record-Gespräch war.

... die Reaktion der Fans

Viele Leute seien auf ihn und seine Frau zugekommen und hätten ihm Mut zugesprochen, aber auch mitgelitten. «Dafür bin ich sehr dankbar, das hat wahnsinnig gut getan. Gleichzeitig ist sich meine Familie, meine Frau (Fischer gerät mit Tränen in den Augen kurz ins Stocken) solche Stürme nicht gewohnt.» In dieser Zeit sei ihm vor allem eines bewusst geworden: «Was für eine unglaubliche Familie ich habe.»

... seine Reaktion auf die Entlassung

«Ich bin gut beraten worden. Mir ist gesagt worden, dass ich Ruhe reinbringen soll, sodass sich die Mannschaft auf ihre Aufgabe konzentrieren kann. Das war das Wichtigste in dieser Situation.»

... seine Lehren

«Ich würde heute definitiv anders kommunizieren. Im Nachhinein ist man schlauer. Ich hätte es vor ein bis zwei Jahren schon öffentlich machen müssen.» Und auch zwischen meinem Lapsus, als er das erzählt habe, und dem Zeitpunkt, wo es öffentlich wurde, hätte man bessere Lösungen finden können.

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