Darum gehts
Die Augen von Marco Bayer (53) funkeln, wenn er über die bevorstehenden Wochen und die erste Herausforderung in den Playoff-Viertelfinals gegen Lugano spricht. «Ich spüre eine Aufbruchstimmung und habe sehr viel Vertrauen in diese Mannschaft. Wir wissen, worum es jetzt geht, sind entsprechend fokussiert und bereit», sagt er.
Das war nicht immer so. Im Herbst und Spätherbst durchlaufen die ZSC Lions gleich zwei Krisen. Im Oktober verliert der Doppelmeister wettbewerbsübergreifend nicht weniger als acht Spiele in Folge, ehe durch einen 4:1-Sieg im Derby auswärts in Kloten der Bock umgestossen wird. Die nächste Negativserie folgt im November, als fünf von sechs Ligaspielen verloren gehen, unter anderem werden peinliche Heimniederlagen gegen Ajoie (2:3) und die SCL Tigers (2:3 n.V.) eingefahren. Der ZSC ist zwischenzeitlich nur noch auf Rang 8 klassiert – und Bayer zum zweiten Mal angezählt.
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Beim Derby wurde es ganz eng für Bayer
Doch die Klubleitung rüttelt nicht an ihm – und bekommt dafür im weiteren Saisonverlauf recht. Die Zürcher fangen sich und spielen sich noch in die Top 4. «Es war eine Achterbahnfahrt, wir hatten gute und schlechtere Momente. Es gab mehr Verletzte als im Vorjahr, und dann kam noch der Meisterblues dazu, dieser lässt sich nicht wegdiskutieren», meint Bayer im Rückblick.
In dieser Zeit werden um ihn herum bei anderen Klubs eifrig Trainer gefeuert – insgesamt gibt es in der Liga sechs Wechsel. Dies hat natürlich auch Bayer mitbekommen und sagt dazu: «Wenn man diesen Job antritt, weiss man, dass der Trainer das schwächste Glied ist. Es tut mir megaleid für all jene, die es getroffen hat, und es hätte auch mich treffen können, das ist klar.» Bayer spricht dabei das erwähnte Schlüsselspiel im Oktober gegen Kloten an: «Wenn wir dieses verloren hätten, bin ich nicht sicher, ob ich dann noch hier wäre.»
Lehrreiche zweite ZSC-Saison
Er habe aber stets das Vertrauen der Klubleitung gespürt, «dafür bin ich enorm dankbar». Auch sich selbst hat er ständig reflektiert und nach Verbesserungspotenzial gesucht. «Es ist dann zum Glück gelungen, die richtigen Knöpfe zu drücken», so der Zürcher, der betont, dass er viel für die Zukunft dazugelernt habe.
Nach Play-Ins: So gehts in der National League weiter
Bayer hat in dieser Saison ganz andere Erfahrungen sammeln können als in der letzten, wo alles rasant ging. Damals wurde er nach Weihnachten Nachfolger des aus gesundheitlichen Gründen unerwartet abgetretenen Marc Crawford (65), kurz danach hielt Bayer dank des Champions-League-Triumphs bereits den ersten Pokal in den Händen, es folgten die überzeugenden Playoffs mit der erfolgreichen Titelverteidigung.
«Beides war sehr lehrreich für mich», bilanziert Bayer. «Letztes Jahr kamen wir in diesen Flow. Diese Saison war es schwieriger, und da ging es darum, in solchen Situationen die Ruhe zu bewahren und die richtigen Schlüsse zu ziehen.» Ob Bayer auch die richtigen Schlüsse für die Playoffs gezogen hat, wird sich in den nächsten Wochen weisen.

