Darum gehts
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Für Kyra McDonald (22) hat sich mit ihrem Engagement bei den Fribourg-Gottéron Ladies nicht nur ein Traum erfüllt – sie schreibt damit Geschichte im Frauen-Hockey. Denn die Stürmerin ist die erste Inuit-Frau, die es geschafft hat, Hockey-Profi zu werden. Inuit ist die übergreifende Bezeichnung für indigene Bevölkerungsgruppen in arktischen Regionen, insbesondere in Kanada und Grönland. McDonald gehört zur Gruppe der Inuvialuit, die vor allem aus Kanadas Nordwest-Territorien stammen.
Aufgewachsen ist die Kanadierin in Inuvik, einer Gemeinde mit 3300 Einwohnern nördlich des nördlichen Polarkreises. Im Dezember geht dort die Sonne für einen Monat nicht auf, und im Sommer für fast zwei Monate nicht mehr unter. Ihre Kindheit in diesem abgelegenen Teil des Landes ist eine besondere, «ich fühlte mich immer sehr verbunden mit diesem Leben», erzählt die 22-Jährige. Es ist eine enge Gemeinschaft in Inuvik, «jeder kennt jeden», man verbringt viel Zeit in der Natur, oder eben mit Sport.
Im Team mit Jungs angefangen
Ihr älterer Bruder Kaidan (27) hat mit Hockey begonnen, auch Tim Gordon (56), der Vater der beiden, spielt noch. «Darum kam ich nicht darum herum.» Ihr Dad sei und ist noch ihr Vorbild. In ärmlichen Verhältnissen gross geworden, ist es für ihn immer schwierig gewesen, sich diesen Sport leisten zu können. Die Stürmerin verliebt sich sofort ins Eishockey, als sie sich das erste Mal darin versuchen und mit dem Bruder spielen darf. Denn mehrere Teams gibt es in dieser abgelegenen, isolierten Kleinstadt nicht. Deshalb spielt sie im Buben-Team. Und ihr Vater geht mit ihr in den Mittagspausen aufs Eis, um zusätzlich zu trainieren und Schüsse zu üben.
«Mit Jungs zu spielen, hat mich gestärkt», erinnert sie sich, «ich wollte es allen zeigen, ich war deshalb sehr ehrgeizig.» Als Teenie ist McDonald jedoch rasch bewusst: Will sie sich wirklich weiterentwickeln als Hockeyspielerin, bleibt ihr ein Weggang von Zuhause nicht erspart. «Mit 14 wusste ich, dass ich dieses Opfer bringen muss. Das machte mir etwas Angst.» Mit 15 zieht sie aus ihrem Elternhaus zu einer Gastfamilie ins 3000 Km weiter südliche gelegene St. Albert in der kanadischen Provinz Alberta. Ein Kulturschock in vielerlei Hinsicht. In der 68'000-Einwohner-Stadt muss sie sich in der Schule zuerst eingewöhnen, «zuhause haben wir uns ja alle gekannt».
Sie will andere Mädchen inspirieren
In St. Albert spielt sie in einem Mädchen-Juniorenteam, wechselt 2021 dann an die Trinity Western University nach Langley (British Columbia), für die sie fünf Jahre stürmt. Kurz vor ihrem Abschluss in Sportwissenschaften visiert die Inuit ihr nächstes Ziel an: Ein Wechsel nach Europa. Es ist ihre erste Reise über den Teich, in Fribourg fühlt sie sich wohl, «die Schweiz ist ein wunderschönes Land».
Ihr Vorbild in all den Jahren ist Brigette Lacquette (33), die es als erste indigene Frau («First Nations») ins Team Canada und bis zu Olympia (2018 Pyeongchang, Silber) geschafft hat. Dass sie nun die zweite ist, die ein Stück Geschichte schreibt, rückt für McDonald manchmal in den Hintergrund. Darauf angesprochen, sagt sie, dass es «schon cool ist, es geschafft zu haben und dass ich so andere Mädchen aus meiner Heimat inspirieren kann. Denn die Herkunft spielt keine Rolle, sondern man muss die Passion fürs Hockey leben».
Auf ihre Herkunft angesprochen wird McDonald ab und an. «Von meinen Mitspielerinnen, als sie meine traditionellen Tätowierungen gesehen haben.» Sie hat sich bedeutungsvolle Symbole aus ihrer Kultur stechen lassen an Armen und Beinen. «Ich liebe es und es macht mich glücklich, wenn ich von meiner Heimat und meiner Kultur erzählen kann. Ich bin stolz darauf.»