Hockey-Legende Köbi Kölliker
«Plötzlich hatten die Polizisten die Gewehre auf uns gerichtet»

Köbi Kölliker (73) hat viel erlebt. Sehr viel. Hier erzählt er, welcher Mitspieler eine Sauna zum Explodieren brachte. Wer der «Münzheini» war. Und weshalb er bei Biel während 15 Jahren lang gar keinen Vertrag hatte.
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Ist seit weit über einem halben Jahrhundert im Eishockey tätig: Biel-Legende Köbi Kölliker.
Foto: Sven Thomann
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Daniel LeuStv. Sportchef

Blick: Herr Kölliker, was machen Sie jeweils am Dienstag kurz nach 21 Uhr?

Köbi Kölliker: Da schaue ich mir am TV Hockey an oder spiele Curling.

Sie könnten sich auch den «Kassensturz» anschauen …

Jetzt weiss ich, worauf Sie hinauswollen.

Kölliker: «Mein Vater hatte mir einst das Hockeyspielen verboten, aber ich hielt mich nicht dran.»
Foto: Sven Thomann

1987 veröffentlichte der «Kassensturz» zur besten Sendezeit Ihren Lohn bei Ambri: 150’000 Franken.

Warum sie das getan haben, weiss ich bis heute nicht. Und der Lohn stimmte auch nicht. Das war schlecht recherchiert. Trotzdem sorgte das damals teamintern für Wirbel, denn einige meiner Mitspieler glaubten mir nicht, dass das mit den 150’000 Franken falsch war.

Das ist Köbi Kölliker

Der 73-Jährige spielte für Biel (1970–85, 1989–93) und Ambri (1985–89) und wurde mit den Seeländern dreimal Meister (1978, 81 und 83). Als Trainer coachte er unter anderem Langnau (Aufstieg in die NLA 1998), arbeitete lange für den Verband (auch als Nati-Assistent), war Cheftrainer der deutschen und chinesischen Nationalmannschaft und kümmerte sich um den Aufbau der SCB-Frauen. Der vierfache Vater lebt mit seiner Frau in Vielbringen bei Worb BE.

Der 73-Jährige spielte für Biel (1970–85, 1989–93) und Ambri (1985–89) und wurde mit den Seeländern dreimal Meister (1978, 81 und 83). Als Trainer coachte er unter anderem Langnau (Aufstieg in die NLA 1998), arbeitete lange für den Verband (auch als Nati-Assistent), war Cheftrainer der deutschen und chinesischen Nationalmannschaft und kümmerte sich um den Aufbau der SCB-Frauen. Der vierfache Vater lebt mit seiner Frau in Vielbringen bei Worb BE.

Träumten Sie schon als Kind von einer Karriere als Hockeyspieler und einem solch schönen Lohn?

Nein, damals gab es in der Schweiz noch gar keine Profis.

Wie wuchsen Sie auf?

Im Bieler Quartier Bözingen, in einer ganz normalen Familie. Im Sommer spielten wir Fussball, und im Winter waren wir «Giele» mit Eishockey beschäftigt.

Für die Nati lief Kölliker an unzähligen Weltmeisterschaften und zweimal auch an Olympischen Spielen auf.
Foto: Blicksport

Ihr Vater soll keine Freude daran gehabt haben, dass Sie Hockey gespielt haben.

Das stimmt, er war zwar Eismeister, aber auch Fussballer und beim FC Bözingen eine Art Mädchen für alles. Damals mussten sich die Hockeyspieler immer beim FC umziehen, da sie noch keine eigenen Garderoben hatten. Dort haben sie nach den Trainings oft die Duschen laufen oder das Licht brennen lassen. Deshalb stand mein Vater mit den Hockeyanern oft im Clinch und hat mir das Spielen im EHC verboten.

Haben Sie sich daran gehalten?

Nein, ich liebte das Spiel viel zu sehr. Ich habe mich jeweils heimlich aufs Eisfeld geschlichen. Einmal auch abends. Als das Hauptfeld besetzt war, drehte ich auf dem geschlossenen, zweiten Eisfeld im Dunkeln meine Runden. Dabei stürzte ich unglücklich auf den ungeschützten Kopf und erlitt oberhalb eines Auges eine Platzwunde. Innert kürzester Zeit war alles voller Blut, und ich war sogar kurz «beduselt». Das gab zu Hause richtig Ärger.

Was heisst «richtig Ärger»?

Damals gab es vom Vater schon einen richtigen Zusammenschiss und ab und zu einen «Chlapf», was in jener Zeit halt noch normal war.

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Das 332-seitige Hardcover-Buch «Wir waren Helden» ist ab sofort im Fachhandel erhältlich. Darin enthalten sind 30 Interviews mit Schweizer Sport-Legenden – von Jörg Abderhalden bis Beat Breu, von Denise Biellmann bis Ariella Kaeslin. Das Buch kostet 39 Franken, ISBN-Nummer 978-3-03875-567-8. Zu bestellen unter beobachter.ch/shop.

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Das 332-seitige Hardcover-Buch «Wir waren Helden» ist ab sofort im Fachhandel erhältlich. Darin enthalten sind 30 Interviews mit Schweizer Sport-Legenden – von Jörg Abderhalden bis Beat Breu, von Denise Biellmann bis Ariella Kaeslin. Das Buch kostet 39 Franken, ISBN-Nummer 978-3-03875-567-8. Zu bestellen unter beobachter.ch/shop.

Irgendwann kamen Sie trotzdem zum EHC Biel.

Am Mittwochnachmittag haben wir auf der Eisbahn jeweils ein bisschen geknebelt. Einmal tauchte auch Stu Cruikshank, Trainer der 1. Mannschaft, auf. Da hat er ein paar von uns Jungs rausgepickt und gesagt, wir sollten mal abends ins Training kommen. Als ich meinte, ich hätte gar keine Ausrüstung, antwortete er nur: «Kein Problem, darum kümmern wir uns.» Das war der Beginn meiner Karriere. Bereits mit 17 spielte ich in der 1. Mannschaft, die damals noch im B war.

Ihre Karriere ist eng mit dem Namen Willy Gassmann verknüpft, dem legendären Verleger und Präsidenten des EHC Biel.

Ich fühlte mich privilegiert, dass ich schon sehr früh mit Herrn Gassmann ein sehr gutes Verhältnis hatte. Er war ein Monsieur und ein hoch angesehener Mann, über die Stadt Biel hinaus. Ich machte bei der W. Gassmann AG auch meine Lehre als Typograf. Es kam später, nach meiner Lehre, auch oft vor, dass ich am Sonntagabend in der Druckerei unseren eigenen Matchbericht für die Zeitung gesetzt habe.

Haben Sie damals gut verdient?

Soll ich Ihnen etwas verraten? Ich hatte in Biel während 15 Jahren nie einen Spielervertrag. Nach der Saison lud mich Herr Gassmann immer zu sich in sein Büro im dritten Stock ein. Wir plauderten dort jeweils zuerst ein bisschen über Gott und die Welt. Am Schluss stellte er immer die gleichen Fragen: «Wie sehen Sie die nächste Saison? Wären Sie einverstanden, wenn wir Ihnen nächste Saison Summe X bezahlen?» Ich habe jeweils immer artig Ja gesagt, denn Herrn Gassmann hat man nicht widersprochen.

Gassmann war in der ganzen Stadt bestens vernetzt. Er soll immer gewusst haben, welche Spieler wo im Ausgang waren.

Das war so. Biel war damals noch eine kleinere Stadt, und jeder wusste über den anderen Bescheid. Einmal stand am Dienstag der Spitzenkampf an, Langnau gegen Biel. Doch am Vorabend hatten es zwei Mitspieler und ich nach dem Training beim «Pizzaessen» ein bisschen übertrieben. Als wir dann am Dienstag mit dem Bus ins Emmental fahren wollten, kam Herr Gassmann auf mich zu und sagte: «Köbi, ich habe erfahren, was letzte Nacht gelaufen ist. Schaut, dass ihr das wieder gutmachen könnt.» Danach ging ich zu meinen beiden Mitspielern und sagte ihnen, dass wir heute unbedingt liefern müssen.

Und wie ging das Spiel aus?

Wir gewannen 7:1, und wir drei Sünder waren an sechs Toren beteiligt. Nach dem Match kam Herr Gassmann hocherfreut in die Kabine und gratulierte der Mannschaft, insbesondere uns drei Herren.

Kölliker ist vierfacher Familienvater. Hier mit seiner Frau Lenka und Söhnchen Tim 2007.
Foto: RMS

Bei Biel hatten Sie einige spezielle Trainer, zum Beispiel Ed Reigle.

Oh ja, Ed war ein Gentleman. Wir nannten ihn immer den «Münzheini».

Warum?

Er trug stets, damals hochmoderne, karierte Hosen mit grossen Hosensäcken voller Münz. Wenn er rumlief, klimperte es daher immer. Als wir mal in Bern im zweiten Drittel zurücklagen, sagte er bei seiner Pausenrede: «Jungs, ich habe mein Geld schon, ihr aber noch nicht. Jetzt müsst ihr liefern und euch das Geld verdienen.» Dabei hat er mit seinen Münzen geklimpert.

Wie wars mit Kent Ruhnke?

Der hatte nur eine Stellung am Gasherd: Vollgas! Als er beim ZSC entlassen wurde, kam er im Januar 1982 zu uns. Der Zufall wollte es, dass wir in seinem ersten Spiel als Biel-Trainer gleich auf den ZSC trafen. Als beim Warmmachen die Zürcher im Uhrzeigersinn ihre Runden drehten, sagte er uns nur: «Wir spielen zu Hause, und wir sagen, wie gelaufen wird. Jetzt dreht ihr eure Runden im Gegenuhrzeigersinn.» Da knallte es schon vor dem Anspiel, und es gab schon beim Einlaufen die erste Schlägerei. Ruhnke schrie dabei von aussen nur: «Gib ihm, gib ihm!» Kent war ein Super-Kumpel und ist ein Vorzeigemensch. Da fällt mir übrigens noch eine zweite Anekdote ein.

Mit Biel wurde Kölliker dreimal Meister, im Bild Meistertrainer Kent Ruhnke.
Foto: Blicksport

Erzählen Sie.

Beim ZSC war er ja noch Spielertrainer gewesen, bei uns aber nur noch Coach. Trotzdem wollte er in Form bleiben, um später noch einmal Spieler zu werden. Deshalb hat er immer mittrainiert. Eines Tages nahm ich mir seine zwei Holzstöcke, die sein Heiligtum waren und die er jeweils stundenlang gefeilt und eingebunden hat. Ich nahm die «Schaft-Kläberli» weg, sägte die Stöcke an und machte die «Kläberli» sorgfältig wieder drauf.

Was passierte dann?

Als er schiessen wollte, brach natürlich der Stock. Da rief er fürchterlich aus und holte seinen zweiten. Doch oh Schreck, auch dieser fiel auseinander. Da realisierte er, dass ihm jemand die Stöcke angesägt hatte, und er wurde richtig wütend und fluchte mit seinem englisch-deutschen Wortschatz. Deshalb liess er uns alle von Bande zu Bande fahren, bis sich der Täter melden würde. Irgendwann merkte er, dass ich einfach nur stehen blieb und nicht mitmachte. Als er fragte, warum, meinte ich nur: «Ich fahre sicher nicht von Bande zu Bande, denn ich habe die Stöcke angesägt.»

Wurden Sie dafür bestraft?

Nein, denn der Zufall wollte es, dass wir im Trainingsmätschli danach im gleichen Team waren. Da ich ihm ein paar schöne Pässe spielte und wir gewannen, meinte er danach zu mir nur: «Was a good joke, alles gut.»

Mit Biel wurden Sie dreimal Meister und zur Legende. Warum wechselten Sie 1985 trotzdem zu Ambri?

Nach der Meistersaison 1983 hörte Präsident Gassmann bei Biel auf. In der Zeit verliessen einige Mitspieler den Verein. Manche wechselten zu Lugano, die eben erst aufgestiegen waren und anständige Löhne zahlten. Mir sagte man in Biel aber: «Sie müssen als echter Bieler unbedingt hierbleiben.» Ich erhielt damals sogar eine Sonderprämie. Doch 1984 hiess es vom neuen Präsidenten plötzlich, mein Lohn sei zu hoch. Ich solle doch dem Verein entgegenkommen. Entweder ich bleibe zu günstigeren Konditionen, oder sonst habe Biel auch ohne mich ein gutes Team. Ich war damals noch Nationalspieler, und nach 15 Jahren EHCB tat das schon etwas weh. Deshalb entschied ich mich, meine Karriere zu beenden.

Doch es kam anders.

Eines Tages rief mich ein guter Freund aus Ambri an und sagte, der HCAP wolle unbedingt in die NLA aufsteigen. Ob mich das nicht reizen würde? Zuerst wollte ich eigentlich nicht, doch dann sagte ich meinem heimlichen Lieblingsklub doch zu und unterschrieb in Ambri zum ersten Mal in meiner Karriere einen Vertrag.

Heute ist Kölliker immer noch Trainer und spielt leidenschaftlich gerne Curling.
Foto: Sven Thomann

Wie wars bei Ambri?

Schön, richtig schön! Ich war zum ersten Mal Profi und konnte mich vollends dem Eishockey widmen. Dabei hatte ich auch noch Zeit, bei einem guten Freund am Skilift mitzuhelfen. Ich half an der Kasse aus, arbeitete beim Pistendienst und im Service der kleinen Buvette Lüina.

Bei Ambri trafen Sie auch auf den legendären Dale McCourt.

Der war unglaublich gut, ein Vollprofi. Dale war die gute Seele im Team, voller Energie und auch für das eine oder andere Scharmützel gut. Während des Sommertrainings mussten wir ab und zu auf dem Flugplatz unsere Runden drehen, doch er versteckte sich hie und da einfach im Hangar. Auch in der Garderobe machte er seine Spässe. Einmal zerschnitt er in der Mitte die Unterhose eines Mitspielers. Als dieser sie dann anziehen wollte, hatte er sie plötzlich unter den Achseln. Besonders fasziniert hat mich an ihm immer seine Ruhe und Besonnenheit.

Wie meinen Sie das?

Egal, was er neben dem Eis machte, er kannte nur ein Tempo, und zwar ein sehr gemächliches. Er liess sich nie stressen oder aus der Ruhe bringen. Einmal sassen wir nach einem Training in der Garderobe, in der wir damals schon eine Sauna hatten. Dale murmelte, dass er nun in die Sauna gehen werde. Nach zehn Minuten kam er zurück und sagte ganz entspannt zu mir: «Hey Köbi, kommst du mal?» Dann ging er wieder. Da ich mich noch ein bisschen mit anderen Mitspielern unterhielt, tauchte Dale kurze Zeit später wieder auf und meinte ein bisschen resoluter: «Kommt ihr!» Als wir dann zu dritt nach hinten liefen, stand die Sauna in Flammen, und alles war voller Rauch.

Warum brannte es?

Dale hatte die ganze Eukalyptus-Flasche über die heissen Steine geleert. Dabei gab es eine Stichflamme und eine kleinere Explosion, somit war die Sauna für den Rest der Saison Geschichte. Doch selbst eine Explosion hatte ihn nicht aus der Ruhe gebracht.

In Ambri war es auch auf dem Eisfeld regelmässig explosiv.

Gelegentlich bekamen das auch die Schiedsrichter zu spüren. Einmal warteten nach dem Spiel die wütenden Ambri-Fans auf den Schiri. Die Polizei musste wieder einmal einschreiten, und ich sollte als Captain die Fans ein bisschen beruhigen. Eine Woche später leitete ein Bieler Schiri das Spiel. Im ersten Drittel pfiff er alles gegen uns. Ich lief in der Drittelpause neben ihm in die Garderobe und sagte: «Gell, so kannst du nicht weiterpfeifen. Du musst schauen, wie du nach dem Spiel unversehrt zur Eishalle rauskommen wirst. Du weisst ja, was letzte Woche passiert ist …» Danach konnten wir machen, was wir wollten, die Strafen gab es nur noch für die Gegner.

Wir müssen unbedingt auch noch über Ihre Nati-Karriere sprechen. Ihr WM-Debüt gaben Sie 1974 in der damals drittklassigen C-WM.

Da spielten wir gegen Mannschaften wie Bulgarien, China, Nordkorea oder Australien. Vor allem das Spiel gegen Australien war witzig. Als wir 11:0 führten, entschieden wir: Das zwölfte Tor schiesst Toni Neininger, weil er die 12 trug, das 13:0 Simon Schenk, weil er die 13 hatte und so weiter. Am Ende gewannen wir 20:0, doch ich durfte kein Tor mehr schiessen, weil ich die 4 hatte.

Die unterklassigen Weltmeisterschaften fanden meist an exotischen Orten statt, oft auch noch im Ostblock. Was haben Sie dort alles erlebt?

Vieles, zum Beispiel im rumänischen Miercurea. Dort gingen wir in ein Geschäft rein, weil einer seine Socken zu Hause vergessen hatte und er deshalb gleich fünf Paar kaufte. Die Verkäufer hätten ihm beinahe die Füsse geküsst, weil das für sie, die sehr bescheiden lebten, fast schon das Geschäft ihres Lebens war. Oder einmal waren wir in einer Beiz. Wir trugen damals Jeans, was für die Rumänen ein nicht erhältliches Statussymbol war. Deshalb zog mitten in der Beiz einer meiner Mitspieler seine Jeans aus und schenkte sie einem Verehrer. Dieser war unglaublich gerührt und weinte vor Freude. Heftig war es übrigens auch in der DDR.

Was war da los?

Wir wären dort einmal fast verhaftet worden, als wir in Halle an der Saale über einen riesengrossen Platz, der menschenleer war, laufen wollten, denn gegenüber lag ein Einkaufsladen. Oha, plötzlich kamen zwei Polizisten auf uns zugerannt und hatten die Gewehre auf uns gerichtet im Anschlag. Offenbar war dieser Platz eine Sperrzone. Wir entschuldigten uns artig und mussten aussen rum laufen.

1976 und 1988 nahmen Sie auch an Olympia teil.

1976 war der Modus noch speziell. Weil wir das Qualifikationsspiel gegen Deutschland verloren hatten, mussten wir in der Platzierungsrunde antreten, in der es nur noch um die Plätze 7 bis 12 ging. Wir waren sehr enttäuscht und hatten an dieser «Loser-Runde» kein grosses Interesse mehr. Gleichzeitig hatte schon am ersten Olympia-Tag die Abfahrt stattgefunden. Die damaligen Abfahrer durften danach während den ganzen Spielen im Olympiadorf bleiben und haben gefühlt zehn Tage lang durchgefeiert. Sagen wir es mal so: Auch der eine oder andere Hockeyspieler war jeweils Teil der Feierlichkeiten, was für unser Spiel nicht sehr zuträglich war.

Nach seiner Karriere als Spieler wurde er Trainer. Hier als Assistent an der Seite von Nati-Coach Ralph Krueger.
Foto: TOV

1988 war es aber anders. Damals schlug die Schweiz sensationell Finnland.

Angefangen hat es aber eher schlecht. Zur Vorbereitung trafen wir in Alaska auf ein Team aus einer Regionalliga, den Fairbanks Golden Kings. Das Spiel fand in einer alten Halle mit sehr niedriger Decke statt, in der sich die paar flackernden Lampen unangenehm gespiegelt hatten. Für uns war das nur ein lockeres Trainingsspiel, doch die Golden Kings waren top motiviert, ja übermotiviert. Alles grimmige, physisch starke Kerle, die nur auf den Mann spielten. Zwei, drei hatten unter ihrem Helm lange, offene Haare, du konntest nicht mal mehr die Nummern auf den Trikots erkennen. Schon beim Einlaufen haben die gepumpt wie eine Horde grimmiger Wilder. Im Spiel selbst hatten wir fast schon Angst, denn keiner wollte sich noch verletzen. Wer den Puck hatte, spielte ihn deshalb möglichst schnell wieder ab und ging wechseln. Es war ein absurdes Spiel. Wir verloren damals recht hoch und hatten bei den Schweizer Journalisten den Kredit bereits verspielt. Doch dann schlugen wir im ersten Olympiaspiel eben Finnland und gewannen am Ende ein olympisches Diplom, was damals eine Sensation war.

Nach Ihrer Karriere als Spieler wurden Sie Trainer und sind es bis heute. Können Sie nicht loslassen?

Das hat damit nichts zu tun. Ich gebe gerne meine Erfahrungen an junge Spieler weiter und freue mich, noch auf dem Eis stehen zu dürfen. Zudem kenne ich viele Leute im Business. So war es auch jetzt wieder. Der SC Lyss suchte einen neuen Trainer, und seitdem stehe ich wieder an der Bande.

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