Übrigens – die SonntagsBlick-Kolumne
Don King hat den Finger immer noch in der Steckdose

Don King hat zwei Menschen getötet. Und feiert jetzt seinen 95. Geburtstag. Die Kolumne von Felix Bingesser.
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Boxpromoter Don King küsst seine eigene Wachsfigur bei Madame Tussaud's in Las Vegas.
Foto: ASSOCIATED PRESS

Allein der Name ist Musik in den Ohren von Menschen, die an Grössenwahn leiden. Der grösste Boxpromoter aller Zeiten feiert am 20. August seinen 95. Geburtstag. 

Don King!

Don ist in der spanischen Weltsprache der Ausdruck für Herr. Und was King bedeutet, das wissen auch die Kinder in der Spielgruppe.

Donald «Don» King wird als siebtes von neun Kindern am 20. August 1931 in Cleveland geboren. Andere Quellen berichten, er sei das fünfte von sechs Kindern des Stahlarbeiters Clarence und seiner Frau Hattie King. So genau hat offenbar niemand mitgezählt. Gesichert ist jedenfalls, dass sein Vater bei einer Explosion stirbt, als Donald zehn Jahre alt ist. 

Seine Mutter schlägt sich mit dem Verkauf von gerösteten Erdnüssen durch. Diesen Nüssen legt Don bald Lotterielose bei. Es ist der Einstieg zu seiner zwielichtigen Karriere in der Welt des Glücksspiels.

King tötete mehrere Menschen

Dort wird mit harten Bandagen gekämpft. 1954 tötet Don King einen Mann, der eines seiner Wettbüros ausrauben will. Er wird wegen Notwehr freigesprochen.

1967 rastet King aus. Er prügelt einen Mann, der ihm 600 Dollar schuldet, mit dem Knauf seiner Pistole zu Tode. Man verurteilt ihn wegen Mordes zu einer lebenslangen Haft. Später wird das Urteil auf Totschlag abgemildert. Von der verordneten 15-jährigen Strafe verbüsst King nur vier Jahre. Dann wird er auf Bewährung freigelassen. 

«Ich wurde im Zuchthaus unterrichtet, nicht in Harvard oder Oxford. Ich habe meinen Abschluss an der Universität des Ghettos gemacht, der Schule der harten Schläge und zerbrochenen Träume. Und ich habe mit summa cum laude abgeschlossen», hat King seine Karriere einst zusammengefasst. 

King organisierte alle grossen Fights

Donald Duck ist ein Choleriker, Donald Trump ist ein Choleriker, und Donald King ist ein Choleriker. Und die letzten beiden haben nicht nur den Vornamen und den skrupellosen Geschäftssinn gemein. Was für die Schwachstrom-Tolle Trump der Überfall auf Venezuela und der Krieg im Iran ist, ist für die Starkstrom-Locke King der «Rumble in the Jungle» und der «Thrilla in Manila». 

1974 zieht King dem zairischen Diktator Mobutu die Millionen aus der Tasche. Und der Kampf zwischen Muhammad Ali und George Foreman spült Kinshasa und ganz Afrika auf die Karte des Weltsports. Ein ikonisches Jahrhundertereignis.

Ein Jahr später finanziert mit dem philippinischen Diktator Ferdinand Marcos ein anderer Despot den «Thrilla in Manila» zwischen Ali und Joe Frazier. 

Den grossen Reibach macht, wie immer, Don King. Der berühmteste und berüchtigtste Strippenzieher der Sportgeschichte ging, im Sinne des Wortes, über Leichen. Viele seiner Klienten wie Ali, Frazier oder Trevor Berbick sind verstorben. Der Mann mit der Starkstromfrisur lebt noch.

King, der zweifache Totschläger, hat im Gefängnis viel gelesen. Auch die Weisheit des Historikers Lord Acton. «Macht korrumpiert. Absolute Macht korrumpiert absolut.»

Danach sagte er: «Wenn man an der Spitze ist, muss man darauf achten, wie man mit Menschen umgeht.» Seine Haarspitzen haben bei diesen Worten nur leicht vibriert. 

Trotz allem: Happy Birthday, Don King. Es ist wundersam, dass dieser Grenzgänger den Finger immer noch in der Steckdose hat. 


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