Darum gehts
- Boxer Prichard Colon stirbt mit 33 Jahren nach traurigem Vorfall
- 221 Tage Koma durch Hirnblutungen nach verhängnisvollem Kampf 2015
- Bilanz: 16 Profisiege, davon 13 durch K.o., Karriere abrupt beendet
Er wurde nur 33 Jahre jung, doch wirklich gelebt hatte er bloss bis zum Alter von 23. Gestern verkündete Prichard Colons Vater Richard schweren Herzens den Tod seines Sohnes.
Auf Facebook schrieb er: «Guten Morgen. Ich muss euch leider mitteilen, dass mein Sohn Prichard aus diesem irdischen Leben geschieden ist. Er ist nun in einer besseren Welt.» Er wollte ihm unbedingt seinen Wunsch erfüllen, ihn in seine Heimat nach Puerto Rico zu bringen, doch das gelang ihm nicht mehr.
Steiler Aufstieg bei den Profis
Geboren in Florida, machte Prichard schon in jungen Jahren bei Boxwettkämpfen auf sich aufmerksam. Als er zehnjährig war, zog sein Vater mit ihm und seiner Schwester nach Puerto Rico, um seine Karriere aufzubauen. Nach 170 Siegen bei 15 Niederlagen bei den Amateuren gelang ihm 2010 mit Gold an den Panamerikanischen Jugendmeisterschaften der Durchbruch.
Und auch auf Profistufe machte er sich in den Welter- und Superweltergewichtsklassen schnell einen Namen. Auf sein Profidebüt mit K.o.-Sieg in der ersten Runde folgte im September 2015 ein Sieg gegen den ehemaligen Weltmeister Vivian Harris – wiederum durch vorzeitiges Ende. Mit einer Bilanz von 16:0 (13 durch K.o.) gings einen Monat später in seinen letzten, verhängnisvollen Kampf.
221 Tage im Koma: Liess der Kampfrichter zu viel durchgehen?
Gegner an diesem Oktoberabend war der bislang ebenfalls ungeschlagene Terrel Williams (heute 52). Beide Boxer leisteten sich diverse Regelverstösse und wurden vom Kampfrichter Joseph Cooper auch mit Punktabzügen sanktioniert. In der Folge schlug Williams trotzdem immer und immer wieder auf Colons Hinterkopf. Als sich dieser bei Cooper beschwerte, soll er ihm Berichten zufolge mehrfach gesagt haben, er soll es selbst regeln.
Nach diversen unerlaubten Schlägen klagte Colon über Schwindel und Schmerzen am Hinterkopf. Also suchte er in den Rundenpausen Ringarzt Richard Ashby auf, der ihn als kampftauglich beurteilte und zurück in den Ring schickte. Das Drama hatte da wohl längst seinen Lauf genommen.
Als Colons Team nach der neunten von zehn Runden fälschlicherweise dachte, der Kampf sei zu Ende, schnitten sie ihm die Handschuhe auf und provozierten dadurch eine Disqualifikation. Zurück in der Kabine kollabierte Colon und wurde in ein Spital verlegt, wo kritische Hirnblutungen diagnostiziert wurden.
Den Ärzten blieb nichts anderes übrig als ihm den Schädel aufzuschneiden. Daraufhin blieb er 221 Tage im Koma, ehe er erwachte. Die vom Kampf davongetragenen Schäden zeigten sich im vollständigen Verlust sämtlicher Motorik. Nicht einmal sprechen konnte er noch.
Untersuchung sprach alle Beteiligten frei
In den letzten zehn Jahren kümmerte sich vor allem seine Mutter Nieves Meléndez rund um die Uhr um den einstigen Spitzenathleten. Gleichzeitig verklagte die Familie Ringarzt Ashby und die beteiligten Promotionsgesellschaften auf 50 Millionen US-Dollar. Doch bis heute wurde kein Urteil gesprochen. Auch die Untersuchung der zuständigen Bundesstaatsbehörde identifizierte keinen Schuldigen.
Immerhin wurde nach der Tragödie die «Prichard Colon Rule» eingeführt, die Vorfälle wie jenen von Colon verhindern soll. Für Prichard selbst kam sie zu spät.