Kämpferische Beachvolleyball-Königin
Schlaganfall mit 18 – jetzt ist Laura Weltspitze

Die Deutsche Laura Ludwig (31) hat sich nach einem schweren Schicksalsschlag an die Beachvolleyball-Spitze gekämpft. Und zählt auch an der EM zu den Favoritinnen.
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Laura Ludwig zählt zu den momentan erfolgreichsten Beachvolleyball-Spielerinnen.
Foto: imago/Beautiful Sports
Nicole Vandenbrouck

Es ist der Stoff, der grosse Erfolgsgeschichten im Sport noch emotionaler macht. Geschehen im August 2004: Laura Ludwig ist eine 18-jährige, aufstrebende Beachvolleyballerin. Ein Ausnahmetalent, das im Jahr zuvor den U18-WM- und EM-Titel gefeiert hat, und dem eine verheissungsvolle Zukunft vorausgesagt wird.

Die Unbekümmertheit der jungen Spielerin bekommt aber einen Dämpfer. In einem Sandtraining Ende August in Kiel-Schilksee (De) spürt die Teenagerin plötzlich ihren linken Arm nicht mehr. Die Aussprache ist lallend. Ihr damaliger Coach alarmiert sofort den Notarzt. Die Diagnose in der Kieler Universitätsklinik ist für Laura Ludwig ein Schock: Sie hat zwei kleinere und ein grösseren Gehirninfarkt erlitten – einen leichten Schlaganfall.

Kameraleute vor der Haustür

Erleichterung stellt sich erst nach der Prognose des Arztes ein, dass sie keinerlei bleibende Schäden befürchten muss und wieder Leistungssport betreiben kann. Die kesse Ostdeutsche, die ihr Herz auf der Zunge trägt, sagt damals im «Hamburger Abendblatt» über das grosse Medien-Interesse: «Als Sara Goller und ich als jüngstes Team aller Zeiten im Juni ein Turnier der nationalen Beach-Serie gewonnen haben, standen keine Kameraleute vor meiner Tür. Ich musste erst einen Schlaganfall bekommen, damit sich das ändert.» Heute rennt man Laura Ludwig ebenfalls die Tür ein – aber ihrer Erfolge wegen.

So grossartig sie sportlich unterwegs ist, so grossartig geht sie mit diesem Schicksalsschlag um: «Das ist ein Teil von mir und gehört zu meinem Leben. Es ist schön, anderen Leuten Mut zu machen, zu zeigen, dass man sich nach Schicksalsschlägen wieder aufrappeln kann. Es ist mir auch wichtig, Menschen dazu zu bewegen, sich über ihre Gesundheit Gedanken zu machen und bewusster zu leben. Das fällt mir aufgrund meiner eigenen Erfahrung leichter.»

Olympiasiegerin 2016 und Weltmeisterin 2017

Zum 13. Mal jährt sich in wenigen Tagen ihr gesundheitlicher Schicksalsschlag – aber zum ersten Mal auch ihr sportlich bedeutungsvollster Erfolg: Der Olympia-Sieg 2016 in Rio. «Ein besonderer, unvergesslicher Tag. Manchmal sehe ich die Bilder noch so nah vor mir als wäre es gestern passiert.»

Nach Olympia setzt sie mit ihrer Partnerin Kira Walkenhorst (26) zu einem regelrechten Triumphzug an, gewinnt wenige Wochen später den World-Tour-Final in Toronto (Ka) und vor drei Wochen feiert das Duo den Weltmeister-Titel in Wien.

Danach mussten die zwei runterfahren. «Sonst kann man sich nicht erholen und bricht irgendwann ein.» Und jetzt die EM in Lettland, der nächste Höhepunkt – auch der nächste Sieg? «Wir wünschen uns natürlich eine erneute Titelverteidigung – aber wir werden wieder den Fokus auf die eigene Leistung legen – unser Motto heisst «the perfect match» – danach streben wir in jedem Turnier.

Kann sie den Schicksalsschlag dabei völlig ausblenden? «Füher war das schwierig, inzwischen ist der Schlaganfall lange her und nicht mehr ständig präsent. Aber ich schätze auf jeden Fall das Privileg, meine Passion als Beruf auszuüben und dann auch noch erfolgreich zu sein.»

Erfolgreich ist für das Duo Ludwig/Walkenhorst jedenfalls schon einmal der Start in die EM. Gegen das französische Doppel Jupiter/Lusson gewinnen die Deutschen mit 21:18 und 21:18.

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