Der Schweizer Markt sieht grün: Viele Detailhändler und Cafés bieten das Trendgetränk Matcha an. Ursprünglich aus Japan bedeutet Matcha übersetzt «gemahlener Tee». Für uns degustiert Teesommelière Tamara Grob verschiedene Getränke aus dem Schweizer Handel. Seit sieben Jahren übt sie diesen Job aus und beschäftigt sich seit ihrer Kindheit mit Tee.
Die Matcha-Manie ist laut Grob vor allem eins: ein Marketing-Gag. Sie probiert für SonntagsBlick sechs verschiedene Ready-to-Drink-Getränke, die auf der Verpackung mit «Matcha» werben, sowie einen Iced Matcha Latte aus einem Café. Besonders bei den Farben und dem Geschmack fallen ihr Unterschiede auf.
«Die Farbe sagt relativ viel über die Qualität aus», erklärt Grob. Der Iced Matcha Latte aus The Matcha Club sei «grasgrün bis dunkelgrün», während beispielsweise der Matcha Kokos der Marke Alpro oder der Matcha Oat Drink von Oatly eher gelblich scheinen würden. Bei den schwachen, gelbstichigen Grüntönen könne man davon ausgehen, dass es kein sehr hochwertiger Matcha sei.
So bewertet Teesommelière Grob die Matchagetränke:
Ready to Drink Matcha Kokos
Die Marke Alpro bietet mit Ready to Drink Matcha Kokos ein Matchagetränk auf pflanzlicher Basis an. Der Grünton lehne stark ins Gelbe. Das Getränk schmecke kaum nach Matcha, sei sehr süss und nicht bitter.
Matcha Oat Drink
Auch die Hafermilch von der Marke Oatly gibt es in der Variante Matcha Oat Drink. Geschmacklich bleibe es stark bei der Hafermilch, während das Matcha-Grünteepulver die Farbe, aber kaum den Geschmack beeinflusse.
Soully Matcha Soda
Das Soully Matcha Soda habe wegen des Matchapulvers eine trübe, grüne Farbe. Die Säure des Zitronensafts beeinflusse den Grünton etwas und sorge für einen harmonischen Mix aus Zitrone und hochwertigem Matcha. Die Kohlensäure biete zusätzlich eine Frische.
Powerlino Natural Energy Drink Matcha Citrus
Der Powerlino Natural Energy Drink Matcha Citrus sei aufgrund des Matcha-Grünteepulvers trüb. Das Getränk habe den typischen Geschmack eines Energydrinks und erinnere an Kaugummi. Es sei süss mit einem leichten Matchagrüntee-Einfluss.
Lattesso Matcha Latte
Das Matchaaroma des Lattesso Matcha Latte halte im Nachgang lange an. Grob beschreibt einen tiefen Geschmack, das Getränk sei etwas milchig. Die Farbe ist grünlicher als bei anderen Ready-to-Drink-Produkten.
Emmi Matcha Latte
Farblich eher im Gelblichen, beschreibt Grob den Geschmack des Emmi Matcha Latte als «zitrusfrisch und grasig». Eine tiefe Umami-Note, die für hochwertigen Matcha typisch sei, fehle. Grob schmecke eher die typischen Noten eines Grüntees heraus. Das Getränk sei nicht bitter und süss.
Iced Matcha Latte von «The Matcha Club»
Die Teesommelière testet als Referenz auch einen Iced Matcha Latte aus dem Café The Matcha Club. «Hier merkt man den Geschmack von Matcha.» Das Aroma sei Umami, vollmundig und bleibe lange im Mund bestehen. Der Tee verleihe dem Getränk gemüseartige, spinatige Noten. Aufgrund der natürlichen Süsse sowohl des Matcha als auch der Milch sei kein Zucker nötig.
Ready-to-Drink-Varianten könne man jedoch nicht mit frisch aufgeschlagenem Matcha vergleichen. Sobald Tee zubereitet und abgefüllt werde, würden Faktoren wie Sauerstoff, Licht oder Wärme die Qualität der Inhaltsstoffe beeinflussen.
Hochwertiger Matcha wird 20 bis 30 Tage beschattet, wodurch das Teeblatt weniger Bitterstoffe entwickle und sich der Umami-Geschmack besser entfalten könne. Lang beschatteter Matcha der ersten Pflückung im Frühling wird mit dem Siegel «Ceremonial Grade» versehen. «Culinary Grade»-Matcha hingegen wird im Sommer oder Herbst gepflückt und deutlich weniger bis gar nicht beschattet.
Günstigere Matchavarianten und Grüntee sind entsprechend bitterer. Hersteller würden diese Bitterstoffe mit Zucker überdecken.
«Im Prinzip kann man alles Matcha nennen»
Die Unterschiede zwischen den Matchaprodukten stammen laut Grob unter anderem daher, dass es im Schweizer Lebensmittelrecht keine gesetzliche Definition für «Matcha» gibt. Auch die Qualitätsgrade «Ceremonial Grade» oder «Culinary Grade» sind nicht geschützt.
«Im Prinzip kann man alles Matcha nennen.» In den Inhaltsangaben stösst man beispielsweise auf die Zutat «Matcha-Grünteepulver». «So weiss der Konsument nicht genau, ob es Matcha- oder Grünteepulver ist», erklärt Grob.
Trotzdem: «Lebensmittel dürfen hinsichtlich ihrer Art, Zusammensetzung, Beschaffenheit, Herstellung oder Qualität nicht täuschend präsentiert oder beworben werden», sagt eine Sprecherin des Bundesamts für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen auf Anfrage.
Grüntee statt Matcha?
Grob kritisiert nach ihrer Auswertung den «Emmi Matcha Latte» der Emmi AG: Es sei kein Matchagetränk. Laut der Zutatenliste enthält das Getränk Grünteepulver, und dies sei nicht das Gleiche wie Matcha.
Herkömmlicher Grüntee und Matcha stammen von derselben Pflanze, der Camellia sinensis. Sie werden aber anders angebaut und verarbeitet, erklärt Grob. Bei der Degustation schmecke sie eher die typischen Noten eines Grüntees als die von Matcha heraus.
Da die Bezeichnung Matcha rechtlich nicht geschützt ist, werde sie teilweise für einfaches Grünteepulver verwendet, sagt auch der Pressesprecher der Cremo SA, der Firma hinter Lattesso und Konkurrent der Emmi AG. «Der Matcha Latte von Emmi basiert auf Grüntee statt echtem Matcha und enthält zudem Wasser.»
Emmi weist Vorwürfe zurück
Die Emmi AG dementiert diese Aussagen. Die Deklaration «Grünteepulver» entspreche den lebensmittelrechtlichen Anforderungen und beschreibe die eingesetzte Zutat korrekt. Man habe Verständnis dafür, dass diese Bezeichnung Fragen auslöse. «Deshalb haben wir sie bereits zu «Matcha-Grünteepulver» angepasst.» Diese Änderung werde in Kürze auf den Verpackungen sichtbar sein.
Ihr Matchapulver stamme aus China. «Da wir reines Matchapulver ausschliesslich aus gemahlenen Grünteeblättern einsetzen, benötigen wir grössere Mengen, die aktuell nicht zuverlässig aus japanischer Produktion gedeckt werden können.»
Zu den Aussagen der Teesommelière Grob entgegnet Emmi, Geschmack, Farbe und Geruch würden individuell wahrgenommen. Emmis Getränk biete eine «ausgewogene Balance zwischen hochwertigem Matcha und bester Schweizer Milch», wobei die Milch Farbe, Textur und Geschmack bewusst mitprägen soll.
Hier beziehen die Hersteller das grüne Pulver
Guter Matcha könne aktuell ausschliesslich in Japan produziert werden, sagt Grob. Japan sei mit seinem Know-how auf dem Gebiet Jahrzehnte voraus.
Oatly antwortet auf Anfrage, seinen Matcha sowohl aus Japan als auch aus China zu beziehen. Das Produkt Matcha Oat Drink soll nicht traditionell zubereiteten Matcha ersetzen, sondern eine praktische Alternative bieten. «Unsere Konsumentinnen und Konsumenten schätzen den Hafer-Fokus mit einer angenehm milden Matchanote.»
Der Schweizer Hersteller Soully gibt an, für sein Soda japanischen Biomatcha aus Kagoshima der Qualität «Premium Grade» zu verwenden. Auch im «Powerlino Matcha Citrus» steckt laut dem Migrolino-Sprecher Biomatcha aus Kagoshima.
Vor allem japanische Blätter
Im Matcha Kokos von Alpro sei japanischer Matcha enthalten. Der Firma sei wichtig, ein «ausgewogenes Geschmacksprofil» zusammen mit Matchanoten zur Geltung zu bringen. Die Kokos- und Sojabasis verleihe eine natürliche Süsse.
Der Lattesso Matcha Latte enthält laut Hersteller Cremo SA ein Premiumkonzentrat aus japanischem Matcha der Schweizer Firma Yuki Matcha sowie Schweizer Milch, ohne Zusatz von Wasser.
Im Café The Matcha Club werde jedes Getränk erst im Moment der Bestellung zubereitet. Verwendet werde ein exklusiv für die Firma selektierter Matcha. Dieser stamme aus der ersten Frühjahrsernte und entspreche der höchsten Qualitätsstufe «Ceremonial Grade».