Immer mehr Rechenzentren werden gebaut, ihr Strombedarf steigt. In der Schweiz dürfte er bis 2030 um 20 bis über 50 Prozent zunehmen (TEP Energy / EnergieSchweiz, 2026). Beim Betrieb der Server entsteht viel Wärme, die mit Kühlsystemen nach draussen abgeführt wird. Das braucht zusätzliche Energie und die Abwärme bleibt meist ungenutzt.
Der Genfer Cloud-Anbieter Infomaniak macht es anders. In seinem Rechenzentrum D4 bei Genf wird die Wärme der Server zurückgewonnen und ins Genfer Fernwärmenetz eingespeist. Bei voller Auslastung kann D4 im Winter bis zu 6’000 Haushalte mit Wärme versorgen und im Sommer 20’000 Personen täglich fünf Minuten warm duschen lassen. Laut Berechnungen des Enterprise for Society Center (E4S) reduziert die Lösung bei voller Auslastung die Emissionen gegenüber einer Erdgasheizung um jährlich rund 3’600 Tonnen CO₂-Äquivalente.
Eine Lösung zum Kopieren
Infomaniak hat die Dokumentation von D4 als Open Source veröffentlicht (d4project.org). Andere Rechenzentrumsbetreiber können das Konzept damit übernehmen und für weitere Rechenzentren nutzen. Die Jury unter Alt-Bundesrätin Doris Leuthard zeichnete Infomaniak für D4 mit dem Green Business Award 2026 in der Kategorie KMU / Corporates aus.
«Diese Auszeichnung ist ein Signal, dass wir im Angesicht der Umweltkrise und des KI-Booms mutig neue Wege gehen müssen. Sie bestätigt: Rechenzentren dürfen nicht nur Energie verbrauchen, sie müssen der Allgemeinheit dienen. Der wahre Wert von D4 liegt in seiner Kopierbarkeit, und genau dabei hilft uns dieser Preis. Wir haben alle Pläne offengelegt, damit andere folgen können», sagt Boris Siegenthaler, Gründer und Chief Strategy Officer von Infomaniak.
Das ist der Green Business Award
Der Green Business Award zeichnet seit 2019 Schweizer Unternehmen aus, die ökologische Wirkung mit wirtschaftlichem Erfolg verbinden. Rund 40 Scouts aus Wirtschaft und Wissenschaft nominieren Lösungen aus unterschiedlichen Branchen. Eine Vorjury wählt je Kategorie drei Finalisten aus, die ihre Lösungen anschliessend der Hauptjury unter dem Vorsitz von Alt-Bundesrätin Doris Leuthard präsentieren. 2026 wird der Award erstmals in zwei Kategorien vergeben: KMU / Corporates und ScaleUps.
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